Trump zum Luftschlag in Syrien "Start- und Landebahnen werden in der Regel nicht bombardiert"

Der bombardierte syrische Luftwaffenstützpunkt ist angeblich bereits wieder in Betrieb. Donald Trump rechtfertigt, warum die US-Armee bei ihrem Angriff Start- und Landebahnen nicht attackiert hat.

Aufnahmen des russischen Verteidigungsministeriums, die Start- und Landebahnen nach dem Angriff zeigen sollen
AFP

Aufnahmen des russischen Verteidigungsministeriums, die Start- und Landebahnen nach dem Angriff zeigen sollen


Donald Trump wollte mit dem US-Militärschlag gegen einen Luftwaffenstützpunkt in Syrien die Fähigkeit des syrischen Militärs zu weiteren Chemiewaffenangriffen verringern und die syrische Führung davon abschrecken, ein weiteres Mal solche Waffen einzusetzen. Das betonte der US-Präsident am Samstag in einem Schreiben an den US-Kongress.

Allerdings hat der Angriff die syrische Armee offenbar nicht lange gelähmt: Der bombardierte Luftwaffenstützpunkt Schairat ist nach Angaben des Gouverneurs von Homs wieder in Betrieb. Es seien von dort Flugzeuge abgehoben, sagte Talal Barasi am Samstag.

Auch die in London ansässige syrische Beobachtungsgruppe für Menschenrechte teilte mit, dass von dem Stützpunkt wieder Kampfjets gestartet seien. Über den Zeitpunkt gab es unterschiedliche Angaben. Das US-Verteidigungsministerium wollte sich nicht dazu äußern.

Am Freitagmorgen hatten die USA 59 Marschflugkörper auf einen Luftwaffenstützpunkt der syrischen Armee abgefeuert. Trump hatte den Angriff als Vergeltung für einen mutmaßlichen Giftgaseinsatz der Regierung von Baschar al-Assad am 4. April angeordnet, bei dem 90 Menschen ums Leben kamen, darunter 30 Kinder. Nach US-Angaben waren Hangars, Luftverteidigungssysteme und Radar, Tanklager und Flugzeuge das Ziel der Tomahawk-Marschflugkörper.

Trump rechtfertigte sich mit einem Tweet jetzt dafür, dass die Pisten offenbar nicht getroffen worden waren. "Start- und Landebahnen werden in der Regel nicht bombardiert, weil sie schnell und kostengünstig zu reparieren sind", schrieb der US-Präsident auf dem Kurznachrichtendienst.

Der Luftangriff der USA auf eine Militärbasis in Syrien hat die Spannungen zwischen Washington und seinen Verbündeten sowie den Unterstützern des syrischen Machthabers Assad erhöht.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow telefonierte laut dem russischen Außenministerium mit seinem US-Kollegen Rex Tillerson. Lawrow habe deutlich gemacht, dass ein Angriff auf ein Land, dessen Regierung gegen den Terrorismus ankämpfe, nur den Extremisten in die Hände spiele, teilte das Ministerium am Samstag mit. Das bedeute zusätzliche Gefahr für die Sicherheit sowohl in der Region als auch weltweit. Der Minister habe Tillerson zudem gesagt, dass Behauptungen, das syrische Militär habe Chemiewaffen eingesetzt, nicht der Realität entsprächen.

Lawrow und Tillerson hätten sich darauf verständigt, das Gespräch über Syrien persönlich fortzusetzen. Der US-Außenminister wird kommende Woche zu seinem Antrittsbesuch in Moskau erwartet. Von dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump Anfang des Jahres hatte sich die russische Regierung eigentlich eine Verbesserung des Verhältnisses zu den USA versprochen.

In den USA hatte Trump überparteiliches Lob für den Luftschlag geerntet, allerdings wurden auch Stimmen laut, die vor weiteren möglichen Aktionen ein Einschalten des Kongresses verlangten. Trump hatte seinen Vorgänger Barack Obama 2013 selbst dazu aufgefordert, vor einer etwaigen US-Militäraktion die Zustimmung des Kongresses einzuholen. Er handelte in der Nacht zum Freitag aber am Parlament vorbei.

sun/dpa/Reuters

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