Nach Rückzugsankündigung Trump will doch US-Soldaten in Syrien lassen

Der US-Präsident hatte einen vollständigen Abzug der Truppen aus Syrien angekündigt, daran gab es viel Kritik. Nun teilt das Weiße Haus mit: Etwa 200 Soldaten sollen zur "Friedenssicherung" im Bürgerkriegsland bleiben.

US-Soldaten im nordsyrischen Manbidsch (November 2018)
REUTERS/US Army

US-Soldaten im nordsyrischen Manbidsch (November 2018)


Auch nach dem US-Truppenabzug aus Syrien sollen rund 200 amerikanische Soldaten in dem Land stationiert bleiben. Die US-Regierung wolle diese "kleine Gruppe" von Soldaten noch "für eine gewisse Zeit" in Syrien lassen, sagte am Donnerstag die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders. Es ist bisher unklar, wo genau die Soldaten stationiert sein sollen und für wie lange sie im Land bleiben werden.

US-Präsident Donald Trump hatte Mitte Dezember überraschend angekündigt, alle etwa 2000 US-Soldaten aus Syrien abzuziehen. Dort sei die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) besiegt und das Ziel des US-Einsatzes damit erreicht. Trump war mit der Ankündigung und seiner Einschätzung der Lage vielfach auf Unverständnis und Kritik gestoßen - sowohl bei verbündeten Ländern als auch im eigenen politischen Lager.

Nun teilte der republikanische Senator Lindsey Graham mit, er begrüße Trumps Entscheidung, einige Soldaten in Syrien zu lassen. Das werde sicherstellen, dass der IS nicht zurückkehren und Iran nicht in das Vakuum vorstoßen werde. Der Präsident sei damit soliden Ratschlägen des Militärs gefolgt: "Gut gemacht, Mr President."

Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert einen namentlich nicht genannten Mitarbeiter des Weißen Hauses mit den Worten, es handle sich bei dem Schritt "um eine klare Botschaft an unsere Verbündeten und Koalitionspartner".

Die USA stehen an der Spitze einer internationalen Koalition, die in Syrien den IS bekämpft. Im Norden des Landes unterstützen die amerikanischen Truppen bisher die kurdische YPG-Miliz im Kampf gegen den IS. Die Kurden befürchten nach einem kompletten US-Abzug eine Offensive der Türkei auf syrischem Gebiet. Die Türkei sieht die YPG als Terrororganisation an und hat angekündigt, sie zu zerschlagen.

Die Ankündigung, etwa 200 Soldaten in Syrien zu lassen, kam nach einem Telefonat von Trump mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Beide Seiten hätten sich darauf verständigt, weiter an der Einrichtung einer möglichen Sicherheitszone in Nordsyrien zu arbeiten, teilte das US-Präsidialamt anschließend mit. Die Gespräche sollen am Freitag auf Ebene der Verteidigungsministerien und der Streitkräfte fortgesetzt werden.

aar/AFP/Reuters/dpa

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Listkaefer 22.02.2019
1. Gut gemacht?
Angesichts der gesammelten Unfähigkeiten dieses US-Präsidenten sind die Anforderungen für ihn immer geringer angesetzt worden. 200 Soldaten sind n i c h t s in dieser aufgewühlten Region! Das reicht noch nicht einmal symbolisch. Ist das vielleicht die Wachmannschaft für die US-Vertretung in Bagdad?
cemalaslan01 22.02.2019
2. Türkei bekommt noch mehr Syrien
In den von der Türkei besetzten Teilen Syriens kommt es täglich zu Anschlägen und jetzt will die Türkei noch ein Stück Syrien? Wirklich interessant wie die Türkei zwischen den Russen und Amerikanern versucht das Beste für sich rauszuholen. Dabei werden sie wohl nach jetzigem Stand leer ausgehen. Die Russen und Syrier wollen eine Offensive auf Idlib starten, da die Türkei Ihren Worten keine Taten folgen lassen hat und die Radikalen nicht die Waffen abgenommen hat. Die Kurden werfen wohl auch sich bewegen und eine neue Koalition bilden müssen. Also meiner Meinung nach handelt es sich bei der Türkei um einen Terrorunterstützer und für unsere Zukunft eine Gefahr, da sie auch hier nur spalten.
macarthur996 22.02.2019
3. Rojava
die Sicherheitszone in Nordsyrien existiert bereits. Sie heisst Rojava und wird mehrheitlich von Kurden und auch von Arabern bewohnt. Die militärische Verteidigung wird von der YPG geleistet, deren Kampfgruppen immer von einer Frau und einem Mann geführt werde. Bei den Kurden sind die Frauen den Männern gleichgestellt. Die Türkei bedroht Rojava. Man kann heute sehen was die türkische Armee zusammen mit den dhjadisten Gruppe, wie al Nusra, dschamal al islam und mit DAECH (Isis) in Afrin anrichtet. In Afrin können die Kurden nicht mehr leben.. Sie werden beraubt, schikaniert und auch getötet. Auf keinen Fall darf man die türkische Armee, mit ihren dhjadistischen Banden ins östliche Rojava (Manbish, Kobane, Hasaka) einmarschieren lassen. Die Kurden haben den IS bekämpft. Am Sintschar Gebirge hat die PKK eine Gasse für die vor dem IS fliehenden Jesiden geschaffen, so dass die meisten über das Gebirge fliehen konnten.
vantheuni 22.02.2019
4. 200? Noch weniger als die Spartaner?
Klingt vom Prinzip her wie seine 80 km "Stacheldraht Mauer". Pompöse Ankündigungen, minimalistischer Einsatz.
Kampfgeist 22.02.2019
5. Gut so!
Es ist gut, dass Trump die Truppen heimholt und den Militärabenteuern insgesamt ein Ende setzen will. Wollten das die meisten nicht so? Ja, klar, irgendwie blöd, wenn manche Wünsche in Erfüllung gehen. Plötzlich merkt man, wie gerne man die Amis die Drecksarbeit hat erledigen lassen. ISIS ist definitiv besiegt, auch da hat Trump recht. Und es ist eine sehr nette Geste der Dankbarkeit, wenn man eine Handvoll Berater und Sicherheitsleute bei den Kurden lässt. Einzelne IS Täter sind noch da und die Türken könnten auch Unsinn machen. Ich sehe hier den Präsidenten NICHT als Wendehals. Weder der Abzug der Truppen war überraschend (war sogar Wahlversprechen), noch das jeder Amerikaner für immer das Land verlassen soll. Ich könnte wetten, selbst Deutschland hat da ein paar Leute. - Im Übrigen: Die Amerikaner haben weder den IS erschaffen, noch befeuert. In der Region gab's schon immer Stress und wird es auch in der nächsten Zeit weiterhin geben. Selbst wenn es anders wäre und unter Hussein alles auf Ewig friedlich WÄRE. Deutschland war auch nicht Schuld an der RAF. Terrororganisationen bilden sich und es ist nicht besonders redlich, über tausend Ecken eine Legitimation dafür zu finden. Das macht man nur, wenn man mehr oder weniger latent mit den Zielen sympathisiert. Also: Ich sehe weder einen Skandal, dass Trump sein Militär heimholt, und ich sehe kein Eklat, dass er ein paar Mann zur Unterstützung der dortigen Kräfte temporär hinterlässt. Eine Wendehals-Debatte ist in diesem Fall populistische Wortklauberei. Selbst in Botschaften arbeiten zig bis hunderte Personen. Auch Militär. Was also bedeutet "komplett"?
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