US-Testwahlen Bittere Niederlage für Trumps Republikaner

Die Demokraten gewinnen in zwei Bundesstaaten und in New York wichtige Wahlen - vor allem ihr Erfolg in Virginia ist ein Warnsignal für Donald Trump.

Von , Washington


Ed Gillespie hat alles versucht. Der Spitzenkandidat der Republikaner bei der Gouverneurswahl in Virginia hat gegen Migranten gewettert, vor Latino-Banden gewarnt und schärfere Waffengesetze verteufelt. Kurz gesagt: Er hat einen Wahlkampf geführt wie Donald Trump. Es hat ihm trotzdem nichts gebracht. Er musste sich seinem Rivalen von den Demokraten, Ralph Northam, geschlagen geben.

Ausgerechnet zum Jahrestag der Wahl von Trump zum US-Präsidenten verlieren die Republikaner gleich bei drei wichtigen Entscheidungen. Wie in Virginia konnten sich auch bei der Bürgermeisterwahl in New York und bei der Gouverneurswahl in New Jersey die Kandidaten der Demokraten durchsetzen. In New Jersey gewann der frühere US-Botschafter in Berlin, Phil Murphy, klar, in der Millionenmetropole New York verteidigte Bürgermeister Bill de Blasio sein Amt. Er wurde für weitere vier Jahre gewählt.

        Wahlsieger        Ralph Northam
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Wahlsieger Ralph Northam

Die Niederlage in Virginia ist für Trump und seine Republikaner besonders ärgerlich. New York und New Jersey gelten schon seit einiger Zeit als Hochburgen der Demokraten, hier waren ihre Siege erwartet worden. Doch in Virginia hatten sich die Republikaner eigentlich einen Erfolg erhofft.

Der Bundestaat südlich der Hauptstadt Washington war früher eine Republikaner-Hochburg, ist inzwischen aber ein sogenannter "Purple State", ohne klare politische Einfärbung. Hier gewinnen mal die Republikaner (rot), mal die Demokraten (blau). Bei der Präsidentschaftswahl konnte Hillary Clinton den Staat gewinnen. Zuletzt hatten die Umfragen hier bei der Gouverneurswahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen vorhergesagt.

Die Demokraten hoffen auf Rückenwind

Wohlweislich hatten die Demokraten die Abstimmung in Virginia schon vorher zur Testwahl über die Präsidentschaft von Donald Trump ausgerufen. Kandidat Northam nannte ihn einen "narzisstischen Wahnsinnigen". Trump und seine Republikaner wiederum wollten Virginia gewinnen, um dies dann als klare Unterstützung für ihren politischen Kurs in Washington zu feiern.

        Wahlsieger        Phil Murphy
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Wahlsieger Phil Murphy

Daraus wird nun nichts. Das Ergebnis fiel mit 54 zu 45 Prozent sehr klar aus. Die Demokraten fühlen sich nun beschwingt, zuletzt hatten sie wenig politisches Glück. Sie hoffen auf Rückenwind für die wichtigen "Midterm"-Wahlen im nächsten Jahr. Dabei werden alle 435 Mitglieder des Repräsentantenhauses und ein Drittel der 100 Senatoren neu gewählt. Die Demokraten hoffen, dass sie die Mehrheit der Republikaner in mindestens einem der beiden Häuser knacken können. So wollen sie die politische Agenda von Trump ausbremsen.

Wahlsieger Bill de Blasio
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Wahlsieger Bill de Blasio

Fest steht: Die Demokraten konnten ihre Anhängerschaft wohl besser mobilisieren als die Republikaner. Offenbar motivierte sie die Aussicht, Präsident Trump ein Jahr nach seiner Wahl einen Denkzettel erteilen zu können. Das ist eine gute Nachricht für die Demokraten, denn die Mobilisierung könnte auch bei den Abstimmungen im kommenden Jahr die entscheidende Rolle spielen. Wenn es die Demokraten schaffen, auch da die Anti-Trump-Stimmung in Teilen der Bevölkerung zu nutzen, könnten sie Erfolg haben.

Die Trump-Masche zog diesmal nicht

Für Donald Trump muss der Wahlausgang hingegen ein Warnsignal sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Kandidat Gillespie ist kein echter Trump-Mann, sondern eher ein klassischer Establishment-Republikaner, der auch auf einen Auftritt von Trump im Wahlkampf verzichtete. Er hatte zuletzt aber sehr ähnlich wie Trump agiert. Seinen Rivalen Northam attackierte er scharf, warf ihm in Werbespots vor, Pädophile zu unterstützen. Gerade die Trump-Wähler in den ländlichen Gebieten blieben wohl trotzdem reihenweise zu Hause. Für die "Midterm"-Wahlen ist das nicht unbedingt ein gutes Zeichen.

Das weiß natürlich auch Trump. Deshalb beeilte er sich, die Ergebnisse der Wahlen kleinzureden. Zu Kandidat Gillespie, den er vor der Wahl noch in höchsten Tönen gelobt hatte, ging er sofort auf Distanz. Gillespie habe zwar hart gearbeitet, ihn, Trump, und seine Agenda aber nie wirklich "umarmt", twitterte der Präsident.

Und dann schob er ein großes Versprechen an seine Partei nach, mal wieder: "Wir werden weiter gewinnen - sogar noch mehr als bisher."



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hausfeen 08.11.2017
1. Kein Grund zum Jubeln.
Schaut man genau hin, dann hat sich nicht wirklich etwas verändert. Trumps Wiederwahl ist immer noch möglich, fast wahrscheinlich.
Kamillo 08.11.2017
2.
Wenn man Trump-Trends ausmachen will, zählen diese Küstenstaaten nicht. Da sind die Flyover-Staaten interesanter.
Atheist_Crusader 08.11.2017
3.
Ich wäre mal vorsichtig bevor ich da jetzt DEN großen Umschung sehe. Die Republikaner können halt nicht überall gewinnen. Haben sie auch bei der Präsidentschaftwahl nicht. Im Gegenteil: die Mehrheit des Landes wollte Trump nicht. Aber sie haben halt an den richtigen Stellen gewonnen. Und wie es ein Vorposter schon anmerkte: die USA haben halt ein Zweiparteiensystem, bei dem die zwei Großen ein ewiges Spiel des Macht Ping-Pong spielen und Niemand anderes auf ihr Level gelangen kann. Das macht Verschiebeungen der Wählermeinung fast zu einem Nullsummenspiel: der eine gewinnt was der Andere verliert. Es ist also nicht unbedingt so dass die Demokraten gewinnen, sondern eher so dass die Republikaner verlieren. Das ist ein großer Unterschied. Denn die langfristigen Probleme bleiben und werden weiter existieren - es sei denn das Land spaltete sich irgendwann mal entlang der politischen Linien auf. Oder es überwindet seine gesellschaftliche und politische Spaltung, aber das halte ich für noch wesentlich unwahrscheinlicher.
fatal.justice 08.11.2017
4. Mit...
... Gillespie haben die Republikaner aber auch den rückwärtsgewandtesten Antifortschritts-Lobbyisten südlich des Nordpols ins Rennen geschickt. Dafür war sein Ergebnis noch erschreckend hoch. Speziell auf diesen Wahlsieg sollte sich die Demokratische Partei nicht allzu viel einbilden. Obgleich jede unerfreuliche Wahlnachricht für den sich auf ostasiatischer Waffenverkaufsbutterfahrt befindlichen Präsidenten letztendlich für den Rest der planetarischen Population nur eine gute Nachricht sein kann...
jojack 08.11.2017
5. Mal diese, mal jene
Da sollte man nicht zu viel hinein lesen. Bis vor kurzem haben vor allem republikanische Politiker diverse regionale Wahlen gewonnen. Trotz des Chaos im Weißen Haus. Und vergessen wir eines nicht: es ist im amerikanischen politischen System die Ausnahme, dass ein amtierender US-Präsident abgewählt wird. Solange die US-Wirtschaft brummt, muss Trump nur seine eigenen Tölpeleien fürchten. Derzeit ist jedenfalls kein demokratischer Messias vom Schlage Obamas zu sehen, der gegen das Unterhaltungstalent Donald Trump gewinnen könnte.
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