Interview mit Trump-Unterstützerin Was war da los, Frau Roy?

Er ist es wirklich: Bei einem Auftritt versetzte Donald Trump die Amerikanerin Robin Roy in einen kleinen Schockzustand. Das Foto ging um die Welt. Was war da los? Und was machte die Aufnahme mit ihr? Ein Anruf.

Von , Washington

Hilfe! Die Amerikanerin Robin Roy nach einer Rede von Donald Trump
REUTERS

Hilfe! Die Amerikanerin Robin Roy nach einer Rede von Donald Trump


SPIEGEL ONLINE: Hallo, Frau Roy, Ihr Foto hat es bis nach Deutschland geschafft. Donald Trump steht vor Ihnen, und Sie sehen einigermaßen verschreckt aus. Wie kam das?

Roy: Ich war in Lowell, Massachusetts, bei einer Veranstaltung mit ihm. Ich wusste, dass er nach seiner Rede Unterschriften geben wird, also habe ich mich mit meiner Tochter in die erste Reihe gestellt. Naja, und plötzlich stand er dann da. Das ganze Land berichtet über ihn und auf einmal habe ich fast schon eine private Begegnung mit unserem nächsten Präsidenten - ich habe das in dem Moment nicht so richtig verkraftet.

SPIEGEL ONLINE: Hat Trump Sie auch wahrgenommen?

Roy: Ja, klar! Ich hatte dieses T-Shirt dabei, mit der super Aufschrift: Obama, du bist gefeuert! Ich habe es ihm hingehalten. Da hat Trump dann geguckt, mir High Five gegeben und zu meiner Tochter gesagt: Du hast eine spitzenmäßige Mama. Am Ende hat er noch mein Poster unterschrieben.

SPIEGEL ONLINE: Wann haben Sie gemerkt, dass ein Foto von Ihnen existiert?

Roy: Kurz nach der Veranstaltung. Ich saß vorne im Auto, meine Tochter hinten. Plötzlich fing sie an zu schreien. Das Foto war schon bei Twitter. Ich bin fast gestorben, mir war das erst mal wahnsinnig unangenehm.

SPIEGEL ONLINE: Ziemlich unheimlich, diese Geschwindigkeit, oder?

Roy: Total. Es dauerte nur ein paar Stunden, da war das Foto überall. Im Internet, im Fernsehen, in manchen Zeitungen. Ich kriegte sogar Anrufe aus England: Hey, du bist in den Nachrichten!

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie sich da gedacht?

Roy: Das Problem mit solchen Fotos ist, dass sie nur eine klitzekleine Momentaufnahme sind, die in einem großen Zusammenhang interpretiert wird - ohne, dass man selbst etwas dazu beisteuern kann. Die Deutungshoheit wird Dir einfach aus der Hand genommen.

SPIEGEL ONLINE: Ein Beispiel?

Roy: Ich lebe 20 Minuten von Boston entfernt, aber manche haben mich im Internet zu einer dummen Hinterwäldlerin gemacht. Und andere meinten plötzlich, ich sei bestimmt schon immer ein Fan von ihm gewesen und hätte eben im Angesicht des Stars fast einen Herzinfarkt bekommen. Die Wahrheit ist: Trump hat mich als Mann im Fernsehen nie interessiert. Ich finde ihn erst jetzt als Kandidat gut. Super gut sogar.

SPIEGEL ONLINE: Wie sehen Sie das Foto jetzt mit etwas Abstand?

Roy: Es gefällt mir. Klar, meine Augen fallen fast raus. Aber egal. Wer hat schon so ein Foto mit Trump? Ich glaube, es ist ein kleines Stück Geschichte. Er wird der nächste Präsident. Und ich wähle auf jeden Fall. Übrigens zum ersten Mal in meinem Leben.

SPIEGEL ONLINE: Wie? Sie sind 53 Jahre alt - und wählen zum ersten Mal?

Roy: Ja. Meine Großeltern sind aus Italien eingewandert. Und so, wie es in Italien ist, war es auch bei uns: Der Vater war immer der Chef der Familie, gerade auch was die Politik angeht. Die Familie sieht die großen Fragen, wie der Papa sie sieht. Politik ist deswegen bei uns nie diskutiert worden, und ich hatte kein besonderes Interesse daran. Bis Obama kam und unser Land völlig ruiniert hat.

SPIEGEL ONLINE: Sie mögen Obama anscheinend wirklich nicht.

Roy: Um Gottes Willen, er ist schrecklich.

SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie denn an ihm auszusetzen?

Roy: Er ist viel zu politisch korrekt. Er kümmert sich nicht um die Generation unserer Kinder. Er hat kein Interesse an unserem Militär. Und er lässt alle möglichen Leute rein - in einer Zeit, in der wir uns nicht mal mehr um unsere eigenen alten Leute kümmern können. Die Welt lacht doch über uns! Es ist ein Desaster. Totales Chaos.

SPIEGEL ONLINE: Und Trump würde das besser machen?

Roy: Aber natürlich! Er sagt einfach, wie es ist. Endlich macht das mal jemand. Für mich ist das Beste an ihm: Er kann nicht gekauft werden. Er braucht diesen Job nicht, er ist ein Milliardär. Dass er trotzdem so kämpft, zeigt, wie sehr es ihn reizt, sich für unser Land einzusetzen.

SPIEGEL ONLINE: Für meinen Geschmack sind viele seiner Pläne etwas radikal. Nehmen wir seine Idee, keine Muslime mehr ins Land zu lassen. Das finde ich sogar richtig gefährlich.

Roy: Ich nicht. Ich sehe das exakt so wie er. Wir brauchen Sicherheit, das ist das Allerwichtigste. Was ist denn zum Beispiel in Kalifornien passiert? Die beiden Attentäter kamen über ein Visum ins Land und haben 14 Leute umgebracht. Das kann doch nicht sein.

SPIEGEL ONLINE: Ich finde auch Trumps Umgang mit Frauen verstörend. Er beschimpft die Moderatorin Megyn Kelly, weil sie kritisch fragt. Er macht sich darüber lustig, wie die Schauspielerin Rosie O'Donnell aussieht…

Roy: …Oh mein Gott. Hören Sie auf mit Rosie O'Donnell. Die mag doch niemand mehr hier. Und im Übrigen ist das doch verrückt mit dem Frauenvorwurf. Trump redet eben Klartext mit Männern und Frauen. Frauen sind auch Großmäuler. Da müssen sie auch einstecken können. So sehe ich das.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es gar nichts, womit Sie bei Trump hadern?

Roy: Also die Homo-Ehe zum Beispiel ist mir eher egal. So lange die Leute glücklich sind, ist das nicht meine Sache. Und so lange kein Muslim hier eine Neunjährige heiraten will, ist alles ok. Da könnte Trump ruhig ein bisschen lockerer sein. Auch bei der Abtreibung bin ich gelassener. Ich bin dafür, dass Frauen das selbst entscheiden müssen. Aber sonst? ich würde sagen, dass ich ungefähr 96 Prozent seines Programms gut finde.

SPIEGEL ONLINE: Wo haben Sie eigentlich das signierte Poster untergebracht?

Roy: Ich lasse es gerade rahmen. Und wenn Trump am 21. Januar 2017 in sein Amt als Präsident eingeführt wird, hänge ich es in meinem Wohnzimmer auf.

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Seite 1
Vorlan 28.01.2016
1.
Solche haben wir leider auch hier in Dland. "Ja. Meine Großeltern sind aus Italien eingewandert." "Und er lässt alle möglichen Leute rein - in einer Zeit, in der wir uns nicht mal mehr um unsere eigenen alten Leute kümmern können." Anders gesagt. Solange die eigene Familie profitierte war es kein Problem. Nun sollen aber andere die ein besseres Leben wollen doch bitte irgendwo in einer dunklen Ecke sterben und nicht weiter stören. Hier kenne ich sowas aus meinem Bekanntenkreis. Meine Eltern sind Kroaten, ich bin hier geboren. Kenne aber etliche Kroaten, Bosnier, Serben die nun gegen Einwanderer hetzen. Da ist für mich immer Fremdschämen angesagt.
TOKH1 28.01.2016
2. Superfrau...
...bei so viel Gleichgültigkeit und Oberflächlichkeit ist einem ja auch klar, welche Wählerklientel diesen Trump wählen wird. Allerdings kann sie die Zweideutigkeit und damit den Ärger, den Trump auf sie hat, nicht mehr korrigieren. Jedenfalls sieht er das bestimmt nicht so locker wie sie. Ich jedenfalls als Trumpgegner empfinde unglaubliche Genugtuung bei dem Bild.
acosta 28.01.2016
3. @vorlan
Da gebe ich Ihnen uneingeschränkt Recht. Mir sind Ungarische Flüchtlinge bekannt, die im Kommunismus flohen.Und aus rein wirtschaftlichen Gründen. Haben aber jetzt etwas gegen Leute, denen man zu Hause den Kopf abhacken würde.
Pius 28.01.2016
4. ist es nicht interessant...
...eine "Italienerin" die keine weiteren Ausländer in den USA möchte. Ist wie in Deutschland da stehen ja momentan die Russen auf der Straße und demonstrieren gegen Asylanten. Das ist alles unfaßbar. Ach so ja, vielleicht hätte die Dame die politischen Entscheidungen auch weiterhin jemand anderem überlassen sollen.
brehn 28.01.2016
5. hmhm
Zitat von VorlanSolche haben wir leider auch hier in Dland. "Ja. Meine Großeltern sind aus Italien eingewandert." "Und er lässt alle möglichen Leute rein - in einer Zeit, in der wir uns nicht mal mehr um unsere eigenen alten Leute kümmern können." Anders gesagt. Solange die eigene Familie profitierte war es kein Problem. Nun sollen aber andere die ein besseres Leben wollen doch bitte irgendwo in einer dunklen Ecke sterben und nicht weiter stören. Hier kenne ich sowas aus meinem Bekanntenkreis. Meine Eltern sind Kroaten, ich bin hier geboren. Kenne aber etliche Kroaten, Bosnier, Serben die nun gegen Einwanderer hetzen. Da ist für mich immer Fremdschämen angesagt.
Stimmt, sieht man auch gerade an unseren Mitbürgern russischer Abstammung, welche im Zusammenhang mit an den Haaren herbeigezogenen Meldungen gegen Zuwanderung/mangelnde Sicherheit etc. demonstrieren. Dass diejenigen aber selbst vor nicht allzu langer Zeit zugewandert sind wird dabei irgendwie außer Acht gelassen. Weiterhin könnte man auch erwähnen, dass es eine Phase gab, als auch männliche Mitbürger russischer Abstammung nichts besseres zu tun hatten als Abends auf den Straßen alkoholisiert nach Schlägereien/Stress zu suchen (Beispiel bestimmte Bezirke Berlins)...aber man (ich) ist ja nicht nachtragend...
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