Fotos zum Lawrow-Besuch US-Regierung wirft Russen Täuschung vor

Zwischen Washington und dem Kreml bahnt sich neuer Ärger an. Auslöser sind Fotos des US-Präsidenten mit dem russischen Außenminister. Veröffentlicht wurden sie von einer russischen Agentur, trotz Medienverbots.

Ein Foto sorgt für Ärger: Sergej Lawrow und Donald Trump
AP/ Russian Foreign Ministry

Ein Foto sorgt für Ärger: Sergej Lawrow und Donald Trump


"Allein die Tatsache, dass geredet wird, ist sehr positiv": Nach den Gesprächen mit Donald Trump im Weißen Haus zeigte sich der russische Außenminister Sergej Lawrow noch vorsichtig optimistisch. Doch dann tauchten plötzlich Bilder auf. Und die verärgern die US-Regierung.

Denn das Weiße Haus schloss die amerikanische Presse von dem Treffen aus. Vermutlich, weil die Begegnung ohnehin in einer heiklen Situation für Trump stattfand. Am Tag des Lawrow-Besuchs feuerte Trump den FBI-Chef James Comey - um endlich das leidige Thema der Russland-Affäre unter Kontrolle zu bekommen (lesen Sie hier mehr).

Daher galt: Presse nicht erwünscht - zugelassen wurden nur offizielle Fotografen des Weißen Hauses und des Kreml, berichtete die "New York Times". Da Russland vor allem über vom Staat kontrollierte Medien verfügt, gelangten die Bilder dann aber recht schnell an die Öffentlichkeit: Denn der offizielle Lawrow-Fotograf arbeitet nach amerikanischen Medienberichten auch für die russische Nachrichtenagentur Tass. Aus Sicht der "New York Times" ein gelungener PR-Coup für Lawrow.

Das Weiße Haus sei höchst verärgert, twitterte ein CNN-Korrespondent unter Verweis auf einen Sprecher der Regierung. Die Trump-Regierung fühle sich getäuscht, so der Korrespondent weiter.

Schließlich dokumentiert das Bild einen freundlichen Empfang des russischen Außenministers - der Besuch seines amerikanischen Pendants war gänzlich gegensätzlich abgelaufen: Russlands Präsident Wladimir Putin ließ US-Außenminister Rex Tillerson stundenlang warten, bis er ihn empfing.

Auf den Bildern tauchte neben Lawrow noch eine weitere Person auf, die eine pikante Rolle in der Russland-Affäre spielt: der russischen Botschafter in Washington, Sergej Kisljak.

Der Diplomat hatte mehrfach Kontakt mit Trumps ehemaligem Sicherheitsberater Michael Flynn - noch vor Amtsantritt des Präsidenten. Dabei soll es auch um die Aufhebung der Russland-Sanktionen gegangen sein. Seitdem steht der Verdacht im Raum, dass es Absprachen zwischen dem Trump-Team und Russland in der US-Präsidentschaftswahl gab.

Lawrow, Trump und Sergej Kisljak
Russian Foreign Ministry/ REX/ Shutterstock

Lawrow, Trump und Sergej Kisljak

Amerikanische Journalisten stellen sich nun die Frage, warum die US-Regierung nicht früher auf die Idee kam, dass die Bilder auch an die russische Nachrichtenagentur weitergegeben werden könnten.

Video: Lawrow kommentiert Comey-Entlassung mit "You are kidding"

mho



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