Trump über Ukraine-Russland-Krise "Lasst uns Angela einbeziehen"

US-Präsident Trump mag die jüngste Krise zwischen Russland und der Ukraine nach eigener Aussage nicht. Jetzt äußert er eine Idee, die mit der deutschen Kanzlerin zu tun hat.

Donald Trump
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Donald Trump


US-Präsident Donald Trump hat sich laut einem Medienbericht dafür ausgesprochen, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel in den Konflikt zwischen Russland und der Ukraine einschaltet. Die "New York Post" veröffentlichte Auszüge eines Interviews mit dem Präsidenten, in dem Trump den jüngsten Vorfall im Asowschen Meer kritisiert.

"Wir werden sehen, wir werden herausfinden, was passiert ist. Ich mochte den Vorfall nicht und wir bekommen einen Bericht darüber, was passiert ist", zitiert die Zeitung den US-Präsidenten.

Laut dem Blatt fügte er dann hinzu: "Angela, lasst uns Angela einbeziehen!" Trump sprach sich demnach auch dafür aus, neben Merkel auch Frankreich einzubeziehen - ließ aber offen, was die beiden Regierungen genau tun sollten.

Merkel hat schon mit Putin und Poroschenko telefoniert

Was Trump offenbar nicht bedachte: Merkel hat sich bereits in den Konflikt eingeschaltet und am Montag erst mit dem ukrainischen Staatschef Petro Poroschenko und dann mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefoniert.

Am Sonntag hatte die russische Küstenwache ukrainischen Militärschiffen die Durchfahrt durch die Meerenge von Kertsch vor der von Russland annektierten Halbinsel Krim verweigert und ein Schiff gerammt. Die drei ukrainischen Schiffe wurden aufgebracht. Dabei fielen auch Schüsse. 24 Matrosen wurden festgesetzt.

Moskau und Kiew werfen sich seitdem gegenseitig vor, Schuld an der Eskalation zu sein. Putin sagte am Mittwoch bei einer Konferenz, Poroschenko nutze den Konflikt, um sich vor den Wahlen in der Ukraine im kommenden Frühjahr besser darzustellen. "Er musste irgendetwas tun, um die Situation zu verschärfen", zitiert die BBC aus der Rede Putins (mehr dazu, wie beide Präsidenten die Situation für ihre Zwecke nutzen, erfahren Sie hier).

Videoanalyse: "Beide Seiten profitieren von der Eskalation"

SPIEGEL ONLINE/dpa

Trump hat wegen der Spannungen zwischen Moskau und Kiew ein Treffen zwischen ihm und Putin infrage gestellt. Eine offizielle Absage der Begegnung beim G20-Gipfel Ende der Woche durch die US-Regierung gab es aber bislang nicht. Bei dem Gipfel ist unter anderem auch ein Treffen zwischen Trump und Merkel geplant.

So reagiert die EU

Die EU ist wegen der jüngsten Entwicklungen zwischen Russland und der Ukraine besorgt. Es gebe eine "gefährliche Zunahme" der Spannungen erklärte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini im Namen der 28 EU-Staaten am Mittwochabend. Der Gewalteinsatz Russlands und die zunehmende Militarisierung in der Region um die Meerenge von Kertsch seien "inakzeptabel".

Russland müsse alle Schiffe ungehindert durch die Meerenge nahe der Krim fahren lassen, hieß es weiter. Zudem müssten die festgehaltenen Schiffe und deren Crew unverzüglich freigelassen werden.

Neue Sanktionen gegen Russland, wie sie unter anderem die österreichische EU-Ratspräsidentschaft ins Spiel gebracht hatte, wurden indes nicht angekündigt. In der Erklärung heißt es lediglich, die Europäische Union werde die Situation weiter beobachten und sei "entschlossen, in enger Abstimmung mit ihren internationalen Partnern angemessen zu handeln".

kry/aar/dpa/AFP

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Seite 1
vera_ruhrus 29.11.2018
1. Etwas Einsicht in die eigene diplomatische Begrenztheit?
Oooh, wow...nun ist "Angela" ja Göttinseidank das Gegenteil von einem narzisstisch bedürftigen Menschen. Daher wird sie wahrscheinlich dies Fitzelchen Wertschätzung durch das stabile Genie eher mit Gleichmut aufnehmen. Allerdings wäre dieses (Genie) gut beraten, tatsächlich die erfahrene und kluge Kanzlerin einzubeziehen, wenn es um diffizile und nicht ungefährliche diplomatische Aktionen geht. Es ist die Frage, ob Trump mal tatsächlich Einsicht zeigt, auch in die Begrenztheit seiner diplomatischen Fähigkeiten oder ob er dies so hingesagt hat, in der Absicht, Deutschland im Zusammenhang mit der Gazpromgeschichte in "Verlegenheit" zu bringen. Dass Frau Merkel, unaufgeregt und cool, wie sie nun mal ist, ihre wirtschaftlichen Interessen einerseits und eine außenpolitische Positionierung andererseits durchaus auseinander halten kann, hat der präsidiale Amateur auf Reality-Show-Niveau wohl noch nicht recht verstanden.
ex_Kamikaze 29.11.2018
2. Völlig klar was Trump will
denn entsprechend seiner merkantilistischen Wirtschaftspolitik sieht er hier eine Chance teures US-Frackinggas der EU aufs Auge zu drücken. Das widerspricht aber deutschen Interessen; ökonimisch, ökologisch und auch geopolitisch. Aber dieser Aufruf ist auch ein Warnsignal an die Ukraine: die USA werden nicht militärisch intervenieren. Das ist gegen Rußland selbst für die USA ein unkalkulierbares Risiko und nutzt Trumps innenpolitischem Programm nichts. Das dreht sich momentan eher um General Motors.
Atheist_Crusader 29.11.2018
3.
Mit anderen Worten: "Ihr blöden Europäer macht mal. Wenn es gut wird werde ich all die Lorbeeren für mich beanspruchen, wenn es in die Hose geht werde ich alle Schuld euch in die Schuhe schieben. Außerdem kann ich dann so aussehen als ob ich was tue, ohne direkt gegen die Interessen meines Busenfreundes Vladi zu handeln.". Und/oder er will Deutschland und Frankreich das Gefühl geben dass ihn deren Meinung interessiert. Vielleicht braucht er noch Leute für den geplanten Iran-Feldzug. Dass dahinter tatsächliches Interesse an internationaler Zusammenarbeit der Einbeziehung der Europäer (und damit das Auftauchen Anderer und damit unerwünschter Sichtweisen) steckt, kann wohl getrost ausgeschlossen werden.
sheffard 29.11.2018
4. Warum sollte Merkel
Einbezogen werden? Der Krieg in der Ostukraine besteht immer noch, Putin hat sich die Krim zurückgeholt, es gab den Abschuss der Passagiermaschine, wo ziemlich genau ermittelt wurde wer dahintersteckt, jetzt werden unschuldige Soldaten zu Haftstrafen verurteilt. Putin kann machen was er will da der Westen die Hosen voll hat. Die Nato ist ein Papiertiger. Putin merkt das sehr wohl und wird den nächsten Testballon starten. Merkel mit ihm reden? Wozu? Sie fungiert als Nachrichten Überbringen für seine Warnungen. Diesen Mann muss man jetzt stoppen denn die lange Amtszeit lässt ihn nun Größenwahnsinnig werden.
n.strohm 29.11.2018
5.
"Wir werden sehen, wir werden herausfinden, was passiert ist. Ich mochte den Vorfall nicht und wir bekommen einen Bericht darüber, was passiert ist", zitiert die Zeitung den US-Präsidenten. Falls er den Bericht überhaupt liest, wird er ihn ignorieren; Trump kann dort nicht politisch punkten, deshalb überlässt er es Anderen. Wenn die Ukraine Kriegsmaterial braucht, dann macht er seinen Deal. Einen Konflikt zu moderieren, zu vermitteln bringt keinen Gewinn im Sinne von "America first"
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