Donald Trump und das G7-Fiasko Es hilft nur Widerstand

Der US-Präsident brüskiert die wichtigsten Partner beim G7-Gipfel. Er folgt allein seinen Wünschen und Instinkten. Die Antwort der Europäer und Kanadier sollte eindeutig sein.

US-Präsident Donald Trump
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US-Präsident Donald Trump

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Der Untergang des Westens, das Ende der Nachkriegsordnung, Beginn eines neuen Zeitalters - es werden viele große Worte benutzt, um zu beschreiben, was Donald Trump gerade anstellt. Alle sind sie richtig und doch wieder nicht.

Das G7-Debakel zeigt: Das eigentliche Problem an Donald Trumps Politik ist Donald Trump. Sein Handeln folgt keiner Ordnung, keiner Vernunft, sondern allein dem Willen, der Beste, Wichtigste und Größte sein zu wollen. Der Zusammenbruch des Westens, die Zerstörung jahrzehntealter Freundschaften sind nur das Nebenprodukt dieses beispiellosen Egotrips.

Beim G7-Gipfel behandelt Trump die ältesten Freunde Amerikas wie Feinde. Gleichzeitig hofiert er Wladimir Putin und nennt Diktatoren wie den Nordkoreaner Kim Jong Un "ehrenwert". In diesen Männern erkennt er sich wieder. Er tut, was er will. Absprachen mit Partnern, Regeln der internationalen Ordnung, das zählt für ihn alles nicht.

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Bilder aus Kanada: Gipfel mit Nebenwirkungen

Bloß Statisten für diesen Irrsinn

Trump will bestimmen, er duldet keinen Widerspruch. Er muss immer das erste und das letzte Wort haben. Deshalb war es klar, dass er dem Gipfel seine Agenda aufdrückt (Handelsstreit, Russland). Und deshalb war es auch logisch, dass er ihn nachträglich per Tweet aus dem Flugzeug platzen lässt - mit der Weigerung, die Gipfelerklärung zu unterschreiben. Es ist immer nur: Ich, ich, ich.

Trumps krudes Weltbild, in dem er ein Amerika malt, das angeblich seit Jahren nur ausgebeutet und übervorteilt wird, passt dazu. Weil Trump sich selbst für den Größten hält und allein seinem Bauchgefühl folgt, ist er rationalen Argumenten gegenüber nicht zugänglich. Er macht seine Instinkte, sein Denken zum Maß aller Dinge, obwohl es nur auf Halbwissen und Vorurteilen beruht.

DPA/ Bundesregierung

Das Problem des "Westens", von Angela Merkel, Justin Trudeau und Emmanuel Macron ist, dass sie sich so wie beim Gipfel in Kanada immer wieder als Statisten für diesen Irrsinn hergeben. Sie tun es, weil sie die alten Ideale, die alten Regeln hochhalten wollen. Sie glauben an die Kraft des Wortes, an Argumente, Bündnisse. Das ist ehrenwert, bringt aber im Umgang mit einem Egomanen wie Trump nichts. Spätestens jetzt haben sie das wohl verstanden.

Europa muss Trump übertönen

Den klügsten Satz hat in diesem Zusammenhang Frankreichs Präsident gesagt: Kein Anführer sei für ewig da, erklärte er, was eindeutig auf Trump gemünzt war. Beabsichtigt oder unbeabsichtigt hat Macron damit den Weg aufgezeigt, wie dieses üble Schauspiel beendet werden kann. Amerikas Wähler haben es in der Hand, Trump in die Schranken zu weisen. Sie können ihn und seine Partei, die Republikaner, bei den anstehenden Midterm-Wahlen für die Chaos-Politik abstrafen. Sie könnten ihn 2020 abwählen.

Europa kann dabei mittun: Indem es Widerstand leistet, indem es den Egomanen isoliert, indem es ihm aus dem Weg geht und den Bruch immer wieder sehr laut deutlich macht.

In diesem Ringen muss Europa auch lernen, Trump zu übertönen. Es muss nicht nur die eigenen Bürger, sondern auch die Amerikaner erreichen. Denn zwischen Basketball-Finale und Nordkorea-Gipfel haben etliche Menschen in den USA noch gar nicht wirklich mitbekommen, wie ernsthaft Trump gerade das westliche Bündnis beschädigt.

Natürlich hat Trump seine Anhänger, die ihn dafür feiern. Vielen anderen Wählern wird das aber nicht egal sein. Sie sind nun Europas wichtigste Verbündete - und sind Europas größte Hoffnung.

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dirk1962 10.06.2018
1. Dem stimme ich zu
Ich denke, die EU, Kanada, Japan und wenn möglich auch China sollten sich darauf verständigen, ohne Trump weiter zu machen - damit meine ich nicht ohne die USA, sondern ohne die Person Trump. Wenn die USA an Gesprächen Teil nehmen wollen, dann sollen sie einen Gesandten schicken. Bei entsprechender Isolation wird Trump seinen Bürgern sehr schnell die Frage beantworten müssen, warum es mit der US Wirtschaft abwärts geht. Auch die USA sind wirtschaftlich nicht stark genug, gegen den Rest der Welt erfolgreich zu sein.
Websingularität 10.06.2018
2. Selber Schuld
Die Weltgemeinschaft ist viel zu nachsichtig mit den USA. Dieser Scheinriese nimmt sich wichtiger als er ist.
b-kroh 10.06.2018
3. falsch!
Antwortet doch antizyklisch. keine Strafzölle seitens der G7. Macht weiter mit unseren Werten. Machen wir uns nicht zu von Trump geführten Opfern seiner Politik.
Zündkerze 10.06.2018
4. die Antwort sollte sein
die nächsten Treffen mit Trump oder einem aus seinem Kabinett abzusagen (oder deren Planung einzustellen) und stattdessen diplomatischen Treffen mit den amerikanischen Demokraten abzuhalten. Ich glaube das wäre eine überaus eindeutiges Signal an die US-Amerikaner - ja, wir würden die Partnerschaft gerne weiterführen, aber beim besten Willen nicht mit dieser Figur. Das wird einen Trump zwar noch mehr zum kochen bringen, aber was solls, auf den kann Europa nun wirklich nicht mehr zählen. Das ist doch spätestens jetzt klar.
nixblicker00 10.06.2018
5. Es ist keine Feindschaft, wenn ich mit meinen Partnern hart verhandele
Alltägliches business und Herr Trump möchte doch der deal maker sein. Das ist keine Feindschaft und auch nicht die Aufkündigung der Freundschaft - schon garnicht die Kündigung einer Partnerschaft. Und schon überhaupt garnicht eine Kriegserklärung. Der Stil des Herrn Trump ist roh, rauh, vielfach unfreundlich, rüpelhaft bis unverschämt. So what? Kaufen Sie doch mal auf einem Schrottplatz ein Ersatzteil. Trump setzt sein beliebtes Stilmittel ein: Erst mal draufhauen und den Gegner damit in die Defensive zu drängen. Bis der die Schnappatmung wieder unter Kontrolle bringt, hat er schon paar Zugeständnisse gestammelt - und darum gehts. Kann es sein, dass wirklich niemend, der bei uns einen Artikel schreiben darf, das nachvollziehen kann, nie selbst mal in einer kontroversen Verhandlung oder einer Rauferei mit Schulkameraden auf dem Pausenhof ausgesetzt war? Was soll das Gewinsel? Dieser Streit mit den USA macht doch eher Lust mit einzusteigen. Ebenso klar und unverblümt die eigene Position gegenlatzen - und dann mal konstruktiv überlegen, was fair und sinnvoll ist.
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