Anwalt von Stormy Daniels "Trump wird zum Rücktritt gezwungen sein"

Stormy Daniels' Anwalt kündigt neue Beweise in der Schweigegeldaffäre zwischen der Pornodarstellerin und US-Präsident Trump an: Amerika werde davon so "angeekelt" sein, dass es Konsequenzen fordern werde.

Stormy Daniels, Anwalt Avenatti in New York
AFP

Stormy Daniels, Anwalt Avenatti in New York


Die Affäre um das an die Pornodarstellerin Stormy Daniels gezahlte Schweigegeld weitet sich immer mehr zu einer medialen Schlacht zwischen Juristen aus. Und dabei hat das Lager von US-Präsident Donald Trump, repräsentiert durch Rudolph Giuliani, zurzeit die schlechteren Karten.

Daniels überraschte am Samstagabend mit einem spöttischen Überraschungsauftritt in der Comedy-Show "Saturday Night Live", in der sie dem von Alec Baldwin parodierten US-Präsidenten prophezeite, ein "Sturm" ziehe auf. Dem britischen "Guardian" kündigte Daniels' Anwalt Michael Avenatti unterdessen in einem Interview an, kurzfristig neue Beweise vorzulegen.

Die Enthüllungen über das Gebaren von Donald Trump und dessen Anwalt Michael Cohen im Umgang mit Daniels, die bald ans Tageslicht kommen würden, "werden das amerikanische Volk derart anekeln, dass es in ernsthaften Konsequenzen resultieren wird", sagte Avenatti der Zeitung. Bis jetzt habe man lediglich die Oberfläche dieses Falles angekratzt.

"Ultimativ", so der Anwalt, "werde Trump sich zum Rücktritt gezwungen sehen." Er wisse nicht, welchen "Spin" der Präsident am Ende seinem Abschied geben wird, aber er glaube fest daran, dass es "zu viele Beweise für seine Vergehen und die seines Umfelds gebe, als dass er in der Lage sein wird, seine Amtszeit zu beenden."

Kurz vor der Präsidentschaftswahl im Herbst 2016 zahlte Trumps damaliger Anwalt Michael Cohen dem Porno-Starlet Stormy Daniels (bürgerlich: Stephanie Clifford) offenbar 130.000 Dollar, damit es Stillschweigen über eine Affäre zwischen ihr und Trump aus dem Jahre 2006 bewahre. Inzwischen ermittelt das FBI gegen Cohen, der außerdem, ebenso wie Trump selbst, von Daniels wegen Verleumdung verklagt wird.

Der Knackpunkt ist dabei gar nicht mal die mutmaßliche Affäre mit einer Pornodarstellerin, sondern die Deklaration des Geldes. Sollte die Zahlung im Rahmen eines sogenannten Non-Disclosure Agreements (NDA) nämlich geleistet worden sein, um unmittelbar vor der Wahl eine negative Berichterstattung über Trump abzuwenden, hätte sie als Wahlkampfspende deklariert werden müssen. Dies geschah aber nicht.

US-Präsident Trump, Rechtsberater Giuliani (l.)
AP

US-Präsident Trump, Rechtsberater Giuliani (l.)

Was genau Trump wann von der Zahlung gewusst hat, ist unklar. Allerdings sorgte Trumps neu berufener Rechtsbeistand, der New Yorker Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani, vergangene Woche für Aufsehen, als er in einem TV-Interview fallen ließ, Trump sei im Bilde gewesen. Trump hatte das zuvor jedoch bestritten und stand nun plötzlich als Lügner da. Seitdem bemüht sich der US-Präsident mit allerlei Erklärungen und Tweets, die Aussagen Giulianis auf ein weniger verfängliches Terrain zu lenken.

Giuliani sei ja noch neu in seiner Funktion und noch nicht mit den Fakten vertraut, außerdem würden seine Aussagen von der Presse falsch gedeutet und zitiert, so Trump. Und auch Giuliani selbst gab inzwischen an, er "lerne zurzeit erst allmählich alle Tatsachen des Falles kennen und wisse nicht genau, wann Trump von der Zahlung erfahren habe".

Ein rhetorisches Lavieren, das die US-Öffentlichkeit fasziniert beobachtet und Daniels-Anwalt Avenatti anscheinend große Freude bereitet. Giulianis Aussagen bezeichnete er am Sonntag in einem Interview mit dem TV-Sender ABC als "vollkommenes Desaster". Glaube er wirklich, er könne den Amerikanern weismachen, er kenne noch nicht alle Fakten? "Das ist doch keine komplizierte Sache!" Trump und seinem Team warf er vor, ihre Strategie aus dem Stegreif zu entwickeln: "Die improvisieren einfach."

bor/AP



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