Amerikanische IS-Kämpferin Warum Hoda Muthana nicht in die USA zurück darf

Die ehemalige IS-Anhängerin Hoda Muthana möchte in die USA heimkehren. Aber die Regierung will sie nicht ins Land lassen. Gilt für die USA nicht, was Präsident Trump von europäischen Ländern fordert?

Hoda Muthana mit Sohn Adam
ddp/intertopics/eyevine/The Guardian

Hoda Muthana mit Sohn Adam

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Als Hoda Muthana sich von den USA auf den Weg nach Syrien machte, um sich der Terrororganisation "Islamischer Staat" anzuschließen, veröffentlichte sie auf Twitter ein Bild, auf dem sie mit ihrem amerikanischen Pass zu sehen war. "Bald gibt es ein Lagerfeuer", schrieb die junge Frau darunter. Ob sie ihren Pass damals wirklich verbrannt hat, ist nicht klar. Klar ist: Muthana will einen neuen Pass und zurück in die USA.

Sie könne nicht ausdrücken, wie sehr sie ihre Entscheidung von damals bereue, erzählt die heute 24-Jährige der "New York Times" und dem "Guardian". Muthana ist eine der rund 1500 ausländischen Frauen und Kinder des IS, die von Kurden im Flüchtlingslager al-Hul in Syrien festgehalten werden. Seitdem sie von den Kurden gefangen wurde, versucht Muthana alles, um zurück in den US-Bundesstaat Alabama zu kommen.

Doch US-Präsident Donald Trump will sie nicht zurücknehmen. Zwar forderte Trump erst kürzlich die europäischen Staaten auf, 800 inhaftierte IS-Kämpfer wiederaufzunehmen. Andernfalls seien die USA gezwungen, die Kämpfer freizulassen. In Deutschland löste das eine heftige Diskussion über den Umgang mit Staatsbürgern, die in den Dschihad ziehen, aus.

Für Trumps eigenes Land soll das aber offenbar nicht uneingeschränkt gelten. Muthana, sagte US-Außenminister Mike Pompeo im Gespräch mit dem Sender "Fox News", sei keine US-Amerikanerin, sie habe keinen US-Pass und kein Recht, in die USA einzureisen. Ob das stimmt, wird von Experten unterschiedlich beurteilt. Die rechtliche Lage scheint kompliziert.

Eigentlich erhält jedes Kind, das in den USA geboren wird, automatisch die amerikanische Staatsbürgerschaft. Laut dem Anwalt der Familie ist Muthana 1994 in New Jersey geboren. Doch Muthana ist auch die Tochter eines jemenitischen Diplomaten. Für diese gilt die Regelung nicht.

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Hodas Vater, Ahmed Ali Muthana, will das nicht akzeptieren und klagt: Gegen Trump, Pompeo und den Generalstaatsanwalt William Barr und dafür, dass seine Tochter zurückkehren darf. In seinem Eilantrag vor Gericht heißt es, der Jemen habe ihn im Juni 1994 aufgefordert, seinen Diplomatenpass zurückzugeben. Am 28. Oktober desselben Jahres wurde dann seine Tochter geboren. Der Anwalt der Familie warf der Regierung vor, sie ihrer Staatsbürgerschaft berauben zu wollen. Das US-Außenministerium ging allerdings zwischenzeitlich davon aus, dass Muthana bis Februar 1995 Diplomat war - also nach der Geburt seiner Tochter - und begründet damit seine Entscheidung.

Nach internationalem Recht werden nach dem Ende von Konflikten die ehemaligen Kämpfer in ihren Ländern repatriiert. Die USA sind davon in diesem Fall in sehr viel geringerem Maße betroffen als europäische Staaten. Insgesamt sind nur eine kleine Anzahl von Amerikanern nach Syrien gereist, um für den IS zu kämpfen. 300 US-Amerikaner sollen es laut einem Bericht des Extremismusforschungsprogramms der George Washington Universität versucht haben. Etwa 59 Menschen reisten nach dem Report tatsächlich ein.

Eine von ihnen ist Hoda Muthana. 2014 steigt sie in ein Flugzeug, das sie in die Türkei bringt. Sie hatte das Vorhaben lange geplant. Für die Reise nahm sie das Geld ihrer Eltern für die Studiengebühr für die Universität in Birmingham. Von der Türkei reiste sie weiter bis in die syrische IS-Hochburg Rakka, um für den IS in den Kampf zu ziehen. Diesen focht sie vor allem online: In sozialen Medien verbreitete sie IS-Propaganda und forderte das Blut der Amerikaner - einen Selbstmordanschlag in Amerika. Jetzt sagt sie: Andere hätten ihren Twitterkanal übernommen.

Das Smartphone: Ein Tor in die radikale Welt des Islam

Muthana heiratete einen australischen Dschihadisten, der in einer Schlacht getötet wurde. Dann einen Tunesier, der beim Kampf um Mossul fiel. Dann einen Syrer. Heute hat sie ein 18 Monate altes Kind von ihrem zweiten Mann. Sie hat mit Journalisten darüber gesprochen, dass sie sich um die Zukunft ihres Sohnes sorgt. Darüber, dass sie sich online radikalisiert hat, als sie zum Schulabschluss ihr erstes Smartphone bekam: Ein Tor in die radikale Welt des Islam.

Außer Muthana ist noch eine weitere Amerikanerin im Lager in Syrien. Auch die 46-jährige Kimberly Gwen Polman mit kanadisch-amerikanischer Staatsbürgerschaft will zurückkehren. Im Interview sagten die beiden Frauen der "New York Times", dass es noch eine weitere Familie von vier Schwestern aus Seattle mit vier Kindern gebe, die in einem anderen Camp untergebracht sein sollen. Bisher seien sie im kurdischen Lager noch nicht von ihren Heimatstaaten kontaktiert worden. Offenbar wegen der ungeklärten Frage ihrer Staatsbürgerschaft.

Damit unterscheiden sie sich von den männlichen Dschihadisten aus den USA: Fast alle Männer, die im Kampf gegen den IS gefangen genommen wurden, wurden inzwischen in die USA zurückgeschickt: Insgesamt sind es zwölf. Einer von ihnen reiste nach dem Bericht daraufhin zurück nach Syrien, um ein Selbstmordattentat zu verüben. Neun sitzen in den USA im Gefängnis. Zwei weitere sind den Behörden zwar bekannt, aber nicht in Gewahrsam. Nur die Frauen sind noch in Syrien. Laut "New York Times" sollen es mindestens 13 sein. Warum sie nicht in die USA überstellt werden, ist nicht klar.

Mit Material von AFP



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