Nach umstrittenen Äußerungen über Muslime Trump verliert bei Republikanern an Unterstützung

Mit Äußerungen über Muslime könnte sich der US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump vergaloppiert haben. Er büßt bei den Republikanern massiv an Unterstützung ein. Muslimische Polizisten wehren sich gegen die jüngsten Parolen des Milliardärs.

Donald Trump: Ist er übers Ziel hinausgeschossen?
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Donald Trump: Ist er übers Ziel hinausgeschossen?


Donald Trump ist ein Meister des Populismus. Mal provoziert er gezielt mit unmissverständlichen Sprüchen, mal belässt er es bei Andeutungen und befeuert mit vagen Bemerkungen die Debatte. Zuletzt sorgten Trumps Äußerungen über Muslime für Aufregung. Reporter hatten den US-Präsidentschaftskandidaten wiederholt gefragt, wie er angesichts der Anschläge in Paris zu der Idee stehe, dass alle Muslime in den USA in einer gesonderten Datei erfasst werden sollten. Trump lavierte herum, ließ aber in mehreren Interviews durchaus durchblicken, dass er so eine Idee nicht abwegig findet.

Doch diesmal scheint seine Strategie nicht aufzugehen. Denn nach seinen umstrittenen Äußerungen hat er deutlich an Unterstützung seiner Parteifreunde eingebüßt. Denn laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos favorisieren noch 31 Prozent der Republikaner den Milliardär als Kandidaten für die Präsidentenwahl im kommenden Jahr. Das sind zwölf Punkte weniger als in der vorherigen Erhebung vom 22. November. Es ist zugleich der stärkste Rückgang für Trump, seit er im Juli die Führung übernommen hat.

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Trump und Co. gegen Muslime: Immer lauter, immer giftiger
Trump hatte zuletzt vor Terrorgefahr in den USA durch die Aufnahme syrischer Flüchtlinge gewarnt und über eine Beobachtung aller Muslime schwadroniert. Gezielten Nachfragen, wen er genau überwachen wolle, wich er immer wieder aus. Offenbar wächst nun auch bei seinen Parteifreunden das Unbehagen über Trumps Kurs.

Zugleich gibt es auch offenen Widerspruch gegen Trump - und zwar innerhalb der Polizeibehörde in New York (NYPD). Dort haben sich muslimische Mitarbeiter zur "NYPD Muslim Officers Society" zusammengetan. Dieses Bündnis rief via Facebook dazu auf, den Parolen von Trump und anderen Hasspredigern Paroli zu bieten.

Donald J. Trump Dr. Ben Carson and all the others inciting hate, here's another example of a #MuslimAmerican family...

Posted by NYPD Muslim Officers Society on Dienstag, 24. November 2015

So teilte das Bündnis den Beitrag eines Mitarbeiters der New Yorker Polizeibehörde, der seine Familie vorstellt. Der Mann postet Fotos von sich und seinen beiden Brüdern und schreibt, dass alle drei bei den Sicherheitskräften arbeiten. Zwei der Brüder bei der New Yorker Polizei, einer bei der Luftwaffe. Dazu schreibt der Polizist: "Lieber Mr. Trump …. Es gibt keinen Grund, meine Familie oder irgendeine andere muslimische Familie (Anm. d. Red.: wegen Sicherheitsfragen) zu registrieren, denn wir sind bereits erfasst und haben als Angehörige der Streitkräfte auf dieses großartige Land und diese Stadt unseren Eid geschworen."

Auch weitere Muslime veröffentlichten Bilder von sich und Familienmitgliedern, die bei der Polizei, der Armee oder als Ärzte arbeiten. "Bitte, liebe amerikanische Mitbürger, lasst euch keine Angst machen", heißt es in einem der Posts. "Ich stelle allen meine muslimisch-amerikanische Familie vor."

Die "NYPD Muslim Officers Society" hat diesen Post geteilt und schreibt dazu: "Mr. Trump und alle anderen, die Hass säen. Hier ein Beispiel für eine muslimische Familie, deren Mitglieder ihr Leben dafür riskieren, andere zu schützen - egal was es kostet."

Mr. Trump and all others that incite hate. Here's an example of a #Muslim family putting their lives on line to protect...

Posted by NYPD Muslim Officers Society on Montag, 23. November 2015

Mit seinen Äußerungen über Muslime könnte Trump sich vergaloppiert haben. Kritiker verglichen die Idee einer Datenbank für Muslime mit der Registrierung der Juden durch die Nationalsozialisten. Die Kritik einzelner muslimischer Bürger, die zeigen, was sie für Amerika leisten, dürfte Trump auch deshalb treffen, weil er sich gern als Unterstützer der Streit- und Sicherheitskräfte ausgibt.

Nicht nur Trump sorgt mit taktlosen Äußerungen für Aufsehen. Sein parteiinterner Rivale Ben Carson verglich syrische Migranten mit tollwütigen Hunden. Bei der jüngsten Umfrage hat auch Carson, der in der Gunst der Republikaner hinter Trump auf Platz zwei liegt, an Zustimmung verloren.

US-Vorwahlen

mmq/Reuters

insgesamt 68 Beiträge
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nocheinbuerger 28.11.2015
1.
Das will ich doch mal sehen, ob Trump nach diesen Äußerungen bei den republikanischen Wählern tatsächlich an Unterstützung eingebüßt hat. Die Vorwahlen werden es ja zeigen.
Khaled 28.11.2015
2. Vorhersagen
SPON und andere Medien haben schon oft Trumps Absturz vorhergesagt und lagen immer daneben. Anfangs haben sie ihn gar nicht ernst genommen. Scheint mir alles nur Wunschdenken zu sein. Die amerikanische Gesellschaft verliert mE derzeit ihren inneren Zusammenhalt und ihr zivilisatorisches Gravitationszentrum und der Erfolg Trumps ist hierfür nicht die Ursache, sondern nur ein Krankheitssymptom.
amb 28.11.2015
3. also
ich war vor kurzem in den usa und wenn man die berichte der deutschen medien verfolgt kommt man zu dem schluss dass hier offensichtlich von einem ganz anderen land berichtet wird. das betrifft nicht nur diesen sondern auch etliche andere artikel die die usa betreffen. keine ahnung woher ihr diese "infos" habt.
Khaled 28.11.2015
4. #3
Nun ja, es kommt sicher darauf an wo genau Sie (als Tourist?) in den USA gewesen sind. An den weltläufigen Metropolen der Ost- und Westküste, wo traditionell die Demokraten den Ton angeben? Oder in irgendwelchen Käffern in Texas oder im mittleren Westen? Waren Sie auch auf einer Tea-Party-Veranstaltung?
hmutt 28.11.2015
5. Na und?
Die Reihenfolge der Kandidaten hat sich doch nicht geändert, die anderen dümpeln doch zumeist im einstelligen Bereich herum. Da hat er eben etwas Zustimmung verloren, die bekommt er genauso schnell zurück, wenn er wieder eine andere, genehmere Sau durchs Dorf treibt. Und die Rednecks lieben ihn nun mal, je einfacher das evangelikale Gemüt, desto empfänglicher sind sie nun mal für einfache "Wahrheiten".
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