Trump über die Causa Cohen "Das Geld kommt von mir"

Handelte Michael Cohen auf Geheiß von Donald Trump, als er während des Wahlkampfs Schweigegeld an zwei Frauen zahlte? Der US-Präsident lieferte nun eine weitere Version des Geschehens.

Donald Trump
AFP

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US-Präsident Donald Trump hat im Widerspruch zu seinem ehemaligen Anwalt Michael Cohen bestritten, kurz vor der Wahl 2016 Schweigegeldzahlungen an zwei Frauen veranlasst zu haben. Er habe von den Zahlungen erst "im Nachhinein" erfahren, sagte Trump in einem Interview des ihm gewogenen Senders "Fox News".

Es habe sich nicht um Geld gehandelt, das aus den Wahlkampfkassen genommen worden sei. "Das erste, was ich mich fragte: Kommt das Geld aus der Kasse meiner Kampagne? Das wäre ja ein bisschen heikel", sagt Trump.

"Das ist aber nicht der Fall. Das Geld kommt nicht aus der Kampagne, es kommt von mir." Deshalb handele es sich nicht um einen Rechtsverstoß. Zudem habe erst von den Zahlungen erfahren, als sein Anwalt Cohen sie bereits getätigt hatte.

Trump soll Zahlungen zurückerstattet haben

Trumps Einlassung über den Informationsfluss im Umfeld der Schweigegeldzahlungen ist inzwischen die dritte Version, die er über die Abläufe liefert. Zunächst hatte er erklärt, darüber gar nicht informiert gewesen zu sein.

Später hatte sein Anwalt Rudy Giuliani erklärt, Trump habe die Zahlungen an Cohen zurückerstattet. Die "Washington Post" berichtete, Cohen habe aus Mitteln des Trump-Firmenkonsortiums im Februar 2017 insgesamt 420.000 Dollar erhalten und dafür Scheinquittungen mit falschen Verwendungszwecken ausgestellt.

Cohen bekannte sich vor einem New Yorker Gericht der illegalen Wahlkampffinanzierung schuldig - und bezichtigte den Präsidenten der Anstiftung und der Mittäterschaft.

Cohen gab zu, im Wahlkampf 2016 Schweigegeld an zwei Frauen gezahlt zu haben, die nach eigenen Angaben Sex mit Trump hatten - die Summen betrugen 130.000 und 150.000 Dollar (114.000 und 131.000 Euro). Der Anwalt betonte, er habe dabei "in Abstimmung mit und auf Anweisung" des "Kandidaten" gehandelt, gemeint ist Trump.

Schweigegeldzahlungen sind nicht illegal

Zwar sind Schweigegeldzahlungen als solche nicht illegal - die US-Justiz argumentiert aber, dass es sich dabei de facto um Wahlkampfausgaben gehandelt habe, die als solche hätten deklariert werden müssen. Cohen schloss sich vor Gericht dieser Auffassung an: Er habe das Geld gezahlt mit der "Intention, die Wahl zu beeinflussen".

Trump dürfte rechtlich weiter in Bedrängnis geraten: Zwar kann der US-Präsident nach geltendem Recht nicht vor Gericht gestellt werden; sollten sich die Vorwürfe jedoch bestätigen, dürften die Rufe nach einem Amtsenthebungsverfahren lauter werden. Dies könnte für den Präsidenten besonders gefährlich werden, sollten die oppositionellen Demokraten bei den Kongresswahlen im November wie erwartet eine Mehrheit im Repräsentantenhaus gewinnen.

tin/dpa/AP



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