England, Schottland, Wales gegen Trump Briten üben Widerstand

London, Edinburgh, Cardiff: In vielen britischen Städten sind am Abend Menschen auf die Straße gegangen, um gegen US-Präsident Donald Trump zu demonstrieren. Auch Premierministerin May stand im Fokus der Kritik.

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In vielen britischen Städten haben am Montagabend Zehntausende Menschen gegen die Politik von US-Präsident Donald Trump demonstriert. Auf Schildern und Bannern forderten sie Premierministerin Theresa May auf, sich deutlicher vor allem von dem umstrittenen Einreise-Dekret zu distanzieren.

Trump hatte am Freitag ein Einreiseverbot für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern erlassen. Tausende Amerikaner gingen seitdem dagegen auf die Straße, im US-Kongress und in den Behörden regt sich Widerstand, der Bundesstaat Washington will gerichtlich gegen das Dekret vorgehen (Lesen Sie alle Entwicklungen in unserem Newsblog).

Theresa May hatte am vergangenen Freitag ihren Antrittsbesuch bei Trump in Washington gemacht und die Gegeneinladung der Queen an den US-Präsidenten überbracht.

Auch May war deshalb Zielscheibe für Zorn und Spott der britischen Demonstranten: "Shame on May" (Schande auf May) war auf Plakaten zu lesen sowie: "Theresa the Appeaser" (Theresa die Beschwichtigerin).

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Massenproteste in Großbritannien: "Nein zu Trump"

Auch in Glasgow, Edinburgh, Cardiff, Newcastle, Sheffield, Oxford, Cambridge, Brighton, Gloucester, Leeds, York, Liverpool, Leicester und anderen Städten kam es zu Protesten.

Im britischen Parlament rief das umstrittene Dekret des neuen US-Präsidenten ebenfalls heftigen Widerspruch hervor. Die Abgeordneten kamen am Abend spontan zu einer außerordentlichen Debatte zusammen.

Zuvor hatte der britische Außenminister Boris Johnson das Einreiseverbot für Flüchtlinge und Bürger mehrerer mehrheitlich muslimischer Länder als falsch bezeichnet.

Johnson versicherte im Parlament, britische Staatsbürger seien nicht betroffen. Viele Abgeordnete wollten sich damit jedoch nicht zufrieden geben. Sie forderten, die Einladung an Trump zum Staatsbesuch zu überdenken oder ihm zumindest eine Rede vor dem Parlament zu versagen.

Eine Petition, die geplante Staatsvisite des US-Präsidenten abzusagen, erhielt bis zum Abend rund 1,5 Millionen Unterschriften. Die Regierung hält jedoch an ihrer Einladung für Trump fest. Premierministerin Theresa May ließ wissen, sie sei "sehr glücklich gewesen", den US-Präsidenten nach Großbritannien einzuladen, "diese Einladung steht", sagte sie.

Andere Staatschefs, wie etwa Kanzlerin Angela Merkel, hatten Trump offen für sein Dekret kritisiert. Auch der notwendige entschlossene Kampf gegen den Terrorismus rechtfertige es nicht, Menschen einer bestimmten Herkunft oder eines bestimmten Glaubens unter Generalverdacht zu stellen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Der kanadische Premierminister Justin Trudeau positionierte sich noch deutlicher und bekräftigte, dass sein Land Flüchtlinge und Verfolgte willkommen heiße.

kry/dpa/Reuters

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