US-Präsident Trump unterstützt umstrittenen Senatskandidaten Moore weiter

Trotz anhaltender Belästigungsvorwürfe hat sich Donald Trump erneut hinter den umstrittenen Republikaner Roy Moore gestellt. Vermutlich aus ganz pragmatischen Gründen.

Donald Trump
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Eine Woche vor einer wichtigen Wahl im Bundesstaat Alabama unterstützt US-Präsident Donald Trump nun mit Nachdruck den umstrittenen Senatskandidaten Roy Moore. Mehrere Frauen beschuldigen den heute 70-Jährigen, sie vor Jahren belästigt zu haben. Darunter ist eine damals 14-Jährige. Der Ex-Richter weist das zurück.

Trump twitterte, Moores Wahl sei entscheidend, um die republikanische Politik im US-Senat durchzusetzen. Moore kandidiert in Alabama um den Senatssitz, der durch Jeff Sessions Wechsel an die Spitze des Justizministeriums frei geworden ist. Die Wahl ist am 12. Dezember.

Eine Reihe ranghoher Republikaner ist auf Distanz zu Moore gegangen und forderte ihn auf, seine Kandidatur zurückzuziehen. Würde er gewählt, wären Rechtsstreitigkeiten im Senat zu erwarten. Trump und vielen Republikanern wird vorgeworfen, moralische Grundsätze aus Machtgründen fahren zu lassen.

Umfragen in Alabama sehen Moore und den Demokraten Doug Jones etwa gleichauf. Nur eine kleine Minderheit republikanischer Befragter schenkt den Anschuldigungen an Moores Adresse Glauben.

Durch die USA geht eine regelrechte Welle, in der mächtige Männer in Medien und Politik mit Vorwürfen sexueller Belästigung konfrontiert werden. Viele verlieren ihre Position. Auch der US-Präsident wird von Frauen beschuldigt, sie sexuell belästigt zu haben. Diese Vorwürfe spielen in der Öffentlichkeit eine vergleichsweise kleine Rolle.

Laut Medienberichten hat Trump zuletzt die Authentizität eines Tonbands mit obszönen Äußerungen bestritten, das den Wahlkampf des damaligen Präsidentschaftskandidaten schwer belastet hatte. Am Montag schrieb der damalige Interviewer der "Access Hollywood"-Bänder, Billy Bush, in der "New York Times": "Natürlich hat er es gesagt." Trump hatte geprahlt, als Berühmtheit könne man sich Frauen gegenüber alles leisten und ihnen auch in den Schritt fassen.

bam/dpa



insgesamt 6 Beiträge
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irene74 04.12.2017
1.
Wie sollte er auch anders? Teilt er doch die gleichen "Werte".
Atheist_Crusader 04.12.2017
2.
NATÜRLICH aus pragmatischen Gründen. Bei den Vorwahlen hatte er noch Moores republikanischen Rivalen unterstützt. Aber was soll er jetzt auch machen, dazu raten einen Demokraten zu wählen? Dann wäre ja seine großartige Steuerreform in Gefahr, die endlich mal diese verhätschelte Unter- und Mittelschicht schröpft und den armen Millionären etwas zurückgibt. Aber noch wichtiger: Moore repräsentiert eine bestimmte Art von Republikaner-Wählern die Trump braucht: rural, ungebildet, chauvinistisch, xenophobisch, schwer religiös - und so borniert, dass sie lieber an eine Schmutzkampagne glauben als sich einzugestehen dass einer der ihren vielleicht doch nicht so toll sein könnte. Gerade die letzte Eigenschaft ist wichtig für Trump. Jeff Sessions kommt - politisch wie geographisch - aus der gleichen Ecke. Was wohl auch der Grund ist warum Trump ihn noch nicht gefeuert hat. Denn wenn er die verliert, dann hat er nicht mehr viel mehr. Naja, die Wahl findet am 12. statt. Ich hoffe ja, Alabama wird ein Minimum an moralischen Urteilsvermögen und Anstand zeigen, aber ich fürchte dass Trumps Rechnung aufgehen wird: lieber ein zweifach geschasster, religiös fanatischer, rassistischer, homophober Triebtäter als ein Demokrat.
g.eliot 04.12.2017
3. Gleich und Gleich gesellt sich gern
Roy Moore passt doch perfekt zu Trump, während Luther Strange, der von Trump ursprünglich unterstützte Gegenkandidat von Moore, viel zu "normal" und vernünftig war. Trump hatte sich für seine Unterstützung halt vom Establishment überreden lassen. Moore ist doch wie für Trump geschaffen: ein durchgeknallter, großmäuliger, ultrareligiöser, rassistisch tendierender Eiferer, der als Bezirksrichter jede Gerichtsverhandlung mit einem Gebet eröffnete und die Religion über die Justiz stellte. Dafür wurde ihm später sogar ein paar Mal das Richteramt gekündigt. Nicht nur das Birther Movement verbindet die beiden, sondern auch ihre sexuell motivierten Eskapaden, nachdem beide die "guts" haben, jede Anschuldigung abzustreiten und die betroffenen Frauen zu Lügnerinnen abzustempeln. Im Zuge der aktuellen Aufarbeitung der Fehltritte der amerikanischen Politiker, sind die beiden die einzigen, denen die Totalleugnung insoweit gelungen ist. Sind halt tough guys, ganz im Sinne der von Trump vorangetriebenen Renaissance des starken weißen Macho-Mannes.
aysnvaust 04.12.2017
4. Fake News:
Trump lässt moralische Grundsätze aus machtpolitischen Gründen fahren..? Irrtum, Trump hat überhaupt keine moralischen Grundsätze, also kann er die auch nicht über Bord werfen. Fake News, SPON..!
ex_berliner 04.12.2017
5. Birds of a feather...
Trump und Moore haben so viel gemeinsam: Sie sind beide zutiefst rassitisch, beide zutiefst autoritaer und sind beide glaubhaft von vielen Frauen beschuldigt, kriminelle Sexualdelikte begangen zu haben. Alte Weissheit: Birds of a feather flock together. Insofern ist Trump's Unterstuetzung for Moore nicht ueberraschend. Es war vielmehr ueberraschend, dass Trump sich in den Vorwahlen auf die Seite von Moore's Kontrahenten, dem derzeitigen Senator Luther Strange, geschlagen hatte.
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