Warnung vor US-Wahlmanipulation Wie Trumps Gift wirkt

Die Präsidentschaftswahl in den USA werde gefälscht, behauptet Donald Trump und stachelt seine Anhänger vor einer möglichen Niederlage auf. Die Reaktionen sind deutlich - und die Angst vor Unruhen wächst.

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Die Umfragewerte sinken, führende Republikaner und Parteispender wenden sich ab - und nahezu täglich neue Vorwürfe von sexuellen Übergriffen: Drei Wochen vor der Präsidentschaftswahl steht der republikanische Kandidat Donald Trump enorm unter Druck. Seine Reaktion: Er schlägt verbal um sich.

Am Samstag hatte Trump mehrfach Behauptungen wiederholt, die US-Wahlen würden gefälscht, alle Vorwürfe gegen ihn seien eine Verschwörung der Medien, um ihn vom Weißen Haus fernzuhalten. Kontrahentin Hillary Clinton gehöre ins Gefängnis.

Eine Abfuhr für diese Rhetorik gab es von Paul Ryan, Republikaner und Sprecher des Abgeordnetenhauses. "Unsere Demokratie gründet auf Vertrauen in Wahlergebnisse, und [Paul Ryan] ist vollkommen überzeugt, dass die Bundesstaaten diese Wahl integer durchführen", teilte Ryans Sprecherin mit. Ryan hatte in der vergangenen Woche Trump öffentlich die weitere Unterstützung für den Wahlkampf entzogen.

Auch Prominente meldeten sich zu Wort: Schriftstellerin Joyce Carol Oates zweifelte auf Twitter offen Trumps Geisteszustand an, Schauspieler Zach Braff nannte die Anschuldigungen "gefährlich".

"Eine faire Wahl als gefälscht zu bezeichnen, ist so kriminell wie eine gefälschte Wahl fair zu nennen", so Schach-Legende Gary Kasparow.

Trumps Vorwürfe der Wahlmanipulation sind nicht neu. Seit Monaten arbeitet der Milliardär an der Legende, eine Wahlniederlage könne nur auf Wahlmanipulation zu seinen Ungunsten zurückzuführen sein. Unter Trump-Anhängern kursierten Gerüchte, die Obama-Administration wolle "Busladungen mit illegalen Einwanderern" von Wahllokal zu Wahllokal fahren, um für Clinton zu stimmen.

Diese Gerüchte hat Trump befeuert. Mehrfach forderte er seine Anhänger auf, sich im November in "gewissen" und "anderen Bezirken" als Wahlpolizei zu betätigen. Es ist ein Spiel mit dem Feuer. "Es ist wichtig, dass ihr andere Communities im Auge habt, denn wir wollen nicht, dass uns diese Wahl gestohlen wird", wiederholte er zuletzt am Montag bei einer Veranstaltung - vor fast ausschließlich weißem Publikum, wie die "New York Times" anmerkte. "Trump stellt eine Zeitbombe für Rassenunruhen am Wahltag", fürchtet das Onlinemagazin Slate.com.

Die Kanzlei Ashby Law, die in Washington Politiker berät, versuchte, mit Argumenten Theorien des Wahlbetrugs zu entkräften: In 33 lesenswerten, mittlerweile viralen Tweets erklärten die Anwälte stoisch, wie eine Wahl abläuft, wie man diese manipulieren müsste, warum dies nicht möglich ist - und warum diese Anschuldigungen nicht nur falsch, sondern auch gefährlich für das gesellschaftliche Klima sind.

Doch die sinkenden Umfragewerte sowie die Berichterstattung über Trumps Skandale scheinen ihn sowie Teile seiner Fans die an einen Kampf gegen das verhasste Establishment glauben, weiter zu radikalisieren.

Für Erschütterung sorgte ein gewählter Sheriff aus Milwaukee, der nicht nur sämtliche staatliche Institutionen und die Medien als korrupt bezeichnete, sondern auch erklärte, es sei nun "Zeit für Fackeln und Mistgabeln" - und seine Botschaft mit einem kruden Agenturfoto untermauerte.

Der "Boston Globe" zitiert in einer Passage über eine Trump-Veranstaltung einen Mann, der Hillary Clinton bei einem Wahlsieg töten würde: "Sie sollte im Gefängnis sein oder erschossen werden. Wir werden eine Revolution haben und sie aus dem Amt treiben... es wird viel Blut fließen."

Der Bericht des "Globe" sorgte für derartigen Wirbel in den USA, dass sich nach Veröffentlichung das Trump-Lager distanzierte - halbherzig. "Wir lehnen Gewalt in jeder Form ab", heißt es in einem Statement aus seinem Kampagnenteam. "Diese inakzeptablen Äußerungen repräsentieren nicht die Millionen Amerikaner, die vom manipulierten System in Washington genug haben."

Und wie reagiert Hillary Clinton? Sie ließ ihren Sprecher trocken kommentieren: "Politische Teilhabe, besonders das Wahlrecht, sollte ermutigt, nicht untergraben werden - nur weil der Kandidat Angst hat, dass er verliert."

Im Video: Wie Trump über seine Kritiker lästert

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