Presseschau zu Trumps Rede "Eine sonderbare Sicht auf die Welt"

Simpel, widersprüchlich, ahnungslos: Donald Trumps außenpolitische Grundsatzrede wird in amerikanischen und internationalen Medien zerlegt. Die Übersicht.

Donald Trump
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"America first", propagierte der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump in seiner außenpolitischen Grundsatzrede im Washingtoner Mayflower-Hotel. Die Kommentatoren der internationalen Medien waren nicht beeindruckt. "Trumps sonderbare Sicht auf die Welt", titelte etwa die "New York Times". Ein Überblick:

"New York Times": "Er zeigte nicht viel Verständnis für die Komplexität der Welt, für ein Gleichgewicht der Kräfte oder eine sensible Einordnung in die Geschichte. Wenn man einen Hammer hat, sieht alles aus wie ein Nagel. Und wenn Erfahrungen auf die Immobilienbranche beschränkt sind, wirkt alles wie ein Leasinggeschäft ..…. Trump beklagt, dass das US-Militär schrumpft und das Atomwaffenarsenal in einem schlechten Zustand sei. Aber er sagt nicht, wie er das ändern würde, wenn er auch staatliche Ausgaben kappen will…. Trump behauptet, verhandeln zu können. Aber er stellt Maximalforderungen, die er nicht wieder zurücknehmen könnte. So funktioniert Außenpolitik aber nicht. Trump zeigt nicht die geringste Bereitschaft, aus seinen Fehlern in der Vergangenheit zu lernen. Für jemanden, der angeblich bereit ist, die freie Welt zu führen, ist das nicht zu entschuldigen."

"Washington Post": "Trump hat keine Strategie skizziert, wie er die USA gleichzeitig zu einer 'konsequenten', aber auch zu einer 'unberechenbaren' Kraft in der Welt machen will. Und er scheint nicht die Bedenken von amerikanischen und internationalen Kritikern zerstreuen zu können, die ihn als Oberbefehlshaber der USA für untauglich halten…. Trumps 'neue Ausrichtung' der Außenpolitik blieb selbst nach Maßstäben des Präsidentschaftswahlkampfes vage… ... Einige seiner Botschaften waren nicht anders als die von Barack Obama, Bush oder anderen amerikanischen Führern."

Meinungskompass

"Guardian" (Großbritannien): "Sie habe noch nie so viele simple Parolen, Widersprüche und falsche Angaben in einer Rede gehört, sagte die frühere Außenministerin Madeleine Albright über die Rede von Trump. …'Wir werden das Land und seine Bürger nicht länger mit dem Loblied auf die Globalisierung überziehen', ist eine kraftvolle Aussage. Aber das hört sich nicht an, als ob es vom selben Mann geschrieben wurde, der ihn am Montag in Pennsylvania sagen ließ: 'Sehe ich aus wie ein Präsident? Bin ich nicht schön?'"

BBC: "Trump fordert von der Nato eine höhere Beteiligung an den Kosten. Aber das hat Barack Obama bei seiner Rede in Hannover kürzlich auch gefordert.… Er sagt, dass die Zeit vorbei ist, in der Amerika der ganzen Welt Demokratie beibringen will. Aber würde Obama nicht dasselbe sagen?… Seine Vision war klar, aber wie er sie in der Realität umsetzen will, wurde längst nicht so klar. Es bleibt der Eindruck, dass es bei Trumps außenpolitischer Strategie viel darum geht, was geschehen muss, aber wenig darum, wie das geschehen soll."

"Rzeczpospolita" (Polen): "Der Milliardär, der Präsident werden möchte, hatte nicht viel zu sagen außer dem, was er schon früher signalisierte: Bomben auf den IS, Einreiseverbot für Muslime in die USA - und dass Mexiko die Mauer gegen Immigranten selbst bezahlen soll…. Trump verhehlte sein tiefes Misstrauen gegenüber den US-Verbündeten nicht…. Die Nato ist für Trump nicht mehr als eine veraltete Allianz, die für Amerika eine Last ist. …Es ist aber unwahrscheinlich, dass Trump eine Chance haben wird, seine Ideen umzusetzen."

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