Islamischer Prediger Weißes Haus dementiert angeblich geplante Auslieferung Gülens

"Wir arbeiten daran": Diesen Satz Donald Trumps hat die Türkei so interpretiert, dass er den islamischen Predigers Gülen ausliefern würden. Keineswegs, stellt nun die US-Regierung klar.

Donald Trump
REUTERS

Donald Trump


Die Türkei hat ein Gespräch mit Donald Trump offenbar falsch interpretiert: Das Weiße Haus bestreitet, dass US-Präsident Donald Trump die Auslieferung des islamischen Predigers Fethullah Gülen an die Türkei zugesagt habe. Bei seinem Treffen mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan am Rande des G20-Gipfels vor zweieinhalb Wochen in Buenos Aires habe sich Trump "nicht dazu verpflichtet", Gülen auszuliefern, sagte ein hochrangiger Mitarbeiter des Weißen Hauses.

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu hatte am Sonntag gesagt, Trump habe gegenüber Erdogan die Aussage getroffen, dass seine Regierung an dem Fall Gülen "gearbeitet" habe. Dies war von türkischen Medien dahingehend verstanden worden, dass der US-Präsident die Auslieferung des Predigers zugesichert habe. Die türkische Regierung hatte daraufhin von den USA konkrete Schritte zur Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen und anderer Mitglieder von dessen Bewegung gefordert.

Fethullah Gülen
DPA

Fethullah Gülen

Gülen lebt seit 1999 im Exil in den USA. Bisherige türkische Forderungen nach seiner Auslieferung hatten keinen Erfolg. Erdogan bezeichnet Gülen, der früher mit ihm verbündet war, als Drahtzieher des gescheiterten Putschversuchs gegen ihn im Juli 2016. Gülen weist diesen Vorwurf vehement zurück.

US-Präsident Trump hatte vor einem Monat gesagt, eine Auslieferung Gülens "steht nicht zur Diskussion". Zugleich hatte er gesagt, man bemühe sich immer, der Türkei entgegenzukommen. Erdogan hatte er einen "Freund" genannt.

Wegen des gescheiterten Militärputsches im Juli 2016 sind in der Türkei bislang fast 2000 Menschen zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, erhielten 987 Menschen lebenslange Haftstrafen und 956 verschärfte lebenslange Haftstrafen. Diese Strafe ersetzt in der Türkei die Todesstrafe und bedeutet härtere Haftbedingungen.

mfh/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.