Reaktionen auf Trumps Vereidigung "Wir müssen uns warm anziehen"

Politiker verschiedener Parteien verfolgten in Europa Donald Trumps Amtsantritt mit Sorge. Auch in Asien sind die Bedenken groß.


Die USA stehen vor einem radikalen Kurswechsel, den Politiker in vielen Regionen der Welt mit Sorge verfolgen. Am Tag nach der Antrittsrede von Donald Trump setzten aber viele Staats- und Regierungschefs öffentlich zunächst auf einen Schulterschluss, als sie dem 45. US-Präsidenten gratulierten.

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Heft 4/2017
Die neue Weltordnung

Doch Sorge und Kritik scheinen trotzdem durch, in Europa wie in Asien. Frankreichs Präsident François Hollande sagte: "Wir sind in einer globalen und offenen Wirtschaft." Es sei "nicht möglich, und es ist auch nicht wünschenswert, sich von der Weltwirtschaft isolieren zu wollen".

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel warb dafür, sich stärker nach Osten zu orientieren und eine neue Wirtschaftsstrategie mit Asien aufzubauen: "Wenn die USA mit China und ganz Asien einen Handelskrieg beginnen, dann sind wir ein fairer Partner", sagte der SPD-Chef im ZDF. Auch müsse Europa mehr zusammenhalten. Gabriel warnte davor, Trump zu unterschätzen: "Der meint das wirklich ernst, und ich glaube, wir müssen uns warm anziehen."

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Präsident Donald Trump: Amtseid vor dem Kapitol

Auch der CSU-Europapolitiker Manfred Weber plädierte dafür, sich nach neuen Partnern umzuschauen. "Dann muss die EU beispielsweise zügig auf Kanada, Mexiko oder Japan zugehen", sagte der Fraktionschef der Europäischen Volkspartei der "Rheinischen Post". Er forderte außerdem ebenfalls, dass Europa enger zusammenrücke. Mit dem eigenen Slogan "Europe first" müsse man notfalls auf die Politik des neuen US-Präsidenten reagieren.

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin klang sehr ähnlich, als er der "Welt" sagte: Angesichts dieses Rückzuges der Amerikaner müsse Europa zusammenstehen.

Sehr genau wurde Trumps Rede auch in Mexiko verfolgt. Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto twitterte danach: "Wir werden einen respektvollen Dialog aufbauen mit der Regierung des Präsidenten Donald Trump, von dem Mexiko profitiert."

Der konservative Oppositionspolitiker Ricardo Anaya Cortés schlug jedoch wesentlich härtere Töne an. Er rief alle Mexikaner zur "Einheit angesichts der protektionistischen und demagogischen Rede" und zur "Einheit gegen diese nutzlose Mauer, gegen Deportationen und die Blockierung von Investitionen" auf.

Trump hatte wiederholt angekündigt, entlang der Grenze eine Mauer gegen illegale Migranten zu bauen und Waren aus Mexiko mit Grenzzöllen zu belegen. Das würde den Nachbarn hart treffen: Die USA sind Mexikos wichtigster Handelspartner.

Auf Sorgen anderer Art spielte Japans Premierminister Shinzo Abe in seiner Botschaft an Washington an: "Im 21. Jahrhundert ist die Region Asien-Pazifik die Quelle des weltweiten wirtschaftlichen Wachstums, aber die Sicherheitslage in der Region verschlechtert sich gleichzeitig." Japan fühlt sich von China bedroht und ist seit dem Zweiten Weltkrieg militärisch von seiner Schutzmacht USA abhängig.

Taiwans Präsidentin Tsai Ing-wen gratulierte Donald Trump über Twitter: "Es ist die Demokratie, die Taiwan und die USA verbindet. Ich freue mich, unsere Freundschaft und Partnerschaft voranzubringen." Trump hatte nach seinem Wahlsieg mit Taiwans Präsidentin telefoniert und damit die chinesische Regierung erzürnt.

Die staatliche chinesische Zeitung "Global Times" schrieb denn auch: "Zweifellos wird Trumps Regierung viele 'Feuer' vor ihrer Haustür und rund um die Welt entzünden." Konflikte in den Handelsbeziehungen zwischen den USA und China seien deshalb "in den nächsten vier Jahren unausweichlich". Trumps Regierung benutze die Beziehungen zu Taiwan lediglich, um Druck auf China auszuüben.

Papst Franziskus forderte Donald Trump auf, sich auch um die Armen zu kümmern. Er bete dafür, dass Trump sein Amt mit "Weisheit und Stärke" ausführen werde. In einer Zeit schlimmer humanitärer Krisen hoffe er zugleich, dass dessen Entscheidungen "von den spirituellen und ethischen Werten" geleitet würden, die die US-Geschichte geformt hätten, erklärte Franziskus in einer Botschaft an Donald Trump.

lov/AP/dpa

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