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25. Januar 2017, 07:58 Uhr

Stopp von Einwanderung

Trump startet die Abschottung

"Ich werde die Mauer bauen!" Donald Trump will am Mittwoch erste Schritte zur Abschottung gegen Einwanderer einleiten. Just an dem Tag, an dem die USA und Mexiko über ihre künftigen Beziehungen verhandeln.

Es wird kein angenehmes Treffen mit dem "Teufel". Mexiko schickt hochrangige Regierungsvertreter nach Washington, um am Mittwoch und Donnerstag über die Zukunft beider Länder zu verhandeln. Mit dabei ist Wirtschaftsminister Ildefonso Guajardo, der über Donald Trump einmal gesagt hat: "Wenn wir mit dem Teufel sprechen müssen, um die Sicherheit der Mexikaner zu garantieren, dann sprechen wir mit dem Teufel."

Trump, nun US-Präsident, hat vor Beginn der Gespräche mit dem Nachbarland seine harte Position unterstrichen. Mittwoch sei ein "großer Tag", was das Thema nationale Sicherheit angehe, schrieb er am Dienstagabend bei Twitter: "Neben vielen anderen Dingen werden wir die Mauer bauen!"

US-Medien berichten übereinstimmend unter Berufung auf Quellen im Weißen Haus, Trump werde am Mittwoch den Bau der Mauer mit Staatsmitteln anordnen.

Im Wahlkampf hatte er für den Fall seines Sieges den Bau einer "großen, schönen", massiven Mauer entlang der 3200 Kilometer langen Grenze zum südlichen Nachbarn angekündigt, um die illegale Einwanderung zu stoppen.

Der neue US-Präsident treibt auch andere Pläne zur Beschränkung der Einwanderung voran. Das berichteten Kongressmitarbeiter und Experten.

Lateinamerika in Sorge

Staatsangehöriger lateinamerikanischer Länder wurden in diesem Zusammenhang noch nicht explizit benannt. Die Sorge in der Region nach dem Amtsantritt von Trump ist allerdings groß. Über die Folgen des Machtwechsels in den USA werden die Chefs der Staaten Lateinamerikas und der Karibik am Mittwoch bei einem Gipfel in der Dominikanischen Republik beraten. Bei dem Treffen der 33 Mitgliedsländer der Gemeinschaft Celac soll es auch um Handelsfragen und Migration gehen.

Trump hatte am Montag das Transpazifische Freihandelsabkommen TPP gestoppt, wovon in der Region die Länder Peru, Chile und Mexiko betroffen sind. Zudem will er das Nordamerikanische Freihandelsabkommen (Nafta) neu verhandeln oder sogar aufkündigen. Über Nafta sind USA, Kanada und Mexiko verbunden.

Allerdings hängt die US-Wirtschaft vom Handel mit dem Ausland ab - eine Analyse dazu finden Sie hier.


Mexikos Regierung machte bereits klar, dass Trumps Mauerpläne und deutliche Abstriche bei Nafta für sie nicht akzeptabel sind. "Es gibt klare rote Linien, die wir von Anfang an festlegen", sagte Wirtschaftsminister Guajardo dem Fernsehsenders Televisa vor seiner Reise nach Washington. Notfalls werde er die Gespräche mit der neuen US-Administration abbrechen.


An dem hochrangigen Treffen mit den Vertretern Mexikos nehmen auf amerikanischer Seite der Stabschef im Weißen Haus, Reince Priebus, Trumps Schwiegersohn und enger Berater Jared Kushner, Trumps Chefstratege Stephen Bannon und der nationale Sicherheitsberater Michael Flynn teil.

Trump drohte zuletzt US-Unternehmen, die ihre Produktion nach Mexiko verlegen, mit hohen Importzöllen. Er will verhindern, dass Firmen ihre Produktion von den USA nach Mexiko verlegen.

Zudem hat er angekündigt, Millionen illegaler Einwanderer abzuschieben. In einem ersten Schritt wären davon vor allem straffällig gewordene Migranten ohne Aufenthaltsberechtigung betroffen. Die Integration von Millionen Menschen dürfte Mexiko vor große Probleme stellen.

Für Mexiko ist der Handel mit den USA sehr wichtig. 80 Prozent der Exporte gehen in die Vereinigten Staaten. Für die Verhandlungen in Washington haben sich die Mexikaner ihre Argumente zurechtgelegt: Sechs Millionen Arbeitsplätze in den USA hängen vom Handel mit dem Nachbarland ab. Mexiko ist der zweitgrößte Kunde für US-Produkte. Bei der Bekämpfung der illegalen Einwanderung sind die Vereinigten Staaten auf Mexiko angewiesen.

Mexiko wird sich in jedem Fall neu aufstellen müssen: Das Land will künftig unabhängiger vom Nachbarland werden.

kgp/dpa/Reuters/AP

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