Widerstand der Schotten Zehntausende protestieren gegen weiteren Trump-Golfplatz

Die Söhne von US-Präsident Donald Trump planen einen weiteren Golfplatz in Schottland. Zehntausende Menschen machen gegen das Vorhaben mobil.

Golfspieler Trump in Schottland (Aufnahme von 2010)
REUTERS

Golfspieler Trump in Schottland (Aufnahme von 2010)


Mehr als 32.000 Menschen haben eine Petition an den Rat der Region Aberdeenshire in Schottland unterzeichnet. Sie wehren sich gegen das Vorhaben der Trump Organization, dort einen weiteren Golfplatz zu bauen. In einer parallel dazu in Auftrag gegebenen Umfrage lehnten mehr als zwei Drittel der Schotten das Projekt ab.

Das von den Söhnen von US-Präsident Donald Trump, Donald junior und Eric, geführte Unternehmen plant eine 18-Loch-Golfanlage in der Nähe von Aberdeen. Dort, in Balmedie, hatte der Immobilienmagnat, dessen Mutter in Schottland geboren wurde, bereits 2012 ein luxuriöses Golfresort eröffnet - gegen den massiven Widerstand von Umweltschützern, Anwohnern und Lokalpolitikern.

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Trumps Golfressorts: Das Millionengrab

Hinter der Petition steht die Bewegung 38 Degrees, die Internetpetitionen organisiert. Die Anlage in Balmedie habe nicht die von Trump versprochenen Investitionen und Arbeitsplätze zur Folge gehabt, sagte deren Chef in Schottland, Stewart Kirkpatrick. Die Schotten seien deshalb überzeugt, dass auch das neue Projekt "keine wirtschaftlichen Vorteile" bringen werde.

Ein 1,80 Meter hoher Wall als Sichtschutz

Auch Anwohner der Golfanlage von Balmedie werfen Trump vor, sich nicht an sein Versprechen gehalten zu haben, neue Arbeitsplätze in der Region zu schaffen. Zudem habe er sich rücksichtslos über alle Bedenken hinsichtlich seiner Baupläne hinweggesetzt. Den 1,80 Meter hohen Wall, der nun als Sichtschutz durch ihre Gemeinde läuft, vergleichen sie mit Trumps geplanter Mauer entlang der Grenze zu Mexiko.

Die Vizepräsidentin von Trump International Golf Links Scotland, Sarah Malone, wies die Vorwürfe der Gegner zurück. Die Tourismusbranche habe vom Golfresort in Balmedie profitiert, sagte sie. Aberdeenshire sei nun weltweit bekannt. Wer solche "ignoranten und falschen Erklärungen" abgebe, solle sich schämen. In einer Zeit, in der Schottland auf eine Diversifizierung seiner Wirtschaft setze, seien Trumps Investitionen und Pläne so wichtig wie noch nie, sagte Malone.

Der US-Präsident besitzt noch eine weitere Golfanlage in Turnberry, etwa 80 Kilometer südlich von Glasgow. Die Plätze sind jedoch verlustreich.

Allen Unterschriften der Golfplatzgegner zum Trotz: Die Petition komme zu spät, sagte das für Planung und Baustandards zuständige Ratsmitglied Robert Gray. Die Frist für Einsprüche sei abgelaufen. Allerdings könnte sein Dienst "neue" Argumente der Petition im Planungsverfahren berücksichtigen.

als/AFP



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Seite 1
g.eliot 08.02.2018
1. Schotten demonstrieren
Das wundert mich nicht. Jeder, der Trump anhimmelt, sollte lesen, wie Trump sich in Schottland verhalten hatte, als er dort seinen ersten Golfplatz bauen ließ. Die Art und Weise, wie er die Nachbarn des Golfplatzes tyrannisiert, gedroht und drangsaliert hatte, war nicht gerade staatsmännisch, sondern schäbig. Ganz zu schweigen von den großspurigen Versprechungen, von welchen er so gut wie nichts eingehalten hatte. Die Anrainer und die Lokalpolitiker sind sich dort einig: Wir haben Trump kennen gelernt. Er hat uns getäuscht, und wir können schon ahnen, was den Amerikanern unter seiner Präsidentschaft blühen wird. Eine zugesagte Investition von 1,25 Milliarden schrumpfte zu höchstens 50 Mio. Dollar. Aus zwei Golfplätzen wurde einer; aus 6.000 zugesagten Jobs wurden nur 60 realisiert. Ein geplantes 450-Zimmer Luxushotel wurde nie verwirklicht, auch nicht die 950 geplanten time-share Apartments. Stattdessen wurde das existie-rende Herrenhaus in ein Boutique-Hotel umgebaut. Das Vorhaben hat sich außerdem inzwischen als Verlustgeschäft entpuppt. Die ganze traurige Geschichte finden Sie unter z.B. "In Scotland, Trump Built a Wall. Then He Sent Residents the Bill." New York Times, 25.11.16
Atheist_Crusader 08.02.2018
2.
"Wer solche "ignoranten und falschen Erklärungen" abgebe, solle sich schämen." Wieso? Passt doch zur Marke Trump.
gehmlich 08.02.2018
3. Haha
Als ich nach Weihnachten dort war hat eine Person Golf gespielt. Das Restaurant war geschlossen, das Hotel geschlossen. Die einzige Attraktion war die mexikanische Flagge.
dbrown 08.02.2018
4. Was mag
Robert Gray wohl dafür bekommen? Eine Mitgliedschaft auf Lebenszeit mit jährlich neuer Ausrüstung?
darthmax 08.02.2018
5. Fehlinvestitionen
sind die meisten Golfplätze in Nordeuropa, die irgendwo im Niemannsland gebaut werden. Erst in Südeuropa lassen sich Golfplätze ganzjährig betreiben und haben nur das ewige Wasserproblem. Das hat nun nichts mit Herrn Trump zu tun sondern mit Betriebswirtschaft.. Viele Golfplätze in Deutschland sind ebenfalls nicht überlebensfähig, selbst in Stadtnähe.
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