FBI-Dokumente Russland wollte wohl Ex-Berater von US-Präsident Trump anwerben

Aus nun veröffentlichten FBI-Dokumenten geht hervor: Carter Page, früherer Wahlkampfberater von Donald Trump, hatte offenbar Kontakte zum russischen Geheimdienst. Der US-Präsident reagiert verärgert.

Donald Trump
AP

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Im Streit um die Russland-Ermittlungen hat US-Präsident Donald Trump das Justizministerium und die Bundespolizei FBI angegriffen. Hintergrund ist die Veröffentlichung von vielfach geschwärzten, streng vertraulichen Dokumenten zur Überwachung des ehemaligen Trump-Beraters Carter Page.

In den am Wochenende von der "New York Times" publizierten FBI-Dokumenten von 2016 heißt es, die US-Bundespolizei gehe davon aus, dass Trumps außenpolitischer Wahlkampfberater "Ziel der Rekrutierung durch die russische Regierung" gewesen sei.

Der Vorwurf des FBI lautet, Page habe mit der russischen Regierung zusammengearbeitet und sich mit ihr verschworen. Page sagte dem Sender CNN am Sonntag: "Ich bin war niemals ein Agent einer ausländischen Macht."

Carter Page (Archiv)
AFP

Carter Page (Archiv)

Trump äußerte sich nicht direkt zu diesen Vorwürfen, stattdessen wertete er die Dokumente als Beleg dafür, dass seine Wahlkampagne zugunsten seiner damaligen Gegenkandidatin Hillary Clinton vom FBI überwacht worden sei. In einem Tweet zitierte er einen Moderator des ihm nahe stehenden Senders Fox News: "Das ist so schlimm, man sollte sich die Richter ansehen, die diesen Kram (die Überwachung) genehmigt haben."

Mit den Dokumenten hatte das FBI im Oktober 2016 bei einem Gericht beantragt, den Trump-Berater wegen des Verdachts von Kontakten nach Russland zu überwachen. Das Gericht billigte den Antrag, der später dreimal verlängert wurde. Die "New York Times" erstritt die Freigabe der Dokumente nach dem Recht auf Informationsfreiheit bei den Justizbehörden.

In den Dokumenten heißt es, das FBI gehe davon aus, "dass die Bemühungen der russischen Regierung mit Page und möglicherweise anderen Individuen koordiniert werden, die mit dem Wahlkampf von Kandidat #1 verbunden sind" - mit Kandidat #1 war Trump gemeint. Page habe "Beziehungen zu russischen Regierungsvertretern, einschließlich russischen Geheimagenten" etabliert.

Trump hat im Zuge der Russland-Ermittlungen alle Vorwürfe entschieden zurückgewiesen, dass es vor seinem Wahlsieg im November 2016 geheime Absprachen mit der russischen Regierung gegeben habe. "Wir haben einen brillanten Wahlkampf geführt, und deshalb bin ich Präsident", sagte Trump am vergangenen Montag während einer Pressekonferenz mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin in Helsinki.

"Ich hatte ein GROßARTIGES Treffen mit Putin"

Trump steht seit dem Gipfel massiv in der Kritik, dass er sich Putin gegenüber zu lasch verhalten und seine Geheimdienste nicht öffentlich in Schutz genommen habe. Trump korrigierte eine zentrale Aussage auf der Pressekonferenz später und gab an, sich versprochen zu haben.

Am Sonntag wetterte er von seinem Golfressort in Berkeley Heights via Twitter erneut gegen seine Kritiker: "Ich hatte ein GROßARTIGES Treffen mit Putin, und die Fake News nutzen alle Energie, um zu versuchen, es zu verunglimpfen." Mit Fake News meint Trump alle Medien, die unabhängig und kritisch über ihn berichten und keine ausgemachten Fans von ihm sind.

Trumps Russland-Kurs stößt offensichtlich auch in der eigenen Regierung auf Unbehagen. Trump hat Russland Präsidenten Putin zu einem zweiten Gipfel noch in diesem Herbst nach Washington eingeladen und führende Regierungsmitarbeiter und Berater damit überrumpelt.

Die Kluft zwischen der Position des Präsidenten und einer Politik, Russland zu zügeln, sei nie größer gewesen und ein ernsthaftes Risiko, schrieb die "New York Times" unter Berufung auf amtierende und frühere Regierungsmitarbeiter. Trumps Agieren auf mehreren wichtigen Politikfeldern habe selbst Spitzenberater überrascht, schrieb das "Wall Street Journal".

Das Blatt berichtete unter Berufung auf Mitarbeiter des Weißen Hauses, warum Trump auf den Komplex Russland und Wahleinmischung so allergisch reagiere. Wenn Trump akzeptiere, dass sich Russland in diese Wahl eingemischt habe, dann würde dies seinen Sieg entwerten und unfairerweise Zweifel an der Legitimität seiner Präsidentschaft säen, sagte ein Mitarbeiter Trumps mit Blick auf die mutmaßliche Denkweise des Präsidenten.

wit/dpa/AFP/AP

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