Trumps Stabschef John F. Kelly General Frust

Er sollte Trump bändigen. Doch nach zwei Wochen im Amt ist Stabschef Kelly schon ernüchtert. Der Streit mit Nordkorea und die Reaktionen auf Charlottesville haben dem General gezeigt, wie wenig er bei seinem Chef ausrichten kann.

John Kelly (l.) bei Trumps Pressekonferenz zu den Ausschreitungen in Charlottesville
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John Kelly (l.) bei Trumps Pressekonferenz zu den Ausschreitungen in Charlottesville


Eigentlich reicht schon dieses Bild, um die Stimmung von John F. Kelly zu dokumentieren. Es zeigt den Stabschef von Donald Trump während der Pressekonferenz in New York, als der US-Präsident erneut "beide Seiten" für die rechtsextreme Gewalt in der Stadt Charlottesville verantwortlich macht. Kelly wirkt wenig erfreut über die neuen Tiraden seines Chefs. Er schaut auf den Boden. Es wirkt, als ob er mit den Äußerungen Trumps nichts zu tun haben will.

Seit knapp zwei Wochen ist John F. Kelly als neuer Chief of Staff im Amt. Der bisherige Heimatschutzminister und Viersternegeneral a. D. sollte das Chaos im Team des Präsidenten im Weißen Haus beenden. So plante es Trump. Aber jetzt stellt sich heraus, was viele schon bei Kellys Amtsantritt befürchteten: Das Problem ist Trump selbst.

Auch Kelly musste feststellen, dass der US-Präsident sich offenbar nicht ändert oder zumindest kontrollieren lässt. Aus dem Umfeld des Ex-Militärs wird berichtet, Kelly sei tief frustriert und auch desillusioniert über seine Möglichkeiten, wie er auf Trump Einfluss nehmen kann. Die "Washington Post" zitiert Newt Gingrich, einen engen Vertrauten des Präsidenten unter den Republikanern. Kelly werde zwar allmählich Einfluss auf Trump bekommen. "Aber es wird nicht sofort sein. Es gibt Dinge bei Trump, die fast unmöglich zu kontrollieren sind."

Trump eskaliert nach Belieben

Denn auch in den zweieinhalb Wochen als Stabschef hat sich Trump mit seinen Twitter-Tiraden nicht zurückgehalten. Trump eskaliert wie eh und je:

  • Er forcierte den Streit mit Nordkorea und drohte dem Regime um Machthaber Kim Jong Un mit "Feuer, Wut und Macht". Pjöngjang begann daraufhin, einen Angriff auf den US-Pazifikstützpunkt Guam zu planen.
  • Trump mischte sich auch in den Machtkampf in Venezuela ein. Staatschef Nicolás Maduro drohte er mit einer möglichen militärischen Option: "Wir haben Truppen auf der ganzen Welt, an weit entfernten Orten. Venezuela ist nicht sehr weit weg, und die Menschen dort leiden und sterben."
  • Für noch mehr Aufruhr sorgten die Äußerungen des Präsidenten zu Charlottesville: 23 Minuten lang verteidigte er einen unhaltbaren Vergleich: Beide Seiten - Rechtsradikale wie linke Aktivisten - hätten Schuld an der Eskalation in der Stadt in Virginia. Dabei hatte er sich einen Tag zuvor noch von der Gewalt der Neonazis distanziert - auch auf Druck aus seiner eigenen Partei, den Republikanern.

Noch weniger optimistisch als Newt Gingrich äußerte sich ein anderer, namentlich nicht genannter Republikaner. Egal wie Kelly vom Team im Weißen Haus respektiert werde und wie sehr er sich bemühe, für Ordnung zu sorgen - Trump werde das tun, was ihm in den Sinn komme.

Wenigstens die Stimmung im Weißen Haus hat sich gebessert

So ignorierte Trump zum Beispiel einen expliziten Wunsch Kellys: Er benutzt nach wie vor sein privates Mobiltelefon für seine Telefonate. Ein anderer Mitarbeiter aus dem Umfeld Trumps vergleicht den Präsidenten denn auch mit einem "eingesperrten Tier". Trump werde immer negativ auf Versuche reagieren, ihn zu kontrollieren.

Dabei hatten sich die Republikaner viel versprochen, als Kelly seinen Job im Weißen Haus antrat. Der Marineinfanterist gilt als charismatisch, knallhart, diszipliniert.

Es sei Kelly immerhin gelungen, die Stimmung und die Organisation beim Personal im West Wing zu verbessern, sagt der Insider aus dem Weißen Haus. Vor allem werde Kelly dort wesentlich mehr respektiert als sein Vorgänger Reince Priebus. Der ehemalige republikanische Parteichef hatte als Vertreter des Establishments von Beginn an einen schweren Stand.

Kelly versucht, seine neue Aufgabe im Weißen Haus mit Humor zu bewältigen. "Der beste Job, den ich jemals hatte, war Sergeant bei den Marines", soll er vor Amtsantritt gesagt haben. Nach einer Woche im neuen Amt bleibt sein nüchternes Fazit: "Der beste Job, den ich je hatte, war Sergeant bei den Marines."

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insgesamt 149 Beiträge
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jaspertk 17.08.2017
1. Wenn ich erkenne, dass ich einen Fehler gemacht habe ...
.. dann muss ich den Mut haben diesen zu korrigieren. Hinschmeißen ... vielleicht folgen noch andere - da möchte ich Wetten abschließen! Wer Trump persönlich erleiden muss muss eigentlich mit permanenten Brechreiz kämpfen.
skurilla 17.08.2017
2. Ich mochte den Hr. Trump anfangs ja gar nicht...
...doch je mehr er verunglimpft wird, je besser gefällt er mir...
bstendig 17.08.2017
3. Nett, aber eigentlich
gehen mir die Probleme eines Herrn Kelly ziemlich weit hinten vorbei. Wo sind die Artikel über die Probleme der deutschen Politik und der deutschen Politiker? Liebe SPON-Redaktion - in etwa 4 Wochen ist Wahl in DE. Können wir die Amis nicht mal für ein paar Wochen beiseite legen und uns um unsere eigenen Probleme kümmern?
dereuropaeer 17.08.2017
4.
Trump kritisierte Hillary Clinton scharf wegen Ihrer Nutzung der privaten E-mail Adresse. Jetzt benutzt dieser Irre sein privates Mobiltelefon. Aber dann kann er besser abgehört werden. Super
Little_Nemo 17.08.2017
5. Der Lümmel aus der ersten Reihe
Trump war bekanntlich bereits schwer erziehbar als er noch ein kleiner Donald war. Da hat auch das Internat nichts gebracht. Und das wird sich natürlich nicht gerade ändern nachdem er es mit spitzen Ellenbogen und allerhand krimineller Energie ganz nach oben geschafft hat und sich bereits als Gott wähnt. Vielleicht hilft Ritalin.
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