Wilde Sex-Vorwürfe gegen Trump "Wall Street Journal" enttarnt britischen Ex-Agenten als Quelle

Hinter dem hoch umstrittenen Dossier, demzufolge der künftige US-Präsident Donald Trump durch Moskau erpressbar sein soll, steckt offenbar ein britischer Ex-Agent. Nun ist er namentlich bekannt.

Geheimdienstzentrale in London: SIS war Christopher Steeles Arbeitgeber
AP

Geheimdienstzentrale in London: SIS war Christopher Steeles Arbeitgeber


Zu dem Mann, der hinter dem umstrittenen, nicht verifizierten Dossier über den künftigen US-Präsidenten Donald Trump stecken soll, und der schwere Anschuldigungen gegen den nächsten Präsidenten der USA erhebt, gibt es jetzt einen Namen. Es handelt sich um den ehemaligen, britischen Geheimdienstler Christopher Steele, berichtete zuerst das US-amerikanische "Wall Street Journal".

Laut WSJ-Recherchen ist Steele Eigner der Londoner Firma Orbis Intelligence Limited, die für ihre Kunden Informationen sammelt. Den Recherchen zufolge wurde Orbis im US-Wahlkampf von Gegnern Trumps, republikanischen wie demokratischen, beauftragt, kompromittierendes Material gegen den Kandidaten Trump zu sammeln.

Fotostrecke

6  Bilder
Trumps Pressekonferenz: "Dir gebe ich keine Frage"

Wenn das stimmt und die Informationen wahr sind, hätte der frühere Geheimdienstler Steele erfolgreich gearbeitet: Der streckenweise flapsig formulierte Text erhebt sehr detailliert Vorwürfe über sexuelle Eskapaden Trumps in einem Moskauer Hotel. Sie sollen vom russischen Geheimdienst FSB gefilmt worden sein. Mit diesem "kompromat" (Russisch für kompromittierendes Material) sei Trump von Moskau erpressbar, heißt es in dem Papier. Allerdings: Laut WSJ haben die Zeitung und weitere Medien versucht, die Vorwürfe zu belegen und sind daran bislang gescheitert.

Das umstrittene Papier soll schon länger in den USA kursieren, es wurde aber erst durch die Nachrichtenseite Buzzfeed am Dienstag öffentlich. Trump reagierte auf die Veröffentlichung mit einem Wutausbruch, erst auf Twitter, dann bei seiner Pressekonferenz am Mittwoch: Die Berichte seien "Fake News", "erfundenes Zeug". Trump dementierte: "Das ist nicht passiert."

Trump nutzte seine Pressekonferenz dennoch zu einer erneuten Attacke auf die Sicherheitsdienste der USA, die er für die Veröffentlichung verantwortlich hält: Sie hätten einen "letzten Schuss" vor dem Machtwechsel auf ihn abgegeben, twitterte Trump. In der Pressekonferenz nannte er das Bekanntwerden der Dokumente schändlich und das Newsportal Buzzfeed einen "Haufen Müll". Die Sicherheitsdienste arbeiteten gegen ihn, wie einst in "Nazi-Deutschland".

Wie der britische "Guardian" berichtet, soll Trumps republikanischer Widersacher und US-Senator John McCain mit als Erster das inkriminierende Papier an US-Sicherheitsbehörden übergeben haben. Vielen, auch Trump, lag das Papier laut dem WSJ lange vor. Die US-Zeitung gibt an, man habe versucht, den Urheber des Papiers, den Briten Steele, dazu zu interviewen. Der habe ein Gespräch aber abgelehnt, das Thema sei "zu heiß". Der britische "Telegraph berichtet, Steele sei am Mittwochmorgen untergetaucht und zitiert einen Bekannten Steeles mit den Worten, er fürchte die Rache Moskaus.

Sehen Sie hier das Video zur Pressekonferenz:

REUTERS

cht



insgesamt 199 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fleischwurstfachvorleger 12.01.2017
1. Curveball 2.0
Was plant der CIA wieder für ein kleines dreckiges Spielchen??
soratenia 12.01.2017
2. Was für eine katastrophale Blamage für die US-Geheimdienste
mit ihren Milliarden-Budgets, dem CNN und andere liberale US-Medien, die auf den von 4Chan ausgelegten Köder bissen und sich bis in alle Ewigkeit blamierten. Da stellt sich natürlich die Frage,wie schlecht die US-Geheimdienste wirklich sind und Trump nun freie Hand hat, dort auszumisten. Ähnlich wie bei der Ping Pong Pizza Connection, in der Hillary Verbindungen zu einem Pädophilen-Ring unterstellt wurde, ging es in Reddit los. https://www.reddit.com/r/The_Donald/comments/5n98l4/cernovich_on_twitter_hahahahaha_holy_fucking_shit/?sort=new Hier im Detail, wie die "fake news" Media und "fake news" Geheimdienste auf die lanzierten "fake news" von 4Chan hereinfielen. http://www.zerohedge.com/news/2017-01-11/how-4chan-mcfooled-john-mccain-buzzfeed-and-cia-believing-trumps-golden-shower
stefan taschkent 12.01.2017
3. Not surprised
Mal die Moral und die pollitische Bewertung Trumps beiseite gelassen: Der Typ ist Unternehmer und der Vorfall im Moskauer Hotel ist - ohne Wertung - in diesen Kreisen eher weniger bis nicht skandalträchtig. Das heißt nicht, dass sich alle Unternehmer so etwas leisten oder dass das Risiko des Kompromats in Russland überraschen sollte. Allerdings: Wenn man einen Unternehmer wählt, dann kriegt man auch einen.
joes.world 12.01.2017
4. Will P die USA geschwächt - hätte er nur das lancieren müssen. Den Rest erledigen die Amis alleine.
Erst macht sich CNN zum Sprachrohr von unbewiesenen Anschuldigungen, die andere Sender ablehnten zu senden. Wer auf CNN die Obama Rede in Chicago sah, glaubte danach von einem neuer Sensation zu hören, denn CNN brachte die Geschichte groß heraus. Trump erteilte CNN gestern bei der Pressekonferenz zu recht nicht das Wort. Sie können 24 h lang, ihre Rerchtfertigungen senden. Und sich überlegen, ob sie noch ein seriöser Sender sein wollen, oder - scheinbar aus lauter Ärger über einen Präsidenten Trump, oder weil ihnen die Seher weghbrechen? - nur mehr zum Fake-news Sender mutieren. rt wird das freuen. Denn sinkt die Glaubwürdigkeit der Komkurrenz, steigt die eigene im Vergleich. Trump hatte ein nachvollziehbares Argument, das gegen seine "ungewöhnliche Sexualpraktiken" in Moskau spricht: er erklärte bei der Pressekonferenz, dass er seine Mitarbeitern bei solchen Reisen immer davor warnte, dass sie mit noch so kleinen Kameras in Hotelzimmern rechnen müssen. Die nächste Sache ist die, dass jemand - aus dem Geheimdienst, wie Trump als Möglichkeit ansprach? - diese Anschuldigung weiter gab. Über die wurde Trump von den Geheimdiensten gebrieft. Und sie weiterzugeben, von wem auch immer, ist gegen geltendes US-Recht. Es wird versucht, Trump als neuen Präsidentden der USA zu diskreditieren. Etwas, das seit der Wahl erst vom Clinton-Team betrieben wurde, nun von weiteren Trump-Gegnern, unter anderem CNN, fortgeführt wird. Wenn Putin wirklich die USA schwächen will - so hätte er nur dieses falsche Gerücht in Umlauf bringen müssen. Den Rest, nämlich ihren Präsidenten, ihren Zusammenhalt und die Handlungsfähigkeit der USA als Weltmacht zu minimieren - bekommen diese dann ganz gut selber hin.
pauli96 12.01.2017
5. Was für eine Posse
Die ganze Geschichte sagt viel über Trump, die derzeitige amerikanische Gesellschaft und die westlichen Geheimdienste aus. Bevor wieder jemand den Dämonen Putin beschwört, falls es wirklich stimmt und wer könnte es sich nicht wenigstens vorstellen, dass es stimmt, dann ist es das was man von seinem Geheimdienst erwartet. Den Gegner überwachen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.