US-Vertreter in Brüssel Trump will Hotelier zum EU-Botschafter machen

Als Europa-Experte ist Unternehmer Gordon Sondland bisher nicht aufgefallen, dafür aber als Großspender für Donald Trump. Nun will der US-Präsident Sondland zum EU-Botschafter in Brüssel machen.

Gordon Sondland
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Gordon Sondland

Von , Brüssel


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Die Europäische Union könnte endlich einen neuen US-Botschafter bekommen. Die US-Regierung hat in Brüssel vorgefühlt, ob die EU mit Gordon Sondland einverstanden wäre, wie es aus Kreisen der EU-Kommission heißt. Damit bestätigt die Behörde einen entsprechenden Bericht des "Wall Street Journal" , wollte aber weiter keine Stellung nehmen. Sondland ist bisher weder offiziell nominiert noch vom US-Senat bestätigt.

Sondland, Jahrgang 1957, ist Gründer der Hotelkette Provenance und Mitgründer der Handelsbank Aspen Capital, die vor allem auf dem Immobilienmarkt tätig ist. Anders als andere von Trumps reichen Unternehmerfreunden ist er kein Anfänger in Sachen Politik: Für Ted Kulongoski, den ehemaligen Gouverneur von Oregon, arbeitete er als Verbindungsmann zum Weißen Haus. 2007 war er bereits für Präsident George W. Bush tätig, 2012 gehörte er zum Übergangsteam des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney.

Sondland brach öffentlich mit Trump

Sondlands Verhältnis zu Trump ist nicht ohne Probleme. Im August 2016 brach der Unternehmer öffentlich mit Trump, nachdem dieser Khizr and Ghazala Khan, die Eltern eines gefallenen muslimischen US-Soldaten, öffentlich beleidigt hatte. Sondland ließ eine Sprecherin erklären, dass er Trump seine Unterstützung entziehe - nicht nur wegen des Khan-Skandals, sondern auch, weil "seine ständig wechselnden Positionen auf zahlreichen Ebenen von den persönlichen Überzeugungen und Werten" Sondlands abwichen.

Einige Monate später gelang es Sondland, die Gunst Trumps zurückzugewinnen: Er spendete eine Million Dollar für dessen feierliche Amtseinführung. Allerdings tat er das nicht unter seinem eigenen Namen, sondern zahlte das Geld über vier unterschiedliche Firmen. Anschließend musste sich Sondland den Vorwurf gefallen lassen, er habe versucht, die Spenden zu verschleiern.

Ob die Spende ausschlaggebend dafür war, das Trumps Wahl auf Sondland fiel, ist nicht bekannt. Als Experte für Europapolitik aber ist Sondland bisher nicht in Erscheinung getreten - anders als sein Vorgänger Anthony Gardner, einem in Harvard, Oxford und London ausgebildeten Diplomaten, der zuvor im Nationalen Sicherheitsrat der USA Direktor für Europaangelegenheiten war und auf Französisch, Italienisch, Spanisch und Deutsch parlieren kann.

Das Ende eines teils bizarren Dramas naht

Immerhin: Das teils bizarre Drama um den Posten des Brüsseler US-Botschafters, der seit mittlerweile 14 Monaten vakant ist, könnte endlich ein Ende haben. Kurz nach Donald Trumps Wahlsieg hatte sich zunächst Ted Malloch als Top-Kandidat inszeniert. Der Wirtschaftsprofessor äußerte sich dermaßen herablassend überdie EU und ihr Führungspersonal, dass in Brüssel Forderungen laut wurden, Malloch notfalls die Akkreditierung zu verweigern. Es wäre ein beispielloser Eklat gewesen: Üblicherweise laufen allenfalls Drittwelt-Diktaturen Gefahr, dass die EU ihren Diplomaten das sogenannte Agrément vorenthält.

Im Fall von Sondland dürften solche Risiken kaum bestehen. Nach einer Nominierung durch Trump muss der US-Senat ihn bestätigen. Anders als bei anderen Trump-Kandidaten sind hier keine Schwierigkeiten absehbar, zumal Sondland als großzügiger Unterstützer der Republikaner gilt, die im Senat die Mehrheit haben.

Anschließend müssen die EU-Kommission und die Regierungen der Mitgliedstaaten Sondlands Entsendung zustimmen. Auch hier wird es wohl keine Hürden geben - sofern sich Sondland nicht über Nacht in einen zweiten Malloch verwandelt.


Zusammengefasst: US-Präsident Donald Trump will Gordon Sondland zum neuen US-Botschafter bei der EU machen. Sondland ist wie Trump Hotelunternehmer und großzügiger Spender für die republikanische Partei. Als Europaexperte ist er bisher nicht in Erscheinung getreten - aber er wäre für die EU weit weniger unangenehm als Ted Malloch, der zuvor als neuer US-Repräsentant gehandelt wurde.

insgesamt 11 Beiträge
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Yadanar 17.03.2018
1. Und wenn man dachte, ...
... es könnte kaum noch schlimmer kommen ... Nicht, dass man es grundsätzlich bedauern sollte. Aber dieser "Präsident" degradiert die USA zum Musical-Staat. Nach seiner Abwahl/Ablauf seiner Amtszeit wird es einige Zeit dauern, bis das Land sein früheres Ansehen und politisches Gewicht wiedergewonnen haben wird.
Atheist_Crusader 17.03.2018
2.
Vielleicht kommt Europa für eine Weile auch ohne amerikanische Botschafter aus. Hören tut Trump ja sowieso auf Niemanden, damit sind sie sowohl als Beratung für ihn wie auch als Kontaktmöglichkeit für uns wertlos. Und es steht zu erwarten dass es nur zu weiteren Zumutungen kommt so wie sie die Niederlande schon erleben mussten. Und da schon 60% aller Top-Diplomaten seit seinem Amtsantritt den Dienst im State Department quittiert haben, sollte man die wenigen verbliebenen vielleicht auf potentielle Konfliktherde konzentrieren. Südkorea zum Beispiel hat auch immer noch keinen. Wobei, vielleicht ist Keiner sogar besser als ein weiterer Stümper und Lügner von Trumps Gnaden.
eunegin 17.03.2018
3. eine ganz große Reality-Show
Trump versteht ganz offensichtlich nichts von Politik und kann die weitreichenden Folgen seines Handelns nicht abschätzen. Seine Erfahrung aus dem teilweise halbseidenen New Yorker Immobiliengeschäft und niveaulosen Reality Shows, angereichert von Fox-News-Konsum lassen ihn die größte Reality Show der Welt kreieren. Bleibt niveaulos, aber leider nicht ohne Folgen. Nur sind die nicht vorhersehbar. Man kann hoffen, dass wir das mit einem blauen Auge überstehen. An Sondland wird es nicht liegen, er ist eine inhaltliche lame duck. Dummerweise hat sich Trump aber auch des qualifizierten Personals im State Department entledigt und die Verbliebenen leben in Angst und Unsicherheit. Eigentlich alles wirklich irre. Man gewöhnt sich daran...
meimic29 17.03.2018
4.
Dieses Vorgehen ist in der Politik völlig üblich, auch in Deutschland. Sachgebietsfremde, aber loyale Politiker werden zu Herren über Ministerien von denen sie keinen blassen Schimmer haben.
Pfaffenwinkel 17.03.2018
5. Sondland
scheint immerhin ein Mann zu sein, der Trump auch mal widerspricht. Ob er dann allerdings lange seinen Posten behalten wird, wage ich zu bezweifeln.
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