Trump und Putin in Finnland Der Helsinki-Faktor

Donald Trump und Wladimir Putin treffen sich in Helsinki. Die finnische Hauptstadt gibt sich gelassen. Schließlich schütteln sich Amerikaner und Sowjets oder Russen hier schon seit Jahrzehnten die Hände.

Wladimir Putin und Donald Trump (November 2017)
REUTERS

Wladimir Putin und Donald Trump (November 2017)

Von Johanna Lipsanen


Die Finnen sind stolz auf den guten Ruf ihres Landes. Darauf, dass sie in Ranglisten zur Lebensqualität immer wieder ganz oben landen - zuletzt wurden die Bewohner des nordeuropäischen Staats gar als "glücklichste Menschen" der Welt im "World Happiness Report" gekürt. Stolz sind sie auch auf die Rolle, die Finnland immer wieder bei der Lösung von internationalen Konflikten gespielt hat.

Doch so offen würde das im Land kaum jemand sagen. Denn Prahlerei zeugt von schlechten Manieren, Finnen lernen das im Kindesalter. Diese Regel gilt auch für den Gipfel an diesem Montag. Ob sie bei allen Teilnehmern angekommen ist, muss sich erst zeigen.

Helsinki ist Schauplatz des ersten offiziellen Treffens zwischen US-Präsident Donald Trump und seinem russischen Amtskollegen Wladimir Putin. Einen Tag lang steht die finnische Hauptstadt im Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit. Doch die Stadt scheint nicht viel Aufhebens darum zu machen.

Die Straßen werden nicht speziell aufgehübscht. Es werden zum Anlass auch keine besonderen Blumen oder gar Bäume gepflanzt, wie in anderen Metropolen durchaus üblich. Die finnischen Medien spekulierten im Vorfeld darüber, wo genau sich die beiden Staatschefs treffen, wie sie übernachten und welche Straßen gesperrt würden. Aber das war es eigentlich auch schon. "Wir wissen, wie man das macht", scheint die Botschaft zu lauten, die Helsinki in die Welt schickt. "Ist nicht das erste Mal für uns."

Ein beliebter Austragungsort für internationale Gipfel

Damit haben die Einwohner der finnischen Hauptstadt natürlich recht. Helsinki war in seiner Geschichte schon mehrfach Schauplatz von Treffen amerikanisch-sowjetischer beziehungsweise amerikanisch-russischer Spitzentreffen. 1975 kamen Gerald Ford und Leonid Breschnew in der Stadt zusammen, 1990 George Bush und Michail Gorbatschow. Bill Clinton und Boris Jelzin trafen sich 1997 in Helsinki.

In diesem Jahr war die Stadt bereits Austragungsort mehrerer internationaler Treffen. Delegationen von der koreanischen Halbinsel und aus den USA kamen im März in Helsinki zusammen, russische und US-amerikanische Top-Militärs im Juni.

Laut Teija Tiilikainen vom Finnischen Institut für Internationale Beziehungen ist der gute Ruf der Stadt ein Grund, weshalb Trump und Putin sich für Helsinki entschieden.

"Ein anderer Grund liegt darin, dass der finnische Präsident Sauli Niinistö mit beiden Staatschefs im Dialog steht", sagt Tiilikainen. Niinistö habe trotz der Krise in der Ukraine und der EU-Sanktionen gegen Russland seine Beziehung zu Putin gepflegt. Trump lud Niinistö im vergangenen Herbst ins Weiße Haus ein.

Über Details spricht man nicht

Als Teil der EU ist Finnland nicht mehr neutral wie im Jahr 1975, als Ford und Breschnew sich trafen. Obwohl das Land in den vergangenen Jahren eine Kooperation mit der Nato schmiedete, gehört es keinem Militärbündnis an. Tiilikainen glaubt, dass diese Blockfreiheit vor allem in den russischen Erwägungen eine Rolle gespielt haben könnte.

Bei dem Treffen zwischen Trump und Putin soll es nach offiziellen Angaben beider Länder um die Beziehungen zwischen Russland und den USA, den Krieg in Syrien sowie Nordkoreas Atomprogramm gehen. (Welche Themen beim Gipfel eine Rolle spielen und warum das Treffen so wichtig ist, lesen Sie hier.)

Für Finnlands Präsident Niinistö ist die Rolle seines Landes beim Gipfel ein Ausdruck von Kontinuität. "Finnland ist verlässlich", sagte Niinistö in einem Interview der finnischen Zeitung "Iltasanomat". "In der Praxis bedeutet das: Die Vorkehrungen rund um das Treffen laufen glatt und über Details wird im Vorfeld nicht gesprochen."



insgesamt 12 Beiträge
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ned divine 16.07.2018
1. das waren noch normale und historische Zeiten....
als sich Weltpolitiker, wie Gorbatschow und Bush in Helsinki trafen, jetzt kann man ja wirklich nur noch den Kopf schütteln über maximale Katastrophen wie Trump und Putin: die geballte Unberechenbarkeit auf vier Beinen. Wo soll das hinführen?
isswiesiss 16.07.2018
2. Bock zum Gärtner
Ist schon sehr optimistisch zu glauben, dass Trump sich bei Putin über die Einmischung Russlands bei der Präsidentschaftswahl beschweren wird, wo er doch davon profitiert hat. Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht.
Flachlandprophet 16.07.2018
3. Zünglein an der Waage
Die skandinavischen Länder werden ohnehin das Zünglein an der Waage sein, wenn es um die Richtung, die Zukunft Europas geht. Es werden zwar immer die Osteuropäer als "Problem" ausgemacht....geht es um ein Europa nach Merkel & Macron, doch diese Rolle könnten bald schon die Skandinavier einnehmen - keiner weiß so richtig wo die stehen. Schon alleine deshalb ist es ganz gut, dass das Treffen zwischen Putin und Trump in Norwegen stattfindet.
thomas.wenzel 16.07.2018
4. Denn Prahlerei zeugt von schlechten Manieren, Finnen lernen das im Kindesalter...
....stimmt, aber Johanna Lipsanen sollte das auch noch lernen.
pavel1100 16.07.2018
5. Kaiser Nero trifft Fürsten der Finsternis
Das Treffen ist schon ein interessantes Ereignis, nicht dass dabei etwas bedeutendes herauskäme sondern wegen der Charaktere der beiden Akteure. Hier ein Präsident der, oft völlig unvorbereitet, aus dem Bauch heraus Dinge sagt, bei denen man an seinem Verstand zweifeln kann. Dort ein mit allen Wassern gewaschener ehemaliger KGB-Agent, von dem man annehmen kann, dass er sich bestens, unter Beratung von Psychologen, auf das Treffen vorbereitet hat. Das ist kein Treffen von gleichen und man kann annehmen, dass Putin den thumben Trump am kleinen Finger über den Tisch ziehen wird.
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