Neuer US-Sicherheitsberater McMaster Trump entscheidet sich - und erntet Lob

"Meine Anerkennung für diese Entscheidung": Selbst Trump-Kritiker zollen dem US-Präsidenten Beifall für die Ernennung Herbert Raymond McMasters zum neuen Nationalen Sicherheitsberater. Ein Querdenker - und Russland-Kritiker.

REUTERS

Von , Washington


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Der erste Auftritt des neuen US-Sicherheitsberaters ist kurz und ungewöhnlich. Generalleutnant Herbert Raymond "H.R." McMaster sitzt in Uniform breitbeinig auf einem brokatbezogenen Sofa neben Donald Trump. Die Männer sind umgeben von Rosengestecken, im Hintergrund läuft klassische Musik. Die Szene spielt in einem Salon von Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Palm Beach, Florida.

Gleich soll es für den US-Präsidenten und sein Team zurück nach Washington gehen, doch vorher, so Trump, wolle er doch noch kurz diese Personalie verkünden. Er habe viel und hart gearbeitet an diesem Wochenende, das in den USA wegen des "Präsidententags" am Montag ein langes ist. Doch nun steht die Entscheidung fest: Der Drei-Sterne-General McMaster soll Trump künftig in allen Sicherheitsfragen beraten. In der Hand hält Trump ein Blatt Papier mit dem Foto McMasters, immer wieder blickt der Präsident zwischendurch darauf.

Er habe in den vergangenen beiden Tagen viel gesehen und gelesen, sagt Trump. McMaster habe ein "enormes Talent und enorme Erfahrung", und er werde in Militärkreisen höchst geschätzt.

"Kein Jasager"

Mit dieser Meinung ist Trump nicht allein, im Gegenteil: McMaster mag nicht die erste Wahl des US-Präsidenten für die Nachfolge von Mike Flynn gewesen sein, doch vielleicht seine beste, so der Tenor vieler Politiker und Journalisten. "Das ist eindeutig eine gute Nachricht. Die USA und die Welt sind sicherer durch seine Entscheidung", schreibt "The Atlantic". McMaster werde kein Jasager sein, heiß es bei CNN.

Auch bei den Republikanern scheinen am Montagabend viele aufzuatmen. McMaster sei eine gute Ergänzung für Trumps Nationales Sicherheitsteam, er sei bekannt als Querdenker und dafür, den Status quo infrage zu stellen, teilte der republikanische Kongressabgeordnete Devin Nunes aus Kalifornien umgehend mit. Und selbst Trumps größter parteiinterner Kritiker John McCain zeigte sich zufrieden: McMaster stehe für Intellekt, Charakter und Talent, "ich zolle Präsident Trump meine Anerkennung für diese Entscheidung".

McMaster hat sich in seiner mehr als drei Jahrzehnte langen Karriere beim US-Militär einen guten Ruf als Stratege, Intellektueller und kritische Stimme erarbeitet. Er war im Golfkrieg im Einsatz, später in Afghanistan und Irak. Nebenbei promovierte er in Militärgeschichte, in seiner Doktorarbeit kritisierte er unter anderem, dass sich Militärs während des Vietnamkriegs dem politischen Druck beugten und eine Strategie unterstützten, von der sie wussten, dass es die falsche war. 2014 setzte das "Time"-Magazin den General auf seine Liste der 100 einflussreichsten Menschen.

Personalie geklärt, Krise bleibt

Trotz des positiven Echos für diese Personalentscheidung Trumps - sie sorgt nicht für eine Entspannung im Verhältnis zu Russland. Erst am Wochenende hatte ein Bericht der "New York Times" für neuen Unmut gesorgt: Es gebe geheime Pläne zur Lösung der Ukrainekrise, hieß es unter Berufung auf Quellen im Weißen Haus. Demnach soll ein Anwalt Trumps einen Friedensplan entworfen haben, der den Rückzug russischer Truppen aus der Ostukraine und eine Volksabstimmung über die Zukunft der von Moskau annektierten Krim vorsehe. Und: Russische Berater unterstützten die Initiative angeblich. Moskau dementierte umgehend.

Auch Trumps Entscheidung, McMaster zu benennen, dürfte dem Kreml kaum gefallen. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger gilt der neue Sicherheitsberater mindestens als Russland-Skeptiker. Das wurde bei einem Auftritt McMasters im Mai vergangenen Jahres in Washington deutlich. Vor Besuchern des Zentrums für Strategische und Internationale Studien legte er dar, was aus seiner Sicht derzeit die nationale und internationale Sicherheit bedrohe: Außer Nordkorea, China, Syrien und der Terrormiliz "Islamischer Staat" sprach McMaster auch über Russland.

Moskau versuche, mit der Invasion der Ukraine und der Annexion der Krim die seit dem Ende des Kalten Krieges geltende Ordnung zu seinen Gunsten aufzuheben, so McMaster. Zudem warf er Russland vor, zum einen rechte Parteien in Europa zu finanzieren, zum anderen den Krieg in Syrien und die Fluchtbewegungen durch das eigene Handeln noch zu verschärfen.

Präsident Trump scheint McMasters Russland-Kritik nicht zu stören. Bereits vergangene Woche nominierte er mit Alexander Acosta einen Kandidaten für das Amt des Arbeitsministers, der sogar von einigen traditionell eher demokratisch zugewandten Gewerkschaften unterstützt wurde. Zudem soll in dieser Woche ein neues Dekret erlassen werden, das an Stelle des umstrittenen Einreiseverbots treten könnte. Es hat den Anschein, als sei die Trump-Administration in Woche fünf ihres Wirkens bemüht, sich als handlungsfähig zu präsentieren.

Zusammengefasst: Nachdem sein Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn über geheime Verhandlungen mit Russland stolperte, ernennt Donald Trump als dessen Nachfolger den General Herbert Raymond "H.R." McMaster. Der gilt als Querdenker und Russland-Kritiker. Das Echo auf die Personalie ist positiv, sogar Trumps schärfster innerparteilicher Kritiker John McCain zeigt sich hochzufrieden.



insgesamt 130 Beiträge
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Seite 1
Early Bird 21.02.2017
1. Okay !
DAS hat er jetzt mal gut gemacht. Damit steht es (gefühlt) 387:1 ...................
karstenkieling 21.02.2017
2.
Es ist ja sooo Querdenkerisch Russland zu kritisieren.
sascha2.0 21.02.2017
3. mit Zettel in der Hand
Hält Trump nach etlichen Diskussionen in der Presse, auf Twitter und YouTube über seine Lesekompetenz jetzt immer einen Zettel in der Hand?
Beetulli 21.02.2017
4. Offenbar
ist inzwischen für fast jede Funktion die Eigenschaft "Russland-Kritiker" oder wahlweise "Kreml-Kritiker" die einzig dafür qualifizierende! Ist Politik auch noch abseits ideologischer Scheuklappen möglich?
INGXXL 21.02.2017
5. Der neue hat
Kriegserfahrung und hat über den Vietnam Krieg pomoviert und ausserdem kritisch gegenüber Russland eingestellt. das passt doch.
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