Nach historischem Korea-Gipfel Trump beharrt auf Sanktionen gegen Pjöngjang

Jubel war gestern, jetzt macht US-Präsident Trump weiter Druck: Auch nach dem historischen Gipfel der beiden koreanischen Staaten will er die Sanktionen gegen das Regime von Kim Jong Un nicht aufheben.

Nordkorea trifft Südkorea in Panmunjom
DPA

Nordkorea trifft Südkorea in Panmunjom


US-Präsident Donald Trump will den wirtschaftlichen Druck auf Nordkorea aufrechterhalten. Die Sanktionen blieben in Kraft, sagte Trump am Freitag. Er wolle die Fehler früherer Regierungen nicht wiederholen. Der Druck werde bis zur vollständigen Denukluearisierung beibehalten.

Zuvor hatten sich Nord- und Südkorea bei einem Gipfeltreffen darauf geeinigt, die geteilte Halbinsel schrittweise von Atomwaffen zu befreien und den seit fast sieben Jahrzehnten andauernden Kriegszustand zu beenden. Vom 1. Mai an sollen alle feindseligen Handlungen, einschließlich der Lautsprecherdurchsagen an der Grenze und der Verbreitung von Flugblättern in der Demilitarisierten Zone (DMZ) eingestellt werden.

Beide Seiten einigten sich auch auf die Wiederaufnahme gemeinsamer humanitärer Projekte wie die Treffen von durch den Krieg auseinandergerissenen Familien. Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un erklärte: "Nord- und Südkorea sind Brüder, die nicht getrennt voneinander leben sollten."

Pjöngjang und Seoul wollten aktiv zusammenarbeiten, um ein dauerhaftes Friedenssystem aufzubauen, heißt es in einer gemeinsamen Absichtserklärung zum Abschluss des Treffens. Die Einrichtung eines Friedenssystems sei eine historische Aufgabe, die nicht mehr aufgeschoben werden könne: "Wir erklären, dass kein Krieg mehr auf der koreanischen Halbinsel ausbrechen wird." (Eine ausführliche Analyse des Treffens zwischen Südkoreas Präsident Moon Jae In und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un lesen Sie hier.)

Nach dem historischen Korea-Gipfel haben auch die nordkoreanischen Staatsmedien am Samstag das Ziel der Schaffung einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel genannt. Die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA berichtete: "Nord- und Südkorea bestätigen das gemeinsame Ziel, durch vollständige Denuklearisierung eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel zu verwirklichen." Man teile die Auffassung, dass die vom Norden und Süden ergriffenen Maßnahmen sehr bedeutsam und wichtig für die Denuklearisierung seien. Beide Seiten hätten zugestimmt, ihren jeweiligen Verantwortlichkeiten gerecht zu werden.

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Treffen von Kim und Moon: Ein Schritt nach vorn

Trump nennt Abmachung historisch

Die Übereinkunft zwischen Nord- und Südkorea wurde international begrüßt - auch von Trump. "Koreakrieg vor dem Ende" schrieb der US-Präsident auf Twitter in Großbuchstaben, nachdem sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und Südkoreas Staatschef Moon Jae In zu Frieden und atomarer Abrüstung bekannt hatten. Trump bezeichnete das Gipfeltreffen als "historisch". Und: "Die USA und ihr großartiges Volk sollten sehr stolz auf das sein, was sich gerade in Korea abspielt", hieß es weiter in der Twitter-Botschaft.

Für die kommenden Wochen ist auch ein Treffen zwischen Kim und Trump geplant. Eine solche Begegnung galt lange Zeit als ausgeschlossen. Trump machte das Zustandekommen einer Begegnung mehrfach von einem Erfolg des Gipfels im Grenzort Panmunjom abhängig.

Trump sagte weiter, er gehe nicht davon aus, dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un spiele. "So weit ist es noch nie gekommen. Dieser Eifer, eine Vereinbarung zu erzielen." Aber nur die Zeit werde es zeigen.

Nach dem von viel Symbolik geprägten innerkoreanischen Gipfel wird nun mit Spannung ein geplantes Treffen von Trump und Kim erwartet, das Ende Mai oder im Juni stattfinden soll. Experten zufolge braucht Kim zur Modernisierung der maroden Wirtschaft seines Landes die Aufhebung der Sanktionen. Australiens Ministerpräsident Malcom Turnbull sieht in den Strafmaßnahmen einen Hauptgrund für Kims Bereitschaft, die Atomwaffen abzubauen: "Jetzt dürfen wir bei dem wirtschaftlichen Druck nicht nachgeben, bis dieses Ziel erreicht ist."

oka/dpa/Reuters



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aljoschu 28.04.2018
1. Wenn Zwei sich annähern - tobt der Dritte!
Das war bei der Annäherung zwischen Europa und Russland so, und genau so ist es jetzt, da sich endlich die beiden Koreas einen Schritt näher kommen. Das ist nicht im geopolitischen Interesse der USA und das hat auch nichts mit dem Trump zu tun. Obsma oder die Clinton hätten das gleichermaßen sabotiert. Amerika kann und wird nicht zulassen, dass es die dritte Geige spielt.
micromiller 28.04.2018
2. Einwenig zu viel Frieden
und dann auch noch so versöhnlich, dass passt absolut gar nicht in die Gedankenwelt der US Rüstungskartelle. Trump muss jetzt irgendwie trommeln, sonst hat er die Demokraten und den Rüstungslobby im Genick. Hoffentlich hält er das alles durch bis zum grossen Treffen in Korea. Notfalls müssen die Koreaner ohne die USA ihren Frieden bauen, wird recht kompliziert, aber sicherlich nachhaltig, Die Koreaner haben unter den Japanern und den US schrecklich gelitten und viele Millionen Menschen verloren, diese Erinnerungen sollten reichen um ein gemeinsames, strarkes Nationalbewusstsein einen Frieden jenseits der Grossmächte aufzubauen.
sven2016 28.04.2018
3.
Blöd nur, dass dann mittelfristig die USA ihre 35.000 Soldaten aus Südkorea abziehen sollen. Ob Trump das dann auch noch als positiv ansieht? Bisher haben die USA nahezu überall Truppen stehen und beschweren sich dann, wie teuer das ist.
gunpot 28.04.2018
4. Nun bleibt nur zu hoffen,
dass Trumpel die beiden koreanischen Staaten machen lässt und nicht zu sehr die Beibehaltung der Sanktionen gegen NK propagiert. Die passen demnächst nicht mehr in die politische Landschaft. Schön wäre es auch, wenn jetzt so schnell wie möglich Verträge zwischen den beiden Staaten in fast allen Bereichen abgeschlossen werden (Wirtschaft, Kulturelles, Aufbau, Austausch von Studenten, Schülern, Lehrern, Wissenschafttlern, Verwaltungsbeamten, etc...) und bloß nicht mehr auf die Idee kommt, Manöver abhalten zu wollen. Sollte es da Störfeuer seitens der USA geben, dann sind die Koireaner gut beraten, sich hiervon nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, indem sie den Entspannungskurs ungestört fortsetzen. Südkorea ist jetzt gut beraten, einen Fahrplan bzw. routing map auf den Tisch zhu legen, der anzeigt, wie die Sanktionen zügig abgebaut werden, ohne hierfür Vorleistungen des nördlichen Nachbarn zu verlangen. Lenin sagte ja, Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Hier sollte das Zitat umgekehrt werden: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser. Hoffentlich versteht das auch Trumpel. Sollte Nordkoreas Machthaber doch wieder rückfällig werden wie schon vorher sein Vater, dann kann ich mir nicht vorstellen, dass da noch die Chinesen mitspielen werden. Ich glaube schon, dass die Chinesen Kim bei seinem letzten Besuch in China klaren Wein eingschenkt haben, damit aber nicht tropetenhaft in die Öffentlichkeit getreten sind. Man wahrt eben in Asien das Gesicht des anderen. Das wird Trumpel nie verstehen. Also, der Glaube und die Hoffnung sind nicht zerstört. So haben auch wir unsere Wiedervereinigung hinbekommen. Lasst die Koreaner es selbst in die Hand nehmen.
Gottfried 28.04.2018
5. Daran kann jeder erkennen,
dass es den USA in keiner Weise um den Weltfrieden geht. Man will das der Norden kapituliert. Man stellt Vorbedingungen die Kim niemals akzeptieren wird, darum wird alles so bleiben wie bisher. Die US Politik wird sich nicht ändern, den Schaden daraus haben wir alle.
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