Rede vor der Uno Trump erklärt der Welt die Welt

Bei seinem Auftritt vor der Uno in New York macht US-Präsident Donald Trump deutlich, was er von anderen Staaten erwartet: Gefolgschaft und Geld. Wer sich nicht fügt, wird von ihm attackiert - auch Deutschland.

Donald Trump
DPA

Donald Trump

Von und , New York


So was ist hier noch nie passiert: Zu Beginn seiner Rede vor den Vereinten Nationen wird der US-Präsident erst mal ausgelacht.

Donald Trump prahlt mit den eigenen - mutmaßlichen - Verdiensten: "In weniger als zwei Jahren hat meine Regierung mehr erreicht als fast sonst eine Regierung in der Geschichte dieses Landes!"

Die anderen Staats- und Regierungschefs im historischen Marmorplenum der Uno-Vollversammlung raunen, kichern, lachen schließlich offen. Trump stutzt. "Diese Reaktion hatte ich nicht erwartet", sagt er. "Aber das ist okay."

Die Szene im Video:

So schnell geht das. Vor einem Jahr waren sie noch geschockt über Trumps "America First"-Wutrede. Diesmal , bei seinem zweiten Aufritt, erntet er dagegen Gelassenheit - und Gelächter. Das mag daran liegen, dass er eine halbe Stunde zu spät kommt, weshalb sie einfach ohne ihn anfangen. Aber vor allem daran, dass sie sich an sein Gepolter längst gewöhnt haben - und es zu ignorieren wissen.

Viele wissen: Kurz vor den Midterm-Wahlen in den USA gilt dieser Auftritt des Präsidenten vor allem dem heimischen Publikum. Und dennoch: Was Trump vor den Vereinten Nationen vorträgt, ist härter, aggressiver denn je - und sicherlich schwer zu verdauen für diesen Staatenbund, der eigentlich doch zusammenrücken will. Die wichtigsten Aussagen im Überblick:

Angriff auf den "Globalismus"

In einem Saal, der die Einheit der Welt symbolisiert, erteilt Trump dem "Globalismus" und Multilateralismus - ja, der gesamten internationalen Nachkriegsordnung - eine Absage. Er ist befreit von allen moderaten Kräften in seinem Kabinett und steht nun vollends unter dem Eindruck kompromissloser Hardliner wie John Bolton, seinem neuen Sicherheitsberater, den sie hier noch in schlechter Erinnerung haben: Als US-Botschafter erklärte Bolton die Organisation einst für "obsolet".

Stolz lehnt er die Organe der Weltregierung als Einmischung in Amerikas "Souveränität" ab. Den Uno-Menschenrechtsrat, dem die USA fernbleiben würden, "bis echte Reformen durchgesetzt werden". Den Internationalen Strafgerichtshof, der für die USA "keine Zuständigkeit, keine Legitimität und keine Autorität" habe. Die Uno selbst, denen man die Beiträge stutzen werde.

Trumps Welt-Agenda ist rein transaktional, die eines Geschäftsmanns eben: "Die USA sind bei Weitem der größte Finanzier von Entwicklungshilfe", murrt er, "aber nur wenige geben uns etwas." Deshalb werde man nun "hart" überprüfen, welche Länder und Projekte man unterstütze. Geld und Hilfe gebe es nur noch für "Freunde".

"Wir werden Amerikas Souveränität niemals an eine ungewählte, unverantwortliche, globale Bürokratie abtreten", ruft er und beschwört etwas, was er "die Doktrin des Patriotismus" nennt. Die USA seien für internationale "Zusammenarbeit", ließen aber keine "Einmischung" anderer in ihre eigenen Angelegenheiten zu, fügt er hinzu. Typisch Trump: Dann listet er eine ganze Zahl von Themen und Regionen auf, in denen sich die USA selbst massiv einmischen.

Scharfe Attacke gegen Iran

Hassan Rohani
Presidential Office Handout/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Hassan Rohani

Donald Trump nutzt seinen Auftritt, um zum wiederholten Mal Iran scharf zu attackieren: Das iranische Regime "plündert die eigenen Leute aus", unterdrückt sie und verfolgt im ganzen Nahen Osten eine "blutige Agenda", sagt Trump. Der US-Präsident macht deutlich, dass die Eindämmung Irans eines der wichtigsten Ziele seiner Regierung in der Region bleibt. Nachdem Washington bereits das Atomabkommen mit Teheran einseitig aufgekündigt hat, will Trump Iran in den kommenden Monaten weiter unter Druck setzen. Ausdrücklich appellierte er an alle Uno-Mitglieder, dabei mitzuhelfen, Iran zu isolieren - damit dürfte er vor allem die Europäer angesprochen haben, die an dem Atomabkommen mit Iran festhalten. Trump setzt darauf, dass er am Ende mit Iran genauso verhandeln kann wie mit Nordkorea. Am Mittwoch wird Trump die Sitzung des Uno-Sicherheitsrates leiten. Dabei soll es auch um das Thema Iran gehen, weitere verbale Attacken gegen Teheran werden erwartet.

Selbstlob für Nordkorea-Politik

Kim Jong Un
PYONGYANG PRESS CORPS/POOL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Kim Jong Un

Wie üblich lobte Trump sich selbst für seine Nordkorea-Politik. Dank seines Treffens mit Kim Jong Un in Singapur sei ein "großer Schub für den Frieden" erreicht worden, sagte Trump. Allerdings machte er auch deutlich, dass die Sanktionen gegen Nordkorea in Kraft bleiben sollten, solange die versprochene Denuklearisierung des Landes nicht erreicht sei. Bereits vor seinem Auftritt in New York hatte der Präsident ein neues Treffen mit Kim Jong Un in Aussicht gestellt, es werde "bald" stattfinden. Rätselhaft bleibt indes, was Trump da besprechen will: Kim hat bislang kaum Zugeständnisse gemacht, selbst Experten seiner eigenen Regierung bescheinigen Trump, dass Nordkorea bislang keinerlei Anstalten mache, das eigene Atompotenzial abzubauen. Uno-Diplomaten sind sich einig: Wenn Trump hier nicht bald Zugeständnisse erreicht, bleibt seine Nordkorea-Politik ohne echten Erfolg.

Kritik an Deutschland

Gaspipeline in Russland
AP

Gaspipeline in Russland

Die Energiepolitik nahm in Trumps Rede großen Raum ein. Überraschend deutlich attackierte er die Opec-Staaten für die Höhe des Ölpreises und verlangte, eine Verbilligung des wichtigen Rohstoffs. Amerika werde "über den Tisch gezogen", schimpfte Trump. Sein Land gewähre mit seiner Armee die Sicherheit wichtiger Ölstaaten und werde dafür auch noch mit einem hohen Ölpreis bestraft. Das müsse aufhören, fordert er.

Bemerkenswert auch die deutliche Attacke gegen die Gaspipeline Nord Stream 2. Deutschland werde bei seiner Energieversorgung bald vollständig von Russland abhängig sein, sagte Trump. "Das muss sich sofort ändern", verlangte er. Außenminister Heiko Maas, der im Saal saß, lächelte an dieser Stelle gequält. In Berlin weiß man aus vielen Gesprächen: Die Amerikaner wollen die Pipeline am liebsten stoppen, auch um den Deutschen ihr eigenes Fracking-Gas zu verkaufen. Berlin lehnt dies ab. Allerdings haben die Deutschen dem Präsidenten bereits signalisiert, dass man bald ein Terminal für die Anlieferung von Flüssiggas (LNG) aus den USA bauen wolle.



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Seite 1
n.strohm 25.09.2018
1. Ich stimme zu:
Trump hat mehr erreicht als jede andere Regierung vor ihm Er hat das Vertrauen in Amerika innerhalb weniger Monate zerstört Er hat wie keine anderer vor ihm in so kurzer Zeit so viele Regierungsmitglieder ausgetauscht Kein anderer seiner Vorgänger hat mit so vielen Leuten zusammengearbeitet, die ein Verfahren am Hals hatten Kein anderer vor ihm hat die USA und sich selbst in so kurzer Zeit dieser Lächerlichkeit preisgegeben Keinem anderen vor ihm ist es gelungen, in so kurzer Zeit den Sumpf in so kurzer Zeit größer und tiefer zu graben .......
biesi61 25.09.2018
2. Eine Beleidigung der Intelligenz unserer Welt!
Es ist schon schmerzhaft, sich so einen komprimierten Unsinn anhören zu müssen. Bei seiner nächsten Rede sollten die Repräsentanten der über 200 anderen Nationen unserer Welt den Saal verlassen. Wer so wie er in seiner nationalistischen Arroganz die Weltgemeinschaft nicht akzeptiert, sollte vor einem leeren Saal sprechen. Ein erstes hoffnungsvolles Signal ist, dass er von der ganzen Welt ausgelacht wurde!
n.strohm 25.09.2018
3. Ich befürchte
je mehr man über ihn raunt und lacht, desto mehr denkt er selbst und auch seine Wähler, dass er auf dem richtigen Dampfer sitzt Zu Beginn seiner Amtszeit hat Trump mal gesagt, dass man zu Zeiten von Obama über Amerika gelacht hat und das er das ändert wird. Nun, wenn das überhaupt mal so war, jetzt ist es tatsächlich so.
rocky_heike 25.09.2018
4.
Ich habe mir die Rede angehört. Die Überschrift trifft es: "Trump erklärt der Welt die Welt". Er hat immer von den "United Sates" gesprochen. Das war nur ein Platzhalter für "Ich". Nun, er hat ja seine Freunde gefunden: Das sind ja vor allem autokratische Staaten. Seine Feinde sind auch klar: Nummer 1 ist der Iran. Nummer 2 sind alle, die Amerikas Wirtschaft bedrohen. Das sind so ziemlich ALLE. Auffallend war das betretene Schweigen im Auditorium: War das nun Contenance ?
abuyazid 25.09.2018
5. Fracking oh my god no...
Warum wird nicht in Forschung investiert für bessere Methoden Ökostrom zu erzeugen? Statt von Russland also von USA abhängig sein? Abhängigkeit gibt es nicht wirklich... jeder braucht was vom anderen. Das sind nur machtbesessene Egomanen die so denken.
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