Russland-Ermittler klagt Roger Stone an Trumps Trickspieler

Russland-Sonderermittler Mueller schlägt wieder zu: Er hat Roger Stone angeklagt, einen alten Berater von US-Präsident Trump. Welche Rolle spielt der langjährige Strippenzieher, den das FBI in Florida verhaftete?

Von , New York


Die FBI-Agenten, mehr als zwei Dutzend, kamen noch vor dem Morgengrauen, mit Panzerwesten, Nachtsichtbrillen und schwer bewaffnet. Sie huschten durch den Vorgarten und schlugen auf die Haustür: "FBI! Aufmachen!" Schließlich öffnete ein Mann.

Mit dieser filmreifen Szene, festgehalten von CNN-Kameras, begann am Freitag das jüngste Kapitel in der Saga um US-Präsident Donald Trump und die Russlandaffäre: Im Auftrag von Sonderermittler Robert Mueller verhaftete das FBI in Fort Lauderdale in Florida einen der ältesten politischen Berater Trumps, den Strategen Roger Stone.

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Roger Stone: Mueller schnappt sich den Strippenzieher

Sechs Stunden später wurde Stone, 66, einer Richterin vorgeführt. Er kam gegen eine Kaution von 250.000 Dollar frei und trat anschließend grinsend vor die Reporter. Er sei "nicht schuldig", sagte er unter lautem Gebrüll von Schaulustigen. Es handele sich um "politisch motivierte Ermittlungen". In einem Instagram-Post warf er Mueller und dem FBI zudem "Gestapo-Methoden" vor.

Mueller wirft Stone in der 23-seitigen Anklage vor, den US-Kongress belogen zu haben, um seine Verwicklung in die Russlandaffäre zu vertuschen. Es geht um die Veröffentlichung kompromittierender E-Mails der Demokraten während des Wahlkampfs 2016. Diese E-Mails waren von Russland gehackt und dann von der Enthüllungsplattform WikiLeaks publiziert worden. Stone will vorab davon gewusst haben.

Die Anklage konzentriert sich zwar nur auf den Vorwurf, Stone habe seine Rolle später zu vertuschen versucht. Trotzdem offenbart sie auch neue Details über seine mutmaßliche Verbindung zu WikiLeaks - quasi als Kontaktmann zum Trump-Team.

Wie bei früheren Enthüllungen versucht das Weiße Haus, sich auch von dem aktuellen Angeklagten zu distanzieren. "Die Vorwürfe, die gegen Mr. Stone erhoben wurden, haben nichts mit dem Präsidenten zu tun", beharrte Trump-Sprecherin Sarah Huckabee Sanders. Der Name Trump taucht in der jetzigen Anklage allerdings insgesamt 20-mal auf.

"Größte Hexenjagd in der Geschichte unseres Landes!", twitterte Trump selbst. "Wer hat CNN vorab informiert, dass sie dabei sein konnten?"

Wer ist Roger Stone?

Roger Stone
REUTERS

Roger Stone

Stone agiert seit Jahrzehnten als Strippenzieher für die US-Konservativen. Hinter seiner stets adretten Erscheinung - Maßanzug, Einstecktuch, Haargel - steckten oft dubiose Mittel: Er denunzierte, er streute Gerüchte, er instrumentalisierte Sexskandale. Bekannt als "Dirty Trickster" und "politischer Auftragskiller", intrigierte er schon für Richard Nixon, dessen Konterfei er sich auf den Rücken tätowieren ließ. Nach dem Wahlpatt zwischen George W. Bush und Al Gore im Jahr 2000 versuchte er, den "Recount" in Florida zu manipulieren. Das meiste davon tat er ganz offen: "Es ist besser, wenn die Leute über einen reden, als wenn sie nicht über einen reden", sagte er einmal.

Was hat Stone mit Trump zu tun?

Trumps früheres Pleite-Casino
AP

Trumps früheres Pleite-Casino

Stone und Trump sind alte Freunde. In den Achtzigerjahren gründete Stone mit Paul Manafort, Trumps späterem Wahlkampfchef, eine Lobbyfirma in Washington. Darüber lernte er auch Trump kennen, dessen Casino-Projekte er damals durch die Genehmigungsbehörden bugsierte. Stone schlug Trump erstmals 1998 vor, fürs Präsidentenamt zu kandidieren. Als Trump damit 2015 ernst machte, schloss er sich seinem Team an, verließ es jedoch nach kurzer Zeit schon wieder, zumindest offiziell. Inoffiziell blieb er Berater, tingelte durch die TV-Kabelsender und hielt persönliche Kontakte zum Kandidaten aufrecht.

Was hat Stone mit der Russlandaffäre zu tun?

Trump und Clinton im Wahlkampf 2016
REUTERS

Trump und Clinton im Wahlkampf 2016

Mitten im Wahlkampf 2016 - und kurz nachdem sich Trumps Top-Berater mit einer russischen Gesandtin im Trump Tower getroffen hatten - veröffentlichte die Enthüllungsplattform WikiLeaks Tausende von Russland gehackte E-Mails der Demokraten. Stone prahlte damals, vorab von den E-Mails gewusst zu haben, und kündigte weitere an. Laut Anklage soll er dazu auch mit einem "hochrangigen Berater" Trumps kommuniziert haben. Nach Informationen der "New York Times" handelte es sich dabei um Trumps Chefstrategen Steve Bannon. Dieser wurde laut Mueller wiederum "instruiert", mit Stone in Kontakt zu treten. Von wem? Die US-Medien tippen auf Trump selbst.

Warum wurde Stone nun festgenommen?

Stone kommt vor Gericht
REUTERS

Stone kommt vor Gericht

Sonderermittler Mueller wirft Stone Justizbehinderung, Meineid und Zeugenbeeinflussung vor. Er soll vor dem Geheimdienstausschuss des US-Repräsentantenhauses unter Eid über seine WikiLeaks-Kontakte gelogen und später einen mutmaßlichen Mittelsmann ebenfalls dazu gedrängt zu haben - unter anderem mit einem Hinweis auf den Film "Der Pate - Teil II", in dem ein Kronzeuge gegen die Mafia seine Aussage im allerletzten Moment verweigerte. Stone selbst beteuert, er werde sich nicht zwingen lassen, "falsches Zeugnis gegen Donald Trump" abzulegen. Das sagte allerdings auch Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen, der heute mit Mueller kooperiert.

Was bedeutet das für die Mueller-Emittlungen?

Robert Mueller
REUTERS

Robert Mueller

Justizbeobachter sehen hier einen potenziellen weiteren Baustein einer größeren Anklage gegen das Trump-Team und womöglich gegen Trump selbst. Mueller soll herausfinden, ob die Wahlmanipulation durch Russland und andere Akteure mit dem Trump-Team koordiniert war, und wenn ja, wie. Auch untersucht er mutmaßliche Versuche der späteren Vertuschung und Justizbehinderung. Mueller hat inzwischen 34 Personen aus Trumps Umfeld angeklagt - wenn auch nicht wegen konkreter Russland-Vergehen, sondern wegen anderer Vorwürfe wie Meineid, Justizbehinderung und Steuerbetrug. Sechs bekannten sich seither schuldig und kooperieren mit Mueller.

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Atheist_Crusader 25.01.2019
1.
Ja, die Vorwürfe haben sicher nichts mit Trump zu tun. Genauso wie die um Manafort, Cohen und wie sie alle heißen. Es ist reiner Zufall dass sich um Trump so viele Individuen gesammelt haben die fragwürdige und oft illegale Beziehungen ins Ausland hatten, offizielle Stellen belogen haben und sich verschiedenster Delikte schuldig gemacht haben. Wie wär's denn mit der Ausrede für die Zukunft: Trump ist so unschuldig, dass er schuldige Leute einfach anzieht! Ist so ein Magnetismus-Ding!
binibona 25.01.2019
2. Gähn...
Gibt es keine Männer mehr die das ein für alle mal erledigen können. Trump und seine Kumpanen fangen an mich zu langweilen. Die sind ja genauso doof wie unsere Konsorten aus der Alternative für Demenzkranke.
KingTut 25.01.2019
3. John Brennan,
der frühere CIA-Chef sagte bei MSNBC, dass er die Verhaftung und Anklage gegen Stone erwartet habe. Und er fügte hinzu, dass er in den nächsten Woche mit einer Reihe weiterer Anklagen gegen namhafte Personen in Trumps Umfeld rechne. Es gibt ja auch massive Vorwürfe gegen Donald Jr. im Zusammenhang mit dem Trump Tower Meeting und den Kontakten zu russischen Staatsbürgern, die "dirt on Hillary" liefern wollten. Wird er einer der nächsten sein, die von der Justiz zur Rechenschaft gezogen werden?
sven2016 25.01.2019
4. Sarah Huckbee Sanders hat es ja
schon feixend gesagt: Hat alles nichts mit dem Präsidenten zu tun, reiner Zufall, dass er die angeklagten Verschwörer alle kennt. Dann muss das doch stimmen. Bald gehen Fox News die Gesprächspartner aus. Zumindest die unbescholtenen.
kh.groenewald 25.01.2019
5. @binibona
Die Alternative für Demenzkranke kann ja schon mal Konzepte für Trauermärsche erarbeiten, wenn Donny, den sie ja auch verehren, im Knast sitzt. Nur, fällt mir gerade ein, im Konzepte erarbeiten sind die auch nicht so gut.
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