Erstes Interview nach Wahlsieg Trump will Präsidentengehalt ausschlagen

Das Gehalt eines US-Präsidenten ist für Trump offenbar nicht der Rede wert: In einem Interview erklärte er, für seinen neuen Job nur einen Dollar pro Jahr anzunehmen. Außerdem sprach er über seine Kritiker und die "netten" Clintons.

Donald Trump bei seinem Besuch im Oval Office
DPA

Donald Trump bei seinem Besuch im Oval Office


Seit einer knappen Woche steht fest: Donald Trump wird der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Seitdem ist viel passiert, aber erst jetzt hat der 70-Jährige dem US-Sender CBS ein ausführliches Interview zu seinem Wahlkampf, zur Nacht seines Triumphs und vor allem zu seinen Plänen für die kommenden Monate gegeben.

Erste Aussagen waren schon vor der Ausstrahlung am Sonntagabend bekannt geworden. Zum Beispiel, dass Trump vor hat, gleich nach Amtsantritt bis zu drei Millionen Migranten aus den USA abzuschieben, genauer: Kriminelle, Drogendealer und Bandenmitglieder. "Wir schaffen sie außer Landes, oder wir sperren sie ein."

Trumps Einwanderungspolitik war aber nicht das einzige Gesprächsthema des "60 Minutes"-Interviews. Der Überblick:

  • Über Geld: Trump will als Präsident nicht das übliche Gehalt für dieses Amt in Anspruch nehmen. Er werde bloß einen Dollar pro Jahr akzeptieren, sagte Trump, der Multimilliardär, in dem CBS-Interview. Laut dem Sender liegt das übliche jährliche Einkommen eines US-Präsidenten bei umgerechnet etwa 370.000 Euro.
  • Über das Präsidentenamt: CBS-Journalistin Lesley Stahl fragte Trump während des Interviews, wie er über sein künftiges Amt denke. Antwort Trump: "Ich respektiere es. Aber ich habe keine Angst davor."
  • Über die Clintons: Es klang fast schon überschwänglich, was Trump über seine einstige Rivalin Hillary Clinton und ihren Ehemann Bill Clinton sagte. Hillary habe ihm in einem "reizenden" Telefonat in der Wahlnacht zu seinem Sieg gratuliert, sagte Trump. "Sie hätte nicht netter sein können. Sie sagte schlicht, 'Glückwunsch Donald, gut gemacht' - und ich antwortete: 'Du warst eine großartige Konkurrentin.' Sie ist sehr stark und sehr klug."
    Bill habe ihn dann am Donnerstag nach der Wahl angerufen, und auch er "hätte nicht freundlicher sein können. Er sagte, es sei ein erstaunliches Rennen gewesen - das erstaunlichste, das er jemals gesehen habe. Er war sehr, sehr, wirklich sehr nett."
  • Über seine Kritiker: Seit dem Wahlsieg Trumps demonstrieren Zehntausende Menschen gegen den künftigen Präsidenten. Diesen wolle er sagen: "Habt keine Angst", so Trump in dem Interview. Seine Kritiker forderte er auf, ihm "ein bisschen Zeit" zu geben.
  • Über gewalttätige Anhänger: In den vergangenen Tagen hatte es mehrfach Meldungen über Angriffe auf Angehörige von Minderheiten gegeben, körperlich und verbal. "Ich hasse es, so etwas zu hören, und es macht mich traurig, so etwas zu hören", sagte Trump nun dazu. "Wenn es hilft, werde ich Folgendes sagen, und ich werde es direkt in die Kameras sagen: Hört auf damit!"
  • Über die Homo-Ehe: Trump stellte klar, dass er nicht an der Legalisierung der Homo-Ehe durch das Oberste Gericht der USA rütteln werde. "Diese Frage ist entschieden, das ist jetzt das Recht", sagte er. Er persönlich habe nichts gegen gleichgeschlechtliche Ehen: "Für mich ist das okay."
  • Über Reue: "Ich denke, das meiste war nötig, um zu gewinnen", sagte Trump auf die Frage, ob er seinen oft schroffen, beleidigenden Tonfall im Wahlkampf bereue. Er sei gegen harte Rivalen angetreten, "sie sind keine Babys".

Im Anschluss an das Interview mit Trump beantwortete Journalistin Stahl selbst einige Fragen dazu. "Ich habe einige Veränderung gesehen", sagte sie über Trump. "Er war überwältigt, sehr viel ernster." Das Gespräch fand im Trump Tower in New York statt (hier können Sie das komplette Interview auf Englisch nachlesen). Mit dabei war auch Trumps Familie.

aar/dpa/AFP

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