Milliardengeschäfte von Donald Trump Beispielloser Interessenkonflikt

Donald Trumps Milliardenimperium umfasst 515 Unternehmen. Sie dürften enorm profitieren, wenn er US-Präsident ist - zumal er keine Anstalten macht, sein Amt von seiner Familie zu trennen.

(v.l.): Tiffany Trump, Donald Trump, Jr., Donald Trump, Eric Trump, Melania Trump, Ivanka Trump
Getty Images/ CBS

(v.l.): Tiffany Trump, Donald Trump, Jr., Donald Trump, Eric Trump, Melania Trump, Ivanka Trump

Von , New York


Donald Trump liebt sein vergoldetes Penthouse in Manhattan. Von der Spitze des Trump Towers ist es nur eine kurze Fahrt im Privataufzug hinunter in sein Büro, 28 Etagen über der Fifth Avenue. Im Wahlkampf flog Trump oft stundenlang hierher zurück, um die Nacht im eigenen Bett zu verbringen.

Das wird sich ändern, wenn der Baulöwe am 20. Januar ins Weiße Haus umzieht. Angeblich möchte er dann zwar wenigstens am Wochenende weiter von New York aus arbeiten, aber auch das dürfte er bald aufgeben müssen.

Zurück bleiben seine erwachsenen Kinder Donald Jr., Eric und Ivanka - als Statthalter seines Milliardenkonzerns. "Wir werden uns ums Geschäft kümmern", sagte Eric Trump im ersten TV-Interview der Familie nach der Wahl. "Wir werden dabei bestimmt viel Spaß haben."

Und womöglich Milliarden Dollar scheffeln können für das so schon dubiose Privatunternehmen - dank ihrer künftigen Insiderrolle in der Regierung.

Trump wird der reichste US-Präsident der Geschichte sein

Die Trump Organization besteht aus 515 Firmen - ein historisch beispielloser Interessenkonflikt, sobald Trump sein Amt antritt. Erst recht, da er, wie CNN meldete, für seine Kinder "top security clearance" fordert, die höchste Geheimnisfreigabe des Weißen Hauses: Der Clan erhielte damit über Nacht nicht nur die Regulierungsmacht über den Finanz- und Wirtschaftsbereich sondern auch Einsicht in globale Vorgänge, die anderen verborgen bleiben.

Der Journalist Carl Bernstein, der Watergate mit aufdeckte, formuliert die Vorteile eines solchen Arrangements so: "Ich eröffne eine neue Boutique in Riad - aufgrund dessen, was ich gerade in dem CIA-Briefing gehört habe."

Trump wird der reichste US-Präsident der Geschichte sein. Sein von "Forbes" auf 3,7 Milliarden Dollar geschätztes Vermögen übertrifft selbst das der Kennedys. Andere Ex-Präsidenten sehen dagegen relativ bescheiden aus.

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Komplexe Vorschriften für - fast - alle Mitglieder der US-Exekutive sollen einen Interessenkonflikt zwischen politischem Amt und privatem Nutzen verhindern. So dürfen sie keine Aktien einer Branche besitzen, wenn sie in einer Position sind, die es ihnen erlaubt, diese Branche zu regulieren.

Nur einer ist von diesen Vorschriften ausgenommen - der Präsident selbst.

Frühere Präsidenten regelten das aber freiwillig. Meist unterstellten sie ihr Investment-Portfolio einem "Blind Trust", gemanagt in ihrem Sinne, aber ohne ihr Wissen. Andere, darunter Barack Obama, hatten ihr Geld in normalen Konten und Anlagen, die sie alljährlich offenlegten.

Trump will das nun anders machen: Auch sein Konzern, so sein Anwalt Michael Cohen, solle in einen "Blind Trust" - aber unter Obhut der Kinder.

Das verwischt alle Grenzen. Die Juniors würden ein Business managen, das mit der Regierung Geschäfte macht, hinter deren Kulissen sie die Strippen ziehen - indem sie nicht nur bei den geheimsten Sitzungen dabei wären, sondern auch jetzt schon im Team sitzen, das alle neue Posten besetzt.

Wird eine Hand die andere waschen?

Beispiel: Das neue Trump International Hotel in Washington, dessen Gebäude früher die Post war. Für die Luxusimmobilie unweit vom Weißen Haus zahlt er der Regierung drei Millionen Dollar Pacht im Jahr, Trump wäre bald also sein eigener Vermieter. Ermöglicht hat den Bau übrigens die Deutsche Bank, mit einem 170-Millionen-Dollar-Darlehen - eine von vielen Finanzverstrickungen der Trump-Holding mit Instituten im In- und Ausland.

Die Deutsche-Bank-Connection ist noch brisanter: Als Präsident hätte Trump das letzte Wort über das Schicksal seiner Gläubigerin, die 14 Milliarden Dollar Strafe an die USA zahlen soll. Trumps Äußerungen zur Finanzbranche, die er deregulieren will, dürften manche nun hoffen lassen: Staatliche Milde im Tausch gegen bessere Kreditkonditionen - eine Hand wäscht die andere?

Zumindest würde allein die Möglichkeit einer solchen Vermischung von Politik und Geschäft ewige Zweifel an Trumps Entscheidungen säen: "Es wird ihm ein konstanter Stachel im Fleisch sein", sagte der Wirtschaftsjurist und Ethikexperte Ken Gross der "New York Times". "Selbst wenn er im öffentlichen Interesse handelt, wird er im Verdacht stehen, seine Geschäftsinteressen zu fördern."

Bisher jedoch hat das Trump-Lager wenig Neigung erkennen lassen, auch die Kinder vorübergehend aus dem Konzern zu entfernen. "Er würde sie im Prinzip arbeitslos machen", klagte New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani, ein enger Berater Trumps und angeblich einer der Kandidaten für den Job des Außenministers. "Und das würde ganz neue Probleme schaffen."

insgesamt 322 Beiträge
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Seite 1
reifenexperte 15.11.2016
1. Wenn Trump durch ist,
wird er der mit Abstand reichste Mann der USA sein. Er hat noch all seine Geschäftspartner über den Tisch gezogen. Warum sollter er jetzt sein Verhalten ändern, für diesen Raubzug ist er doch Präsident geworden! Ein lohnendes Investment!
daslästermaul 15.11.2016
2. Hautgout ........
Irgendwie hat diese Person nichts weiter als ein übles Geschmäckle.
schgucke 15.11.2016
3. Nepotism
erinnert mich ein bisschen an die Husseins. hoffen wir mal, dass das für die Trumps besser ausgeht.
jjcamera 15.11.2016
4. kein Pastor
Immerhin ein Politiker, der nicht so schnell in Verdacht gerät, bestechlich zu sein. Den Mann zu verurteilen, bevor er auch nur eine einzige Spur gelegt hat, ist vorschnell und kann gehörig nach hinten losgehen. Der Wahlkämpfer Trump und der Präsident sind zwei völlig unterschiedliche Menschen. Gut finde ich, dass er für keine Ideologie steht. Das Ende des ideologischen Zeitalters naht. Pastoren und Priester gehören in die Kirche und nicht in die Politik - auch bei uns in Europa.
Ultras 15.11.2016
5. Wird Euch nicht langweilig?
Jeden Tag das gleiche beim Spiegel. Die Wahl ist vorbei, Ihr müsst keinen Wahlkampf mehr machen! Hört auf mit diesen immer neuen Anfeindungen und haltlosen Behauptungen, das ist nicht konstruktiv, sondern mit Ursache dafür, dass Trump bald im Weißen Haus sitzt. Wartet doch einfach mal ab, lasst den Mann ein paar Monate seine Arbeit machen und schreibt dann über das, was er geleistet hat - oder eben nicht. Aber diese ganzen "Trump-ist-der-Teufel"-Artikel sind einfach das Geplärr beleidigter Kinder, die nicht bekommen, was sie wollen. Selbst Clinton und Obama sind auf Versöhnung aus, nur der Spiegel kommt mit einer Niederlage nicht klar.
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