Trump und Russland "Wie Honig für die Biene"

Donald Trumps Russland-Kontakte gehen Jahrzehnte zurück. In einem exklusiven Buchauszug schildert der investigative US-Journalist Seth Hettena, wie diese kuriose Beziehung begann.

Donald Trump
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  • Anita Hettena
    Seth Hettena, 48, ist ein preisgekrönter US-Journalist. Er arbeitete lange als investigativer Reporter für die Nachrichtenagentur AP, für die er über politische Korruption und amerikanische Kriegsverbrechen schrieb. Zuletzt erschienen seine Hintergrundberichte im Magazin "Rolling Stone", darunter über Trumps Anwalt Michael Cohen. Er lebt in San Diego. Sein jüngstes Buch trägt den Titel "Trump/Russia - A Definitive Story".

Trump gab zwei Millionen Dollar aus, um den Trump Tower als Manhattans Zweitwohnsitz für die globalen Superreichen zu bewerben. Er manipulierte die Medien meisterhaft, indem er opulente Broschüren versandte, die den Trump Tower als "meistdiskutierte Adresse der Welt" priesen, und indem er Anzeigen schaltete, in denen er die Top-Bewohner "die großartigsten Kaufleute der Welt" nannte.

Dem Magazin "New Yorker" sagte er im Vertrauen, der Trump Tower habe sogar das Interesse des britischen Königshauses gefunden. Prinz Charles und seine neue Braut, Prinzessin Diana, überlegten angeblich, im Trump Tower eine Fünf-Millionen-Wohnung mit 21 Zimmern zu kaufen. "Sie stehen in Verhandlungen und wollen Geld hinterlegen", zitierte der "New Yorker" eine "Quelle": "Mir wurde gesagt, dass sie es nutzen wollten, wenn sie im Lande sind."

In seinen halb persönlichen, halb geschäftlichen Memoiren "The Art of the Deal" entüllte Trump später, dass die ganze Geschichte erfunden war. Statt Leute wie Prinz Charles anzuziehen, war der Trump Tower ein Magnet für Käufer anderer Art - die, die es vorzogen, die Quelle ihres Einkommens zu verstecken.

Ein Drittel der verkauften Wohnungen im Trump Tower gehört ausländischen Unternehmen, von denen viele in Steueroasen wie Panama und den Niederländischen Antillen registriert waren. Solche Käufer waren Trump besonders willkommen. Jim E. Moody, ein ehemaliger FBI-Abteilungsleiter, sagte mir: "Der Trump Tower akzeptierte Leute, die ihr Geld verbergen wollten, weil ihre Namen nie wirklich veröffentlicht wurden."

Trump Tower in New York
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Trump Tower in New York

Infolgedessen hatte es eine regelrechte Schurkengalerie aus Betrügern und Geldwäschern leicht, dort Wohnungen aufzukaufen. Einer der ersten Käufer Trumps war Gino A.G. Bianchini, der in Italien wegen illegaler Währungsexporte strafrechtlich gesucht und von mehreren italienischen Banken wegen Millionen Dollar an ausstehenden Darlehen belangt wurde.

Ein anderer war Roberto Polo, ein kubanischer Finanzier, der über Offshore-Unternehmen sechs Apartments im Trump Tower gekauft hatte und später Gegenstand einer fünfwöchigen, internationalen Fahndung wurde, weil er in mehreren Ländern verurteilt worden war, Investoren um 130 Millionen Dollar betrogen zu haben. Haitis Diktator Jean-Claude "Baby Doc" Duvalier besaß im Trump Tower eine Eigentumswohnung im Wert von 1,625 Millionen Dollar, die er über eine panamesische Briefkastenfirma gekauft hatte.

Dies würde für den Rest seiner Karriere die Grundlage des Geschäftsmodells Trumps sein: Solange ihm dein Geld wenigstens das Feigenblatt der glaubhaften Abstreitbarkeit bot, würde er es ohne weitere Fragen annehmen.

Diese Umstände zogen wahrscheinlich auch den neureichen russischen Gangster David Bogatin zu dieser Immobilie, die eine der kühnsten in Manhattan war. Am 10. Oktober 1984 kaufte Bogatin im Trump Tower drei Eigentumswohnungen - 45B, 52K und 53B - und erwarb kurz vor Halloween zwei weitere - 47A und 45A. Sie kosteten ihn mehr als 5,8 Millionen Dollar, nach heutiger Rechnung 14,1 Millionen Dollar.

Für die Staatsanwaltschaft war es offensichtlich, dass Bogatin die Apartments gekauft hatte, um Geld zu waschen und Vermögenswerte zu verstecken. "Wir glaubten nicht, dass er in fünf Wohnungen lebte", sagte mir Ronda Lustman, eine frühere New Yorker Vizejustizministerin. Ex-Staatsanwalt Kenneth McCallion, der in den Achtzigerjahren im Brooklyner Büro der Einsatzgruppe des Justizministeriums für organisiertes Verbrechen arbeitete, erzählte mir, dass Bogatin aus seinen Trump-Tower-Apartments heraus einen Prostituiertenring betrieben habe.

Trump 1989 mit damaliger Ehefrau Ivana
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Trump 1989 mit damaliger Ehefrau Ivana

Trump schien jedoch kein Problem mit dem 39-jährigen Immigranten zu haben, der - obwohl er offensichtlich keine eigenen Mittel zum Unterhalt hatte - fast sechs Millionen Dollar für den Kauf von fünf Apartments im Trump Tower ausgab, über fünf verschiedenen Firmen. Statt sich daran zu stören, war Trump sogar persönlich anwesend bei der Unterzeichnung des Deals, wo er sich mit Bogatin und seinem Anwalt traf.

Trump machte nicht nur in New York mit immer mehr Russen Bekanntschaft, auch knüpfte er Kontakte in der Sowjetunion. Im Jahr 1986 saß Trump bei einem Lunch mit Leonard Lauder, dem Sohn der Kosmetikunternehmerin Estée Lauder, neben dem damaligen sowjetischen Botschafter in den Vereinigten Staaten, Yuri Dubinin. In "The Art of the Deal" beschrieb Trump das so: Dubinins Tochter sei vom Trump Tower beeindruckt gewesen, und der Botschafter habe ihn ins Gespräch verwickelt.

Dubinins Tochter Natalia erzählte dagegen eine etwas andere Geschichte, die eher mit dem Ruf ihres Vaters als schlauem, versiertem Sowjetagenten im Einklang steht: Ihr Vater habe Trump um den Finger gewickelt, indem er ihm gesagt habe, dass sein Gebäude das erste gewesen sei, das er in New York gesehen habe. "Trump ist sofort geschmolzen", sagte sie der Zeitung "Moskovskij Komsomolez" im Jahr 2016. "Er ist ein emotionaler Mann, manchmal impulsiv. Er braucht Akzeptanz und freut sich natürlich, wenn er sie bekommt. Für ihn war der Kontakt zu meinem Vater wie Honig für die Biene."

Das Gespräch führte zu einer offiziellen Einladung. Am 4. Juli 1987 flog Trump mit seiner russischsprachigen Frau Ivana nach Moskau, wo ihm alle Unkosten erstattet wurden. Man bewirtete ihn mit dem Ziel, er möge doch einen seiner Türme in der russischen Hauptstadt errichten. Trumps Reise war offiziell abgesegnet, denn er traf hochrangige Beamte der Nomenklatura, der mächtigsten Riege der regierenden Kommunistischen Partei der Sowjetunion.

Die Reise war von Intourist arrangiert worden, dem vom KGB infiltrierten sowjetischen Reisebüro, und es besteht wenig Zweifel, dass Trump bei jeder Bewegung in Russland fotografiert und jeder Schritt dokumentiert wurde. Es war üblich zur "Begrüßung" eines ausländischen Besuchers, von Diplomaten über Journalisten bis zu Touristen, Geschäftsleuten und Studenten, sie genau zu beobachten und Informationen über sie zu sammeln, um diese später als Druckmittel einzusetzen, sollte das notwendig werden. Wir haben keine Ahnung, ob Trump vom russischen Geheimdienst angesprochen wurde, aber er wäre sicher ein saftiges Ziel für die Rekrutierung gewesen. "Egozentriker, denen es an moralischen Prinzipien mangelt - die entweder zu gierig sind oder unter übertriebener Selbstgefälligkeit leiden. Das sind die Leute, die der KGB am liebsten finden und rekrutieren würde", sagte Juri Bezmenow, ein ehemaliger KGB-Offizier, der nach Kanada überlief.

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Seth Hettena:
Trump/Russia

A Definitive History

Melville House; 288 Seiten, Englische Ausgabe, 19,99 Euro

Donald und Ivana wohnten in der Suite Lenins im Hotel National, und Trump zeigte sich beeindruckt vom Ehrgeiz der sowjetischen Beamten, die unbedingt einen Deal abschließen wollten. Trump ließ sich mehr als ein halbes Dutzend potentieller Baustellen zeigen, doch keine war direkt gegenüber des Kremls, wie er es gehofft hatte. Natürlich hätte Trump das alles erfahren können, ohne den Trump Tower zu verlassen. Es gab Handelsorganisationen wie den amerikanisch-sowjetischen Handels- und Wirtschaftsrat in New York, die eigens eingerichtet wurden, um genau diese Art von Verhandlungen und erste Erkundungen von Deals zu ermöglichen. Trump reiste für ein Geschäft nach Russland, das dann nie zustande kam, aber war das der eigentliche Zweck der Reise?

Ein paar Monate später, am 2. September 1987, gab Trump mehr als 94.000 Dollar für eine ganzseitige Anzeige in drei großen US-Zeitungen aus, in der er forderte, Amerika müsse aufhören, für die Verteidigung von Ländern zu zahlen, die es sich leisten könnten, sich selbst zu verteidigen. Der ans amerikanische Volk gerichtete offene Brief begann mit der Erklärung: "Seit Jahrzehnten nutzen Japan und andere Nationen die Vereinigten Staaten aus." Trump argumentierte, dass Japan auf dem Rücken amerikanischer Steuerzahler, die die Verteidigung der Inselnation subventionierten, reich geworden sei.

Diese Botschaft, die Trump über die nächsten 30 Jahre wiederholen würde, wäre in den Achtzigerjahren im Kreml sicher willkommen gewesen. Denn trotz der Bemühungen von Sowjetführer Michail Gorbatschow um die Öffnung des Landes und der Glasnost- und Perestrojka-Ära heizte sich der Kalte Krieg zu dieser Zeit eher auf. US-Präsident Reagan erhöhte die Verteidigungsausgaben, um das sowjetische "Reich des Bösen" zu bekämpfen, wie er es nannte. Die UdSSR verstärkte ihre subversiven Bemühungen, um den "Hauptfeind" zu unterminieren, und Trumps Botschaft verknüpfte sich perfekt mit einer Kampagne des KGB in Japan.

Als Gorbatschow 1998 zu einer Sitzung der Vereinten Nationen nach New York kam, fand sich in seinem Reiseplan auch ein Besuch im Trump Tower. Er und seine Frau sollten ein privates Essen mit Donald und Ivana einnehmen. Am Vorabend der Reise wurde die Idee verworfen. Trump ging stattdessen einem Gorbatschow-Imitator auf den Leim, dem er auf der Straße vor dem Trump Tower die Hand schüttelte.

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Heinrich52 10.05.2018
1. Ist nichts Neues
Das ist alles bekannt. In der Biografie Trumps und seines Vaters wurde auch geschrieben, dass sie Geschäfte machten die am Rande der Legalität waren. Aber jeder Superreiche versucht Schlupflöcher zu nutzen um sich selbst zu bereichern und die Gesetze zu umgehen ohne Gesetzesbrüche begangen zu haben. Nur so kann man Milliarden anhäufen. Zeigen sie mir einen Milliardär der auf ehrliche art und Weise zu seinem Geld gekommen ist??? Das ist das politische System des Globalismus und des Kapitalismus. Nicht vergebens hatte Helmut Schmidt vom Raubtierkapitalismus gesprochen. Das Schlimme dabei ist, dass Deutschland auf dem selben Weg ist. Die Reichen werden immer Reicher und die Armen werden ärmer indem sie mit Dumpinglöhne abgespeist werden.Dieser amerikanische Globalismus hatte auch in der Vergangenheit ganz Süd und Mittelamerika ausgebeutet 8Unites Fruit Company) und sogar ihnen nicht genehme Regierungen gestürzt. wie den Chilenischen Präsidenten Aliente. Ich stimme zu Trump ist wie ein Mafia Boss mit einem Unterchied er bringt keine Menschen um. Trotz alledem macht er die beste Politk seit Jahren eben weil es gegen das Etespliment und gegen die großen Staaten der Welt vor geht. Die USA zeigt endlich nach langer depressiver Phase wieder Stärke und zeigt, dass sie eine Weltmacht ist.
mixow 10.05.2018
2. @Heinrich
Wo geht ein Herr Trump bitte gegen das Establishment? Die Weltmacht USA hat ausgedient und benötigt außenpolitische Konfrontationen um von der absolut miserablen Innenpolitik abzulenken und nicht zu vergessen die kleinen Skandale eines Herrn Trump. Darüberhinaus zeigt die USA mehr als deutlich, dass auf sie als Partner kein Verlass ist und Verträge keine wirkliche Bedeutung für Sie haben.
robazz 10.05.2018
3. Heinrich 52
Bis zum Aliente (aliente - du atmest, Sie wissen natürlich, es handelt sich um Salvador Allende) - d'ac*cord. Dass DTrump keine Schuld an zerstörten Existenzen mit suizidalem Anteil (unterstellte trump'sche Ironie) hat, muss, wenn man seine Biografie kennt, stark bezweifelt werden. Ja, die USA ist eine Weltmacht, die diesen Planeten wie keine andere Nation ausbeutet (z.B. Energie-, Wasser-, Rohstoffverbrauch). Trump spricht oft von den unfairen Methoden anderer Länder, die die USA ausbeuten - wenn es nicht so ernst wäre, könnte man darüber lachen. Wie viele Millionen Menschen sind tot oder leiden unter diesem Geschäftsmodel USA. Wenn irgendetwas unfair ist, dann sind es die USA anderen gegenüber. Donald Trump ist jetzt das ehrliche Gesicht dieses Landes, deshalb sind Ihre letzten zwei Sätze einfach falsch.
jamguy 10.05.2018
4.
Zitat von mixowWo geht ein Herr Trump bitte gegen das Establishment? Die Weltmacht USA hat ausgedient und benötigt außenpolitische Konfrontationen um von der absolut miserablen Innenpolitik abzulenken und nicht zu vergessen die kleinen Skandale eines Herrn Trump. Darüberhinaus zeigt die USA mehr als deutlich, dass auf sie als Partner kein Verlass ist und Verträge keine wirkliche Bedeutung für Sie haben.
realistisch betrachtet hat die USA wenn auch mit einigem an Krieg auch Russland zu einem schnellerem Aufstieg verholfen !Ich verstehe nicht warum die angeblich linke Intellektuelle das einfach komplett und schon immer ausblendet man muss einfach klar sehen wo vieles heute ohne die USA wär ,auch Deutschland.
le.toubib 10.05.2018
5. Milliarden?
Zitat von Heinrich52Das ist alles bekannt. In der Biografie Trumps und seines Vaters wurde auch geschrieben, dass sie Geschäfte machten die am Rande der Legalität waren. Aber jeder Superreiche versucht Schlupflöcher zu nutzen um sich selbst zu bereichern und die Gesetze zu umgehen ohne Gesetzesbrüche begangen zu haben. Nur so kann man Milliarden anhäufen. Zeigen sie mir einen Milliardär der auf ehrliche art und Weise zu seinem Geld gekommen ist??? Das ist das politische System des Globalismus und des Kapitalismus. Nicht vergebens hatte Helmut Schmidt vom Raubtierkapitalismus gesprochen. Das Schlimme dabei ist, dass Deutschland auf dem selben Weg ist. Die Reichen werden immer Reicher und die Armen werden ärmer indem sie mit Dumpinglöhne abgespeist werden.Dieser amerikanische Globalismus hatte auch in der Vergangenheit ganz Süd und Mittelamerika ausgebeutet 8Unites Fruit Company) und sogar ihnen nicht genehme Regierungen gestürzt. wie den Chilenischen Präsidenten Aliente. Ich stimme zu Trump ist wie ein Mafia Boss mit einem Unterchied er bringt keine Menschen um. Trotz alledem macht er die beste Politk seit Jahren eben weil es gegen das Etespliment und gegen die großen Staaten der Welt vor geht. Die USA zeigt endlich nach langer depressiver Phase wieder Stärke und zeigt, dass sie eine Weltmacht ist.
Welche Milliarden? Trump konnte bis heute nicht beweisen, dass er wirklich ein Milliardär ist! Jedoch in einem Interview gestand er, er SCHÄTZE sein Vermögen je nach Tageslaune, darum würde er auch immer so widersprüchlich auf die Frage nach seinem echten Vermögen antworten. Ergo: Trump ist alleine durch seine seiner Tagesform bedingten Meinung nach Milliardär - aber viele Menschen, die etwas mehr als wir Ahnung von der Materie haben, vermuten, dass er "lediglich" Millionär wäre. Und was wieder andere von Trumps "Vermögen" halten, käme mit Sicherheit nicht am Sysop vorbei ...
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