Gipfel von Trump und Putin Auf eigene Gefahr

Das geplante Treffen mit Wladimir Putin soll für US-Präsident Trump der nächste PR-Erfolg werden. Doch was springt noch für die Amerikaner dabei heraus? Und welche Zugeständnisse machen sie den Russen?

Putin, Trump (November 2017)
REUTERS

Putin, Trump (November 2017)

Von , Moskau


Es ist fast genau ein Jahr her, dass Donald Trump und Wladimir Putin in Hamburg aufeinandertrafen, am Rande des G20-Gipfels. Es war ein vielbeachtetes Treffen, schließlich fiel es zusammen mit der Debatte um russische Einmischung in die US-Wahlen. Der US-Präsident konnte gar nicht anders, als danach zu fragen.

Russlands Präsident Putin stritt alles ab. Ein kritischer Beobachter kommentierte das damals so: Es sei für Trump sehr lehrreich gewesen, Putin beim Lügen zuzuschauen. Den Leuten im Kreml sei nicht über den Weg zu trauen, und deshalb "verhandelt man mit dem heutigen Russland auf eigene Gefahr".

Der Kommentator hieß John Bolton. Er ist seither Trumps Sicherheitsberater geworden, und als solcher hat er in Moskau den Gipfel zwischen Trump und Putin ausgehandelt - auf eigene Gefahr sozusagen.

Schöne Komplimente

Man hat ihn im Kreml ausnehmend gut empfangen, gleich zu dritt saßen ihm Präsident Putin, Verteidigungsminister Sergej Schojgu und Außenminister Sergej Lawrow gegenüber. Hardliner Bolton machte Putin schöne Komplimente. Er freue sich, zu erfahren, wie es gelungen sei, die Weltmeisterschaft im Fußball so gut zu organisieren, sagte er. Es war, als sei die Vergangenheit wie weggewischt. Nur die Journalisten erinnerten den Gast in einer Pressekonferenz an seine Statements von vor einem Jahr. Eine Antwort erhielten sie nicht.

So ändern sich die Zeiten: Ausgerechnet ein Falke wie Bolton organisiert jenes Gipfeltreffen, das Trumps Gegner in Washington mit Sorge sehen - weil sie Trump grundsätzlich unterstellen, er sei Moskau gegenüber zu schwach. Was, fragen sie, wird Trump Putin zugestehen, und wofür?

Es ist in der Tat schwer vorherzusagen, was bei so einem Treffen für Washington herauskommen soll. Themen gibt es zwar genug: Den Umgang mit Iran oder Nordkorea, Russlands Vorgehen in der Ukraine und in Syrien, Rüstungskontrolle und neues Wettrüsten. Spielraum aber gibt es wenig: Manche Fragen kann Trump kaum beeinflussen (etwa die vom US-Kongress verhängten Sanktionen), in anderen liegen die Positionen allzu weit auseinander. Das gilt etwa für den Umgang mit Iran: Für den Kreml ist Iran ein Verbündeter im Syrienkrieg, für die Trump-Administration ist es ein Schurkenstaat, mit dem grundsätzlich keine Einigung möglich sei.

Geduldige Vorarbeit nötig

Das spricht nicht gegen ein Treffen der Präsidenten, es ist sinnvoll. Aber es spricht gegen die Art, wie es zustande kommt. Ein Gipfel braucht geduldige diplomatische Vorarbeit - etwas, was Trump nicht schätzt, schon weil ihm dafür die Aufmerksamkeitsspanne fehlt. Er will den schnellen PR-Erfolg, den Riesendurchbruch, den er auf seine geniale Intuition zurückführen darf. Dafür ist er gern bereit, vage Zugeständnisse zu machen. Die Detailarbeit überlässt er ohnehin seinen Helfern. Sie müssen notfalls Schritt für Schritt zurücknehmen, was ihr Chef an Versprechungen gemacht hat.

Putin hingegen kann bei einem Treffen mit Trump nur gewinnen. Mindestens wird er damit zeigen, dass Moskau auf Augenhöhe mit Washington ist. Das Treffen finde in Helsinki ja "auf dem Boden des Russischen Reiches" statt, twitterte schon mal der Kreml-Reporter der größten russischen Boulevardzeitung. Finnland wurde bis zur Oktoberrevolution von den Zaren regiert.



insgesamt 34 Beiträge
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Seite 1
sven2016 28.06.2018
1.
Man sollte mit der Vorab-Berichterstattung über das, was passieren wird, in Zusammenhang mit Trump aufhören. Wenn er seinen Chef treffen will, ist gut und das war es. P.S.: Russland wurde von den Wikingern aus dem Kiewer Rus her gegründet. Wenn man weit genug zurück geht, wird sich für Russland und Finnland auch noch gemeinsamer Vorzeitmensch mit afrikanischen Wurzeln finden. Was beweist das? Der Finnlandvergleich ist nicht druckwprdig.
Atheist_Crusader 28.06.2018
2.
Normalerweise ist es ja zu begrüßen wenn Großmächte miteinander auskommen, aber die Gefahr dass die USA und Russland nicht mehr miteinander reden und daraus dann eine Kriegsgefahr erwächst ist hier nicht gegeben. Hier haben wir eher das gegenteilige Problem: die beiden stehen sich zu nahe obwohl Amerikas Selbstverständnis das eigentlich unmöglich machen sollte - zumindest bis 2016 wäre es undenkbar dass der US-Präsident sich freundlich zum Plausch mit jemandem trifft der fröhlich in Amerika Cyberkrieg und Massenmanipulation spielt und besagter Präsident ihn auch noch gewähren lässt. Das können keine guten Nachrichten sein für jeden der zwischen Washington und Moskau lebt, egal in welcher Richtung. Speziell die EU ist beiden ein Dorn im Auge - sie erschwert es ihnen die europäischen Länder gegeneinander auszuspielen und isoliert gefügig zu machen. Stünde Deutschland allein, hätte man wohl schon vor Trumps erster Androhung von Strafzöllen gekuscht - und schwächere Volkswirtschaften sowieso. Menschenrechte stehen für die USA auch nicht mehr auf der Agenda, also kann man für Syrien wohl auch keine guten Nachrichten erwarten. Eher im Gegenteil: je mehr Syrer zur Flucht gezwungen werden, desto stärker werden Trumps und Putins rechte Anhänger in Europa. Ich will mir auch lieber nicht vorstlelen was passiert wenn Trump versucht, Putin von seiner Unterstützung des Irans abzubringen. Oder was Putin dafür im Gegenzug bekommt.
daishi666 28.06.2018
3.
Ich denke, dass das Treffen einfach ein Geschenk ist, dass sich der POTUS selbst macht. Endlich Putin treffen in den man schon so sehr bewundert, dass es die Grenze zur Verliebtheit überschreitet. - Die Person welche einem die Propaganda Unterstützung gab die man auf den letzten Metern zur Präsidentschaft brauchte. - Die Person welche den Regeln zur maximalen Dauer der Amtsinhabe durch eine Posten-Rochade alle paar Jahre umgeht. - Person die unliebsame Kritiker gerne mal durch Verkehrsunfälle und Giftattentate entsorgt. - Die Person welche eine völkerrechtswidrige Invasion einfach mal nassforsch abstreitet. - Die Person welche sich nicht zu Schade ist mit einem Massenvernichtungswaffen einsetzenden Diktator zu Paktieren, so lange es die eigenen Interessen fördert. Die Liste ließe sich noch ein ganzes Stück weit fortsetzen. Vermutlich werden die Trump Fans und Putinisten aber einfach nur kollektiv aufheulen. Jedenfalls ist Putin das was Trump gern in den USA wäre.
bouncy-tigger 28.06.2018
4. Rußlands Duldung für den Iran Krieg wird einen Preis haben
Die Kündigung des Iran Deals macht nur Sinn, wenn man bereit ist einen Krieg dort zu führen. Dafür benötigt man die Duldung Russlands. Da kann man dann schon über die Krim, Ost-Ukraine und Syrien hinweg sehen. Man spricht halt unter "Männern" und versteht, was der andere braucht. Mit so einem Gipfeltreffen gibt es für diese "mächtigen Männer" dann noch eine nette PR. Wir schauen uns dass alles an und haben keine Ahnung was wirklich passiert. Wir freuen uns über ein paar Mishaps die es geben wird und während wir das Tun zerstören sie die Freiheit, Stabilität und Sicherheit der Welt wie wir sie kennen.
karl-der-gaul 28.06.2018
5. Und welche Zugeständnisse machen sie den Russen?
Vielleicht sollte es heißen welche Zugeständnisse machen die Russen. Es ist doch viel mehr im Interesse der Russen den der USA.
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