Debatte in den USA Wie hart darf man Trump attackieren?

Donald Trump pöbelt, droht, beschimpft seine Gegner - doch wenn die sich wehren, wie etwa die Demokratin Waters, ist er beleidigt. Nach Attacken auf Trump-Anhänger beginnt nun eine Debatte: Welcher Protest ist moralisch vertretbar?

Donald Trump
REUTERS

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In den USA dominiert seit Wochen ein Thema: Donald Trumps Null-Toleranz-Politik an der Südgrenze, wo alle Einwanderer ohne Visum für illegal erklärt und eingesperrt werden, und wo ihnen Grenzschützer bis vor Kurzem die Kinder wegnahmen. Mehr als 2300 Minderjährige wurden seit April von den Eltern getrennt, viele in Lagern eingesperrt.

An der Aufregung konnte bislang weder das typische Trump-Störfeuer (Melania und die Jacke sowie Pöbeleien), noch ein hastiges, schlampiges Dekret des Präsidenten zur Lage an der Grenze etwas ändern.

Besonders die Situation der inhaftierten Kinder macht viele Amerikaner über Parteigrenzen hinweg wütend - so sehr, dass einige drastisch gegen ihre Regierung protestieren.

Zuerst hatte es Heimatschutzministerin Kristjen Nielsen getroffen, deren Chef Trump erklärt hatte, Mexikaner würden die USA "verpesten". Nielsen ging ausgerechnet bei einem Mexikaner essen - wo eine Aktivistengruppe linker US-Bürger sie lauthals beschimpfte. "Schande", riefen sie und fragten, wie Nielsen ihr mexikanisches Dinner genießen könne, wo sie mitschuldig an der Abschiebung Zehntausender Schutzsuchender sei.

Metro D.C. DSA

Am Wochenende traf es dann die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Huckabee Sanders. Eine Restaurantbetreiberin in Virginia verwies sie am Samstag aus ihrem Lokal Red Hen. Sanders arbeite für eine "unmenschliche und skrupellose" Regierung, so die Begründung.

Zur politischen Wortführerin dieses Zorns hat sich die US-Abgeordnete Maxine Waters erklärt, Urgestein der Demokraten aus Kalifornien:

"Wenn ihr ein Regierungsmitglied in einem Restaurant seht, in einem Geschäft, an der Tankstelle, steigt aus und verschafft euch Gehör, konfrontiert sie!", sagte Waters am Samstag und reagierte damit auf Proteste der vergangenen Tage. In einem TV-Interview legte sie nach. Bei MSNBC wiederholte sie den Aufruf in drastischeren Worten und sagte: "Die Leute werden sich gegen sie wenden. Sie werden protestieren. Sie werden sie absolut belästigen, bis sie so weit sind, dass sie dem Präsidenten sagen: Nein, ich kann nichts mit dir zu tun haben."

Maxine Waters, Abgeordnete der Demokraten aus Kalifornien
DPA

Maxine Waters, Abgeordnete der Demokraten aus Kalifornien

Nun debattieren US-Politiker: Wie viel Protest ist erlaubt, wo ist die Grenze?

Sanders fordert zivilisierten Umgang, Trump pöbelt und droht

Am Montag startete Regierungssprecherin Sanders die tägliche Pressekonferenz des Weißen Hauses mit einer Beschwerde über das Restaurant, das sie vor die Tür gesetzt hatte.

Man müsse "frei und ohne Angst vor Angriffen" debattieren können, das gelte für jeden, der eine "ordentliche Debatte über Ideen und politische Philosophie" pflegen wolle. Dass Sanders ihr Presse-Briefing mit der Geschichte vom Rauswurf beim Mexikaner eröffnete, soll eine direkte Anweisung Trumps gewesen sein.

Sarah Huckabee Sanders
AP

Sarah Huckabee Sanders

Trump hatte schon zuvor auf seine Art reagiert: Er beschimpfte das Restaurant Red Hen als schmutzig. Und er beschimpfte die demokratische Abgeordnete Waters und drohte ihr indirekt mit Gewalt.

Trumps Reaktion im Video: "Lieber das verdreckte Vordach reinigen"

Waters sei ein "Mensch mit außergewöhnlich niedrigem IQ", twitterte Trump. Sie habe zu "Gewalt gegen Anhänger aufgerufen, von denen viele zur Make-America-Great-Bewegung gehören. Pass auf, was du dir wünschst, Max!"

Waters antwortete und bezichtigte den Präsidenten der Lüge. Sie stehe für "sehr friedlichen Protest" und lehne jeden Aufruf zu Gewalt ab. Ihren Aufruf, Regierungsmitglieder zu konfrontieren und öffentlich bloßzustellen, nahm sie nicht zurück.

Doch auch in der Führung der US-Demokraten geht Waters' Aufruf einigen zu weit. Nancy Pelosi, ebenfalls Demokratin aus Kalifornien und Minderheitsführerin im Kongress, schrieb bei Twitter, Trumps "Mangel an Zivilisiertheit" habe "erwartbare, aber inakzeptable Reaktionen provoziert".

"Vulgäres, niederträchtiges Trumpland"

Die Demokraten treibt offenbar die Sorge um, dass Waters den Republikanern mit einem Nebenkriegsschauplatz genau die Ablenkung vom Einwanderungsskandal verschafft, die sich die Regierung so sehr wünscht - und dass die Debatte sich negativ auf die Kongresswahlen im Herbst auswirken könnte.

"Die einzige Möglichkeit, wie wir das Repräsentantenhaus verlieren, ist, wenn wir etwas tun, was die Trump-Anhänger aufstachelt", sagte Ed Rendell, ein führender Demokrat der "Washington Post". Damit bezog er sich auf eine Debatte um ein Amtsenthebungsverfahren, die von einigen liberalen Aktivisten angestoßen wurde.

Ein anderer Stratege der Demokraten, Paul Begala, sagte: "Meine Ablehnung, auf rechten Hass mit linkem Hass zu antworten, ist genauso strategisch wie moralisch." Das Ziel der Republikaner sei es, weiße Männer mit Oberschulabschluss wütend zu halten. "Ich will weißen Republikanerinnen mit Hochschulabschluss zeigen, dass sie im vulgären, niederträchtigen Trumpland keine Heimat haben."

cht

insgesamt 128 Beiträge
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Seite 1
Allein-Unter-Welpen 26.06.2018
1. Peter Fonda Tweet
zeigt welche Doppel-Moral bei der politischen "Linken" in den USA herrscht. Roseanne Bar war dagegen ja geradezu harmlos... .
nano-thermit 26.06.2018
2. Trump pôbelt und ist beleidigt und und und
Ich finde das richtig, es stimmt auch. Ich staune nur wie die Presse bei kriegseinsätzen wie die 100+x Raketen auf Syrien, applaudiert. Ich staune auch wie leise der Spiegel gegen Trump schimpft und mahnt sobald er in Israel mit den Rechten hardlinern nur verbrannte Erde hinterlässt. Kurzum, Trump ist doof, aber nur nicht wenn er im Sinne der NATO oder Israels ohne jegliche uno Resolution vorgeht? Ist das nicht sehr verlogen?
two-wheels 26.06.2018
3. Es gibt da ein schönes Sprichwort
"Diskutiere niemals mit einem Idioten, er wird dich auf sein Niveau herabziehen." Ganz so dumm sind diese Kerle nämlich auch nicht. Abtropfen lassen, das macht den Gegner wütend.
herbert 26.06.2018
4. In Deutschland gibt es das Buch ! Einmaleins des guten Tons
Die zuständigen Behörden sollten es in Englisch übersetzen und unserem Donald auf den Tisch legen ! Was man in dem Buch schriftich nicht begreift ist mit Bildern erklärt. Auf gehts Donald !
bigroyaleddi 26.06.2018
5. Wer rumpöbelt, darf sich nicht wundern ...
... wenn heftig zurückgepöbelt wird. Wenn man dann beleidigt ist, zeigt das dann auch jedem ihm noch so ihm positiv Gegenüberstehenden, dass dieser Mensch schlechte Umgangsformen hat und - vorsichtig ausgedrückt - sehr unhöflich ist. Was erwartet Trump eigentlich? Akzeptiert er nur die totale Unterwerfung?
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