Ankündigung Trump will Atomarsenal der USA vergrößern

Von einer nuklearen Abrüstung träumen und gleichzeitig das eigene Atomarsenal aufstocken: für US-Präsident Trump offenbar kein Widerspruch. In einem Interview kündigte er an, im "Rudel" der Atommächte ganz "nach oben" kommen zu wollen.

Donald Trump
REUTERS

Donald Trump


US-Präsident Donald Trump hat sich in einem Interview zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt zum US-Atomarsenal geäußert. Das will er künftig ausbauen: Amerika müsse immer die führende Atommacht sein, selbst vor befreundeten Nationen, sagte er der Nachrichtenagentur Reuters. "Es wäre wunderbar, es wäre ein Traum, wenn kein Staat Atomwaffen hätte", sagte Trump. "Aber solange Staaten Atomwaffen haben, werden wir im Rudel ganz oben stehen." Die USA seien auf diesem Gebiet zurückgefallen.

Trump kritisierte, dass Russland durch die Stationierung von Marschflugkörpern ein Abrüstungsabkommen von 1987 verletzt habe. Das mit der Regierung in Moskau geschlossene neue strategische Abrüstungsabkommen "New Start" sei für die USA "ein weiteres schlechtes Geschäft" gewesen. Es sieht vor, dass die USA und Russland ab Februar 2018 ihre Atomarsenale gleich groß halten.

In ersten Reaktionen kritisierten Abrüstungsbefürworter die Ankündigung Trumps. "Die Geschichte des Kalten Krieges zeigt, dass bei einem Rüstungswettlauf und einer waghalsigen Atompolitik niemand 'im Rudel' nach 'ganz oben' kommt", sagte Daryl Kimball, Direktor der überparteilichen Arms Control Association. Die USA und Russland haben bereits weitaus mehr Atomwaffen als zur Abschreckung nötig.

Nach Angaben der Abrüstungsgruppe Ploughshares Fund verfügen die USA über 6800 atomare Sprengköpfe und liegen damit hinter Russland mit 7000 Sprengköpfen.

Vor allem die jüngsten Raketentests in Nordkorea bringen den Präsidenten auf. "Wir sind sehr wütend", sagte er. Die Lage sei sehr gefährlich. Eine denkbare Antwort darauf sei ein schnellerer Aufbau von Raketenabwehrsystemen für die verbündeten Staaten Japan und Südkorea. Es werde auch über sehr viel weiter gehende Optionen diskutiert (mehr über die fehlende US-Strategie im Umgang mit Nordkorea lesen Sie hier).

Russland: "Abschreckung überdenken"

Trump hatte schon im Wahlkampf eine Stärkung der Raketenabwehr angekündigt. Nach seiner Vereidigung am 20. Januar erklärte das Präsidialamt, man werde ein entsprechendes Programm gegen Angriffe aus Nordkorea und Iran auflegen. Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Aus Russland kommen zeitgleich ungewöhnlichere Ankündigungen: Moskau zeigt sich bereit, im Anti-Terror-Kampf mit der Nato zusammenzuarbeiten. Davon "würden nicht nur die Sicherheitsinteressen Russlands profitieren, sondern auch die Sicherheitsinteressen der Nato. Die terroristische Bedrohung kennt keine Grenzen", sagte Russlands Nato-Botschafter Alexander Gruschko der "Welt".

Es sei allerdings zu früh, über konkrete Operationen zu sprechen, sagte der Diplomat weiter: "Wenn die Nato-Staaten wirklich daran interessiert sind, gegen diese terroristischen Bedrohungen zu kämpfen, müssen sie ihre Politik der Abschreckung gegenüber Russland überdenken."

vks/Reuters/dpa



insgesamt 110 Beiträge
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Seite 1
epiktet2000 24.02.2017
1. Im Rudel ganz oben
Obener geht nicht mehr. Aber das Bild des Rudels für Atommächte ist schon echt tierisch. Vielleicht erfahren wir noch am eigenen Leibe, was passiert, wenn Atommächte sich gegenseitig wegbeißen.
helmut_s 24.02.2017
2.
Um eine vernünfitge Nukleardoktrin fahren zu können, muss man begreifen, was diese Waffen eigentlich sind. Leider zeigt sich hier - wie auch in allen anderen etwas abstrakteren Themenbereichen - wie schnell Mr. Trump an seine intellektuellen Grenzen stösst. "Gross" und "viel", da kann man sicher sein, dass er mit "grösser" und "mehr" daherkommt ... auch, wenn's um die Lichtgeschwindigkeit geht.
ackergold 24.02.2017
3.
Die USA sind bei den Atommächten zurückgefallen? Was für ein Schwachsinn, den Trump hier wieder mal verbreitet. Die USA sind die Nr. unter den Atommächten und in der Lage, die Welt hunderte Male komplett zu zerstören. Was will man da noch aufrüsten? Glauben die Amerikaner das wirklich, das Trump hier für ein Zeugs vertwittert?
joes.world 24.02.2017
4. Ganz im Stil von Reagan.
Und wenn nun die NATO-Partner auch noich 2% für ihre Rüstung aufbringen, kann Russland wirtschaftlich nicht mithalten und muss dadurch zu einer weniger aggressiven, expansiven Politik zurückkehren. Außerdem setzt er nur konsequent seine Wahlversprechen um. Was daran, ist so schlecht? Gestern gab es zwei parallel stattfindende Ereignisse, die klare machten, dass alle in der Administration an der Umsetzung der Wahlversprechen Trumps arbeiten. Der Außenminister sprach mit den Mexikanern. Und gleichzeitig traten auf einem Treffen der Konservativen, Präsidentenberater Bannan und WH Chief of Staff Priebus gemeinsam auf. Und alles zusammen betrachtet, erklärt den Kurs der neuen Administration Bannon sprach sich klar gegen die Ausweitung des internationalen Handels aus, wenn der dazu führt, dass das eigene Land keine Grenze mehr hat und die Gier der Wirtschaft alles bestimmt. Denn die geht, und das wäre die Folge völlig offener Grenzen, dorthin, wo sie am billigsten (und somit oft unter den unwürdigsten Arbeitsbedingungen) produzieren kann. Deshalb will Bannon den US-Bürgern wieder ihr Land zurückgeben. Genau das war es, was Trump im Wahlkampf versprach. Und Priebus legte nach und lobte Bannon dafür, dass er Trump auf Linie hält. Das weiter umzusetzen, was er den Amerikanern im Wahlkampf versprochen hat. Denn der Präsident hört viele Stimmen, die ihm nahe legen doch Abstriche bei seinen Versprechungen zu machen. Was aber weder Trump, noch seine engsten Berater wollen. Es muss ein Schock für unsere Politiker sein, dass da einer im WH sitzt und alle Versprechungen einlösen will. Zumindest alles dafür unternimmt. Was ihm gelingt umzusetzten, wird man dann in knapp 4 Jahren wissen. Denn danach werden die Wähler ihn zu beurteilen haben. Also frage ich mich: Trump sagte genau, was er umzusetzen gedenkt. Bannon und Priebus betonen das ebenso. Wo können da unsere Politiker behaupten, keine Klarheit darüber zu haben, in welche Richtung die USA gehen? Ich verstehe deren Unverständnis nicht. Und das einiger unsere Journalisten. Denn alles ist klar. Die einzigen Fragen, die noch offen sein sollten, können die sein: wie schnell werden die einzelnen Wahlversprechen auf den Weg gebracht? Und wie viel collateral damage wird es bei denen im Ausland geben, die sich nicht rechtzeitig darauf einzustellen verstehen?
wasistlosnix 24.02.2017
5. Bedeutet auch
Wenn andere abrüsten braucht er nicht soviel. Was ist da anders als bei allen Vorgängerregierungen. Die sagten wir wollen weniger Atomwaffen weltweit und er sagt wir wollen die meisten. Das normale Denken eines Amerikaners anders dachten seine Vorgänger auch nicht.
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