Trumps Video-Skandal Das ist die gerechte Strafe für die Republikaner

Nach dem Schock-Video von Donald Trump suchen die Republikaner nach Auswegen, ihn noch loszuwerden. Das darf nicht gelingen. Die ganze Partei muss für Trump büßen.

Donald Trump (bei seinem Entschuldigungsauftritt)
REUTERS

Donald Trump (bei seinem Entschuldigungsauftritt)

Ein Kommentar von , Washington


Jetzt weinen sie alle große, große Krokodilstränen. Donald Trumps sexuelle Prahlerei mache ihn "krank", jammert Paul Ryan, wichtigster Republikaner im Kongress. Ted Cruz, der rechte Krieger, der Trump erst vor ein paar Wochen die Treue schwor, nennt die Sätze des Milliardärs "verstörend" und "unentschuldbar". Carly Fiorina, die Ex-HP-Chefin, und andere hochrangige Republikaner appellieren an den 70-Jährigen, die Kandidatur zum Wohle der Partei noch abzugeben. Vier Wochen vor der Wahl.

Welch eine Farce! Mehr als ein Jahr lang hatten die Republikaner Zeit, um herauszufinden, dass dieser Kandidat eine Schande für die Partei und das ganze Land ist. Trump hat Behinderte nachgeäfft und Frauen erniedrigt, er hat Flüchtlinge mit giftigen Schlangen verglichen und in Mikrofone gerufen, dass er Demonstranten gerne ins Gesicht schlagen würde.

Es hat unzählige Situationen gegeben, in denen es der gesunde Menschenverstand geboten hätte, sich Trump klar und deutlich entgegenzustellen. Viel zu wenige haben das in der Partei gemacht.

Nein, liebe Republikaner. Dass dieser Mann eher auf die Couch als ins Weiße Haus gehört, das ist nicht erst seit Freitagnachmittag klar. Jetzt so zu tun, als sei man schockiert, zu was Trump fähig ist - das ist nicht weniger schockierend als die Aufnahmen selbst.

Das Video mit Trumps Äußerungen sehen Sie hier:

Es wird für die Partei keinen Weg geben, Trump auf den letzten Metern des Wahlkampfs noch loszuwerden, jedenfalls keinen unblutigen. Der Kandidat sagt, er werde "niemals" einen Rückzieher machen. Die Briefwahl hat in manchen Staaten längst angefangen, die Stimmzettel sind gedruckt.

Aber ganz abgesehen von den technischen Hürden: Es darf auch keinen Weg geben für die Republikaner, jetzt schnell noch so zu tun, als hätten sie mit Trump nichts zu tun. Das Chaos, in dem Trump jetzt steckt, ist die gerechte Strafe für eine Partei, die in Wahrheit schon seit Jahren orientierungslos durch die Politik geistert.

Trump symbolisiert die Krise des amerikanischen Konservatismus. Diese Krise wird nicht einfach verschwinden. Weder jetzt. Noch nach der Wahl.

Wenn es nicht mit dem Teufel zugeht, wird Trump am 8. November gegen Hillary Clinton verlieren. Das geschieht nicht, weil plötzlich ein paar Sätze mit "Titten" und "Muschi" bekannt wurden. Dass Trumps zufällig mitgeschnittene Worte eine solche Wucht entfalten, liegt auch daran, dass man ohne Weiteres glauben könnte, es handele sich um eine aktuelle Meinungsäußerung von ihm. Das Video passt schlicht zu ihm.

Es ist die Gesamtheit seiner Unverfrorenheiten und seiner charakterlichen Abgründe, die in vier Wochen zur Wahl steht. Und wie es momentan aussieht, werden viele Republikaner in den einzelnen Bundesstaaten für ihn büßen müssen.

Das ist völlig richtig so.



insgesamt 184 Beiträge
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pansatyr 08.10.2016
1. die Amerikaner
haben Deutschland nach den Hitlerismus zur Demokratie verholfen - vielleicht können wir jetzt etwas zurückgeben und Entwicklungshilfe leisten. Dieser populistische Mummenschanz ist eine Beleidigung aller wohlwollenden Demokraten.
mk70666 08.10.2016
2.
??? Wieso soll es "mit dem Teufel zugehen", wenn Trump die Wahl gewinnt? Es ist nicht das erste mal, dass er sich abfällig über Frauen äußert. Bisher hat ihm noch keine Entgleisung geschadet. Trump ist wie die AfD, Inhalte und Skandale sind vollkommen egal. Es geht darum, dass die etablierten Politiker, mit denen man unzufrieden ist, durch großmäulige Bauchentscheider ersetzt werden sollen.
stammbus 08.10.2016
3. Mehr noch ...
... dass so ein Typ bei Vorwahlen es überhaupt zum Kandidaten bringen konnte, wirft ein bezeichnendes Licht auf die amerikanische Gesellschaft.
dborrmann 08.10.2016
4.
"Nein, liebe Republikaner. Dass dieser Mann eher auf die Couch als ins Weiße Haus gehört, das ist nicht erst seit Freitagnachmittag klar." Das denke ich nicht. Ich glaube, es fehlt die für eine Psychoanalyse notwendige Einsicht.
agt69 08.10.2016
5. Ende des Niveaus, oder kommt es noch schlimmer?
Jedes Mal , wenn man glaubt, dass das Niveau in diesem Wahlkampf nicht mehr weiter unterschritten werden kann, kommt wieder ein Beitrag, der einen eines besseren belehrt. Sachthemen, globale Krise, Krieg und Arbeitslosigkeit? Uninteressant! Jetzt geht es nur noch darum, wem der Kandidat zwischen die Beine gefasst hat. Peinliche Veranstaltung.
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