Helsinki-Treffen Putins fragwürdiger Erfolg

Ein Treffen mit dem US-Präsidenten - für Wladimir Putin war das eine willkommene Gelegenheit, seine Macht zu demonstrieren. Doch der Auftritt von Donald Trump könnte dem russischen Staatschef langfristig eher schaden.

Donald Trump, Wladimir Putin
AFP

Donald Trump, Wladimir Putin

Aus Helsinki berichtet


"Und noch ein Geschenk", schrieb Dimitrij Smirnow auf Twitter. Dazu postete der Reporter des kremlnahen Massenblattes "Komsomolskaja Prawda" ein Foto von Präsident Wladimir Putin beim Interview mit dem US-Sender Fox News. Das russische Staatsfernsehen strahlte das Gespräch mit dem Lieblingssender von US-Staatschef Donald Trump am Dienstag gleich mehrmals aus.

Natürlich ist Putin im russischen Staatsfernsehen immer der Gewinner, so auch beim Treffen mit Trump in Helsinki. Dass aber komplette Interviews und Pressekonferenzen von Staatssendern wiederholt werden, kommt eher selten vor.

Putin, der Weltpolitiker

Auch ausländische Medien, wie die finnische Tageszeitung "Kauppalehti" sehen die Begegnung mit Trump vor allem als Erfolg für Putin. Das Blatt zeigte auf der Titelseite ein Foto der Staatschefs mit der Überschrift - wie bei einem Fußballergebnis - "Trump 0 - Putin 1". Die "Washington Post", erklärte, Trump habe "weitreichenden Erfolg in einem klaren, unangekündigten Ziel: Russland wieder großartig zu machen". (Lesen Sie hier die Presseschau.)

Während Trump in seinen Antworten meist vage blieb, gelang es Putin, sich in der finnischen Hauptstadt als erfahrener und besonnener Weltpolitiker zu inszenieren.

Ein Fußball für Trump
AFP

Ein Fußball für Trump

Doch was ist der Erfolg wert, den Putin in Helsinki errungen hat? Was wird von den Bildern der händeschüttelnden Präsidenten bleiben? Den Fotos des russischen Staatschefs, der noch einmal seine Rolle als WM-Gastgeber hervorhob, als er Trump einen Fußball überreichte?

Putin auf Augenhöhe

Die gute Nachricht für Putin: Er hat es mit einem US-Präsidenten zu tun, der ihm Respekt zollt. Hatte Trump die britische Premierministerin Theresa May und Vertreter der Nato kurz zuvor noch brüskiert, nannte er Putin nun einen "guten Wettbewerber".

Für Russlands Präsident ist diese Augenhöhe Grundlage für jegliche Zusammenarbeit. Mittelfristig dürfte sein Ziel sein, zumindest die Spirale der Sanktionen, mit denen sich die beiden Länder zuletzt überzogen hatten, zu durchbrechen. Zu schmerzhaft waren die Strafmaßnahmen gegen russische Oligarchen, da sie - wie allein der Fall von Oleg Deripaska zeigte - nicht nur die Unternehmen kremltreuer Geschäftsleute, sondern auch mit ihnen verbundene internationale Konzerne treffen.

Putin kommt ebenfalls gelegen, dass Trump Russlands Verweigerungshaltung bei der Aufklärung zweier Skandale nicht öffentlich kritisiert hat - beim Fall des mit Nowitschok vergifteten Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und beim Abschuss von Malaysia-Airlines-Flug MH17.

Problem: Trumps Ego

Putins Dilemma aber liegt in Trumps Verhalten. Immer wieder hatten Journalisten den US-Präsidenten in Helsinki gefragt, ob er dem russischen Staatschef glaube. Putin hatte abermals abgestritten, irgendetwas mit der Einmischung in die US-Wahlen zu tun zu haben. Während Russlands Staatschef sein übliches Pokerface aufsetzte, ging Trump mal wieder zu weit.

Er machte deutlich, dass er seinem russischen Kollegen mehr Glauben schenkt als seinen eigenen Geheimdiensten. "Wieso zeigt mir niemand den Server der Demokratischen Partei? Die E-Mails?", fragte er - und schob hinterher: "Präsident Putin war stark und überzeugend in seinem Dementi." Ein amerikanischer Präsident misst den Ausführungen des russischen Staatschefs, dazu ehemaliger Geheimdienst-Chef, mehr Bedeutung zu? Ein außergewöhnlicher Vorgang.

Einen Tag später folgte dann eine ungewöhnliche Einlassung. Nach heftiger Kritik in den USA und aus den Reihen der eigenen republikanischen Partei widersprach Trump dann seinen eigenen Aussagen. Er räumte ein, dass es wohl doch eine russische Einmischung bei der jüngsten US-Wahl gegeben habe und dass er nun die Informationen des US-Geheimdienstes akzeptiere.

Putin im Interview mit "Fox News"
AP

Putin im Interview mit "Fox News"

Zudem lobte Trump seine "großartige" Kampagne gegen die Demokratin Hillary Clinton - "deshalb bin ich Präsident". Dieser Auftritt zeigte einmal mehr, wie Trump tickt: Seinen historischen Wahltriumph will er sich von niemandem nehmen lassen, in seinen Augen war der Sieg allein sein Verdienst.

Putin hat Trumps überbordendes Ego in Helsinki gestreichelt. Einmal nannte er den Republikaner sogar beim Vornamen ("Es war ein wunderbares Treffen, Donald!"). Später im Beisein von russischen Journalisten lobte Putin Trump als "qualifiziert und gut vorbereitet", der Amerikaner höre zu, lasse Argumente gelten, beharre aber auch auf eigenen Standpunkten.

Spielraum wird kleiner

Allerdings: Nützen wird Putin das alles nicht viel. Trump will mit Russland eigentlich einen neuen Dialog starten - doch nach seinem emotionalen Auftritt dürfte das nun schwerer werden.

Der US-Präsident befeuerte damit die innenpolitische Debatte über sein Verhältnis zu den Russen. Sein Spielraum in der Zusammenarbeit mit Putin wird dadurch kleiner. Denn jeder Vorstoß von Trump, jedes Entgegenkommen dürfte in Zukunft nun noch kritischer beäugt werden. Zumal Putin das erste Mal öffentlich bekannt hat, dass Trump sein bevorzugter Kandidat bei der US-Wahl gewesen sei.

Für Putin wird das Treffen in Helsinki deshalb langfristig Folgen haben. Erwartungsgemäß kehrte er ohne ein konkretes Ergebnis nach Russland zurück. In Helsinki waren allenfalls erste Ansätze einer Zusammenarbeit mit den USA zu erkennen - etwa bei der nuklearen Abrüstung. Putin und Trump wissen, dass ein Rüstungswettlauf gefährlich und teuer wäre. Gespräche gab es auch über den Syrienkrieg, wo es darum geht, die Sicherheit Israels zu garantieren, den Terrorismus zu bekämpfen und humanitäre Hilfe zu gewährleisten.

Wie es nun jedoch weitergehen soll im russisch-amerikanischen Verhältnis, ist unklar. Ein weiteres Treffen haben Trump und Putin in Helsinki jedenfalls nicht vereinbart.

Mitarbeit: Katja Kuznetsova



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vinoveritas 17.07.2018
1. Er hat es getan.
Er hat den Erzfeind der US-Oligarchie einen Wettbewerber genannt und der atomaren Abrüstung das Wort geredet. Alles haben sie ihm bisher durchgehen lassen: die Europäer als Nichtfreunde behandeln, Internationale Verträge aufkündigen, mit dem Nordkoreaner kuscheln, Jerusalem mit dem Sitz der US-Botschaft beehren , dummes Zeug in die Welt quatschen, Frauen begrapschen und einfach nur auf das Peinlichste daherkommen. Das aber, was er in Helsinki abgeliefert hat führte zu kakophonischem Gleichklang der Kriegstreiber und Rüstungsgewinnler derUSA. Egal ob Demokraten oder Republikaner, Mormonen oder Andersgläubige oder gar nicht Gläubige. Denn an eines glauben sie alle: an den Profit und speziell an den gigantischen Rüstungs-und Kriegsprofit. Und der beste Garant dafür ist ein stabiles Feindbild fürs Kanonenfutter. Und das sind nun mal die Russen mit aktuell Putin und das hat ja auch eine wunderschöne Tradition seit 1917. Jetzt kommt ein Trump daher und macht aus dem schönen Feind einen Wettbewerber. JFK grüßt schon von Weitem.
mhuz 17.07.2018
2.
Nach dem Auftreten von Trump bei Putin, kann es sein, dass er erst recht den harten Hund gegen Russland zeigen muß. Das alles sah mehr danach aus, als ob er neu Instruktionen von Putin holt. Entweder Putin hat Beweise/Fakten vorgelegt, dass Russland Unschuldig ist oder aber nur sein Wort, dann ist es gar nichts Wert - nur weil Putin Scharf Nein sagt darf das Trump nicht überzeugen und auch nicht die Politik in der USA.
sebtur 17.07.2018
3. Aussagen unter Folter
Putin hat als KGB-Agent gelernt wie man unter Folter aussagt. Da ist er gut auf ein Treffen mit Trump vorbereitet, was zugegebenermaßen grausamste Folter ist. Putin ist mir noch lieber als Trump, da er Rationalität besitzt und nicht seit seiner frühesten Kindheit gehört hat, dass er Etwas gaaaaaaanz besonderes, besseres ist. Ich könnte mir eher vorstellen, dass die Situation der Annäherung durch Putin noch etwas fruchtbares trägt, zB nukleare Abrüstung. Das soll aber nicht heißen, dass Putin ein ethisch handelnder Menschenfreund ist.
spiegelneuronen 17.07.2018
4. Gerade Deripaska und RUSAL
Gerade Deripaska und RUS AL zeigen beispielhaft auf, wie es funktioniert und wie sich das US-Finanzministerium und die Russen einigen. Dazu aus dem "Manager Magazin" ZITATBEGINN+++Das US-Finanzministerium schwächte deshalb das völlige Verbot von Geschäften mit Rusal ab, forderte aber, dass Deripaska die Kontrolle abgibt. Die russische Führung diskutiert, wie ihm und anderen betroffenen Oligarchen geholfen werden kann, zum Beispiel durch eine Verstaatlichung von Firmenanteilen.+++ZITATENDE Deripaska verkauft Anteile, der russische Staat stützt Deripaska - das US Finanzministerium schwächt die Sanktionen ab und treibt munter weiter Handel. Die EU erhält die Sanktionen aufrecht und ist aus dem Handel raus, steht aber prima beim US-Finanzministerium da. Link zur Quelle des Zitat: http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/oleg-deripaska-milliardaer-gibt-rusal-mehrheit-ab-a-1205332.html
pethof 17.07.2018
5. Die Welt hat gewonnen
Nicht Putin hat gewonnen. Nein! Wir alle haben gewonnen, denn dieses Treffen könnte der Anbeginn des Ausstiegs aus dem Tal der schlechten Beziehungen zwischen Russland und den USA werden. Dieses Treffen hat uns alle – vielleicht- ein wenig abgerückt vom Abgrund eines thermonuklearen Konfliktes zwischen den Nuklear-Großmächten. Sollten wir uns denn nicht alle darüber freuen? Aber offensichtlich nicht. Die US-Medien speien Gift und Galle auf ihren so demokratisch gewählten Präsidenten und die US-Parlamentarier tun alles, um seine Arbeit zu blockieren. Damit wird deutlich, was sie eigentlich wollen: ein weiteres Eskalieren der Rüstungsspirale, denn mit Rüstung können XXL-Profite erzielt werden. Rüstung ist das bestlaufende US-Geschäftsmodell und die mächtigste Protektionistin dieses Militärisch-Industriellen Komplexes war und ist Hillary Clinton. Dass Putin von ganzen Herzen wünschte, dass sie die Präsidentenwahl nicht gewinnen möge, ist jedem Vernunftbegabten klar, denn eine Wahl dieser Lady zum Präsidenten der USA hätte mit 100%-iger Sicherheit eine weitere und rasante Verschlechterung der Beziehungen mit Russland bedeutet. Bei Trump bestand eine gewisse Hoffnung auf eine Verbesserung dieser Beziehungen. Deshalb wünschte sich Putin auch dessen Wahl. So einfach ist das. Aus diesem Wunsch einen Hinweis auf eine Einmischung Russlands herleiten zu wollen, ist grotesk. Vielleicht hat Putin gebetet, dass sein Wunsch in Erfüllung gehen möge. Dieses Stoßgebet könnte dann von den US-Ermittlern als Beweis für die Einmischung bewertet werden.
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