Offener Brief Wissenschaftler drängen Trump, an Iran-Deal festzuhalten

Donald Trump will das Atomabkommen mit Iran aufkündigen. Nun fordern zahlreiche Spitzenwissenschaftler den künftigen US-Präsidenten dazu auf, den historischen Deal weiter zu unterstützen.

Donald Trump
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Im Wahlkampf hatte der designierte Präsident Donald Trump angekündigt, unter seiner Führung würden die USA aus dem Atomabkommen mit Iran aussteigen. Nun warnen führende US-Wissenschaftler in einem offenen Brief davor, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Wie die "New York Times" berichtet, bezeichnen die Unterzeichner des Briefes den Deal als "ein Bollwerk" gegen Irans Bemühungen, eigene Atomwaffen zu bauen.

"Wir fordern Sie auf, dieses entscheidende strategische Element der USA zu bewahren", heißt es demnach in dem Schreiben. Unter den 37 Wissenschaftlern, die den Brief unterschrieben haben, befinden sich mehrere Nobelpreisträger, ehemalige wissenschaftliche Berater des Weißen Hauses, frühere Hersteller von Nuklearwaffen und der Leiter der größten Wissenschaftsgesellschaft der Welt.

Der Vertrag mit Iran gehört zu den bedeutendsten Errungenschaften der Regierung von Nochpräsident Barack Obama. Das Abkommen soll Iran am Bau von Atomwaffen hindern und sieht vor, dass die internationalen Sanktionen aufgehoben werden - wenn Teheran sich an die Bedingungen hält und unter anderem 95 Prozent seines angereicherten Urans beseitigt. Zudem erhält Iran den Zugriff auf ein geschätztes 100-Milliarden-Euro-Vermögen, das auf ausländischen Banken eingefroren worden war.

Trump hatte das Abkommen in der Vergangenheit als den "schlechtesten Deal, den die USA je ausgehandelt haben" bezeichnet. In einer Rede vor einer proisraelischen Lobbygruppe hatte er erklärt, dass seine "oberste Priorität die Demontage dieses katastrophalen Abkommens" sei.

Positive Entwicklungen seit Abschluss des Deals

Der Physiker Richard L. Garwin hat der "New York Times" zufolge nun zahlreiche Wissenschaftler zusammengerufen, um sich in einem öffentlichen Brief gegen dieses Vorhaben zu stellen. Garwin war am Bau der ersten Wasserstoffbombe beteiligt und hat lange Zeit die US-Regierung in Fragen zu Waffenkontrolle und dem Bau von Atomwaffen beraten.

In dem Brief an Trump verweisen er und seine Mitunterzeichner auf die positiven Entwicklungen seit Abschluss des Atomdeals. Dank des Abkommens sei demnach das Risiko, dass Iran innerhalb kürzester Zeit große Mengen an Atomwaffen herstellen könnte, deutlich gesunken. Dies habe auch einen positiven Einfluss auf Irans Nachbarländer, die nun ebenfalls weniger Grund haben, Atomwaffen zu bauen.

Mit ihrer Argumentation sind die Wissenschaftler nicht allein. Bereits im November vergangenen Jahres warnte CIA-Chef John Brennan vor einem Ausstieg aus dem Deal. Er bezeichnete Trumps Vorhaben als "Gipfel des Irrsinns" und warnte vor möglichen Folgen.

asc/Reuters

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Palmstroem 03.01.2017
1. Kann man den Ajatollahs trauen?
Die entscheidende Frage ist - kann man den Ajatollahs im Iran trauen. Ihr aggressives Verhalten im Mittleren Osten spricht nicht dafür. Der Iran und seine Terrormilizen sind dort an allen Konflikten beteiligt. Und nach wie vor gilt die USA als Teufel. Nach wie vor gilt im Iran die Scharia und nach wie vor werden Oppositionelle verhaftet und gefoltert. Und nach wie vor ist der Iran, das Land mit den meisten Hinrichtungen nach China. Im letzten Jahr waren es fast eintausend, die gehängt oder gesteinigt wurden.
l/d 03.01.2017
2. Trump hat meine Zustimmung
Meine Zustimmung gilt zwar nichts, aber wie verheerend es ist, wenn ein islamisch geprägter Staat, dessen Religion die Unterwerfung aller Völker unter den Willen Allahs anstrebt, eine Atomwaffe besitzt, hätten wir - besser gesagt: Israel - fast am Beispiel Pakistans erlebt. Da hilft kein Zugeständnis, sondern nur rigorose Kontrolle oder Vernichtung der Waffen. Wer es nicht glaubt, kann Erdogan kleine taktische Atomwaffen in die Hand geben und sich die nächsten Drohungen anhören. Die Welt braucht keine Weltmissionierungsreligion mit Autokraten im Wahn, die über Atomwaffen verfügen. Die Welt braucht Ruhe vor solchen Bestrebungen.
Meconopsis 03.01.2017
3. Da kann man jetzt nur noch auf Putin hoffen
Der Ausstieg aus diesem Abkommen wäre wirklich ein Irrsinn. Deutsche Regierungspolitiker müssen sich aber erst mal hinten anstellen, bevor sie bei Trump überhaupt vorgelassen werden. Der Einfluss Deutschlands auf die amerikanische Politik war vorher schon gering, mit Trump an der Spitze dürfte er in Zukunft bei nahe Null liegen. Da kann man jetzt nur noch auf Putin hoffen, dass er in dieser Frage einen positiven Einfluss auf Trump ausübt.
fabianw83 03.01.2017
4. Leider..
.. wird es nichts bringen, mit sachlichen Argumenten für eine Fortführung des Iran-Deals zu werben. Insbesondere dann nicht, wenn die Vorschläge von "Experten" kommen. Ich glaube nichts hasst der designierte Präsident mehr als Intellektuelle, die ihm aufzeigen wie wenig Kenntnisse er besitzt. Das kratzt einfach zu sehr an seinem Ego und widerspricht seiner Vorstellung eines "wirklich cleveren Kerls", für den er sich selbst hält. Aber man darf die Hoffnung ja nicht aufgeben!
jjcamera 03.01.2017
5. Man wusste es vorher.
Das Thema, mit dem er die Wahl gewonnen hat: Abschaffung der Gesetze und Abkommen der Obama-Administration. Es ist zu befürchten, dass er der erste Präsident ist, der all seine Wahlversprechen wahr macht.
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