"NYT"-Bericht Trump wollte offenbar Sonderermittler Mueller feuern

Laut "New York Times" hat der US-Präsident im Juni die Entlassung des Sonderermittlers in der Russlandaffäre angeordnet. Erst die Drohung eines Rechtsberaters habe Trump von seinem Plan abgebracht.

Donald Trump
AP

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US-Präsident Donald Trump soll nach Informationen der "New York Times" im Juni 2017 die Entlassung von Robert Mueller angeordnet haben. Mueller untersucht mögliche illegale Absprachen zwischen Trumps Wahlkampfteam und der russischen Regierung. Er geht auch dem Verdacht nach, dass Trump als Präsident die Ermittlungen zu den Moskau-Kontakten zu behindern versucht haben könnte.

Die Zeitung beruft sich auf vier Quellen, die namentlich nicht genannt werden wollten. Demnach habe der Rechtsberater des Weißen Hauses, Donald McGahn, damit gedroht, dass er lieber selbst zurücktrete, bevor er die Entlassung Muellers in die Wege leite. Daraufhin habe der US-Präsident von seinem Plan abgelassen.

Es ist das erste Mal, dass über einen solchen Versuch Trumps berichtet wird. Mueller und sein Ermittlerteam haben laut "NYT" bereits in den vergangenen Wochen davon erfahren, als sie aktuelle und ehemalige Mitarbeiter des Weißen Hauses befragten.

Trump dementierte den Bericht am Freitag. Es handele sich um "Fake news", sagte er zu Reportern im schweizerischen Davos.

McGahn hat dem Bericht zufolge mit mehreren Angestellten im Weißen Haus über Trumps Anordnung gesprochen. Der Rechtsberater habe dabei vor "katastrophalen Konsequenzen" für Trump gewarnt, sollte er Mueller tatsächlich entlassen. Zudem befürchtete McGahn offenbar, dass durch einen solchen Schritt erst recht Fragen aufkommen würden, ob das Weiße Haus die Ermittlungen zur Russlandaffäre behindere.

McGahn ist Republikaner und war einer der führenden Anwälte in Trumps Wahlkampfteam. Als Rechtsberater des Weißen Hauses ist er für juristische Fragen zuständig, die den US-Präsidenten und das Weiße Haus betreffen.

Die "NYT" versuchte eigenen Angaben zufolge, eine Stellungnahme aus dem Weißen Haus einzuholen. Dort habe man sich aber nicht zur aktuellen Berichterstattung äußern wollen, "aus Respekt vor dem Amt des Sonderermittlers", wie es hieß.

Video: Trump will unter Eid zur Russlandaffäre aussagen

Am Vortag hatte Trump angekündigt, dass er selbst bereit sei, sich in den Ermittlungen zur Russlandaffäre von Mueller unter Eid vernehmen zu lassen: "Ich freue mich darauf." Trump hat die Vorwürfe stets bestritten und die Ermittlungen als "Hexenjagd" bezeichnet.

aar



insgesamt 74 Beiträge
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Francois S. 26.01.2018
1. Vielleicht hätte er es längst tun sollen?
Viele Republikaner sehen Mueller als viel zu parteiisch für die Rolle eines 'Special Counsels'. Seine nähe zur FBI und ex-FBI Chef Comey könnten noch problematisch werden.
gandhiforever 26.01.2018
2. Das passt
Trump versucht schliesslich alles, um eine Aufklaerung seiner Involvierung in die Russland-Affaere zu verhindern. Dazu gehoeren auch seine Einflussnahmen (auch die versuchten) und Attacken auf das FBI. Robert Mueller weiss schon lange um diese Tatsachen, interessant ist aber der Umstand, dass wir erst jetzt davon erfahren. Dass Rechtsberater McGahn mit seinem Ruecktritt drohte (und damit Trump zum Einlenken bewegte) ist weniger bedeutsam, schliesslich ist Trump davon ueberzeugt, er koenne gar nicht das Recht brechen. Obstruction of Law kommt ihm da nicht in den Sinn, fuer ihn ist das "fighting back". Robert Mueller kommt Trump immer naeher.
Tomas Maidan 26.01.2018
3. Man darf gespannt sein
wie viele Trump-Fans auch in diesem Forum schwören werden, dass an den Vorwürfen nichts dran ist... Vor einem Meineid wird Trump wohl kaum zurück schrecken.
eunegin 26.01.2018
4. Trump - plumper geht nicht mehr
Noch 3 Jahre darf man sich diesen plumpen Egotrip ansehen. Wenn schon seine politischen Berater keinen Einfluss haben (gefährlich für uns), dann zuweilen wenigstens die Rechtsberater. Das ist insofern nicht schlecht, als dass er um sich schlagen würde, wenn er in die Enge getrieben wird (oder sich selbst dorthin manövriert). Genau das wäre unberechenbar und brandgefährlich.
Francois S. 26.01.2018
5. Es ist ja bekannt das Trump Mueller feuern wollte wegen
Interessenskonflikte. Hat er aber nicht getan. Ist das 'nicht feuern' jetzt auch eine Story wert?
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