US-Strategie für Afghanistan Trump will verschärft gegen Terroristen vorgehen

Seit fast 16 Jahren kämpft das US-Militär in Afghanistan, nun hat Trump die künftige Strategie für den Einsatz erläutert: Einen raschen Rückzug werde es nicht geben. Stattdessen soll der Anti-Terror-Kampf verschärft werden - auch mit Hilfe Pakistans.

Donald Trump
AP

Donald Trump


Donald Trump hat in einer Rede die neue Afghanistan-Strategie Amerikas vorgestellt. Einen raschen Abzug der Truppen werde es nicht geben, sagte der US-Präsident im Stützpunkt Fort Myer im Bundesstaat Virginia. Die Konsequenzen eines schnellen Rückzugs seien vorhersehbar - und nicht akzeptabel. Es würde ein Machtvakuum entstehen, das Terrorgruppen für sich nutzen würden. "Wir dürfen in Afghanistan nicht den Fehler wiederholen, den unsere Anführer im Irak gemacht haben."

Im Wahlkampf hatte Trump wiederholt gesagt, er sei für einen Abzug der US-Truppen aus Afghanistan. Auch jetzt sagte Trump, sein erster Instinkt sei gewesen, die Truppen abzuziehen. Seine Einstellung habe sich aber geändert, als er Präsident wurde und im Oval Office saß.

Künftig würden die USA keine Informationen mehr über Zeitpunkte von Angriffen oder Truppenstärken bekanntgeben, sagte Trump. "Wir werden nicht sagen, wann wir angreifen werden. Aber wir werden angreifen." Die "Mörder" müssten wissen, dass es keinen sicheren Platz für sie gebe; dass Amerika sie überall erreichen werde. "Wir kämpfen, um zu gewinnen." Den USA gehe es nicht darum, Nationen aufzubauen, "wir töten Terroristen".

Die US-Truppen sollen laut Trump größere Freiheiten erhalten, um Terroristen und international agierende kriminelle Netzwerke ins Visier zu nehmen. Dabei soll auch das Nachbarland Pakistan stärker in die Pflicht genommen werden. Amerika könne nicht mehr darüber schweigen, dass Pakistan ein sicherer Ort für Terroristen sei, sagte Trump. Pakistan könne durch eine Partnerschaft mit den USA viel gewinnen - und mit der Unterstützung von Terroristen viel verlieren.

"Irgendwann, nach einem erfolgreichen Militäreinsatz, wird vielleicht ein politisches Klima möglich sein, das auch Elemente der Taliban in Afghanistan einschließt." Niemand könne jedoch sagen, "wann oder ob das geschehen wird".

Mattis: USA und Verbündete zu Truppenaufstockung bereit

Trump vermied es, im Detail über eine Aufstockung der Truppen am Hindukusch zu sprechen - es war eigentlich erwartet worden, dass er weitere Soldaten entsendet. Derzeit sind die USA nach eigenen Angaben mit 8400 Soldaten in Afghanistan, ihre Nato-Verbündeten mit etwa 5000 Soldaten.

Der US-Oberkommandierende in Afghanistan, General John Nicholson, hatte für den Kampf gegen die Taliban eine Aufstockung der US-Truppen um mehrere Tausend Soldaten gefordert. US-Verteidigungsminister James Mattis sagte nach Trumps Rede, die USA und mehrere Verbündete seien zu einer Truppenaufstockung bereit. Eine Zahl nannte Mattis nicht.

Der US-Militäreinsatz in Afghanistan setzte unmittelbar nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington ein. Die Nato beendete ihren Kampfeinsatz im Dezember 2014 und setzte danach auf die Mission "Resolute Support". Deren Schwerpunkt besteht in der Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte.

Trumps Rede war mit Spannung erwartet worden. Vor allem, weil der Präsident für seine Auftritte vor Journalisten zuletzt heftig kritisiert worden war. So hatte er beispielsweise vor wenigen Tagen die Gewalt Rechtsradikaler in Charlottesville verharmlost.

Im Vergleich dazu wirkte Trump nun deutlich beherrschter. Zu Beginn seiner Rede erinnerte er an die zehn amerikanischen Seeleute, die seit der Kollision des Zerstörers USS "John S. McCain" mit einem Öltanker östlich von Singapur vermisst werden. Außerdem lobte er im Allgemeinen die Soldaten, die für Amerika ihr Leben riskierten. "Die jungen Männer und Frauen, die wir ins Ausland schicken, um dort unsere Kriege zu führen, haben es verdient, in ein Land zurückzukommen, dass nicht mit sich selbst Krieg führt."

aar/AP/Reuters/dpa/AFP

insgesamt 16 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gandhiforever 22.08.2017
1. Good luck with that!
Trump will in Afghanistan gewinnen, denn nur ein Sieg zaehlt. Und er will ihn sogar mit Hilfe Pakistans erzielen. Mit Pakistan gegen Afghanistan? Oader mit Afghanistan gegen Pakistan? Denn die beiden, A. und P. koennen sich nicht riechen, es kommt sogar zu Grenzscharmuetzeln. Wie kommt es denn, dass gerade im Grenzgebiet zu Pakistan Islamisten aktiv sind? Ohnen Hilfe aus Pakistan? Hat die Regierung in Kabul eigentlich ihr Einverstaendnis zu einem groesseren US-Engagement gegeben? Es waere auch interessant zu hoeren, von wem sich die lokale Bevoelkerung in Afghanistan terrorisiert fuehlt.
robertreagan 22.08.2017
2. Für mich liest sich das so
Trump wurde komplett überarbeitet und ist jetzt auf Linie der langfristigen US-Politik. Dazu musste er zuvor Bannon rausschmeißen. Den Drogenhandel mit afghanischen Mohn möchte man nicht Anderen überlassen, sondern weiterhin durch die CIA kontrollieren. Hier hat auch schon der Academi-Chef ( früher Blackwater) Ansprüche auf den Job des Vizekönigs angemeldet.
hevopi 22.08.2017
3. Vielleicht setzt sich doch noch die einzige intelligente
Strategie bzw. Realität in diesen Ländern durch: Auch die jetzigen Terroristen gehören mit an den Verhandlungstisch über eine friedliche Zukunft im Interesse der Menschen in diesen Ländern. Sie müssen sich dann allerdings bereit erklären, diese grausame Mordstrategie unschuldiger Menschen zu beenden, wie sie ihren Glauben leben, ist ihre Sache. Auch die seltsame Rechtsstrategie (siehe Arabien, dort gilt die Todesstrafe und Hand ab für Diebe) werden wir in unseren Ländern nie nachvollziehen können, aber wir können nicht die Welt verändern. So lange "normale, friedliche" Menschen dort ohne Angst leben können, wäre es doch eine positive Entwicklung für die Humanität, wenn endlich das Morden Unschuldiger im Namen des Islams aufhört.
josephkaesemacher 22.08.2017
4. Großartige Rede
Warum wird hier nur begrenzt über eine insgesamt Mut machende Rede berichtet. Das war eine der besten außenpolitischen Reden der letzten Jahre - zum Glück sind die Zeiten von Bush und Obama vorbei
geotie 22.08.2017
5.
Die Amis machen sich selbst kaputt! Führen in allen Ländern Krieg, der bezahlt werden muss, und obendrein noch einen Präsidenten, der es versteht auf Kosten des Bürgers Steuern (Trump zahlt keine) zu feiern weiß, Die Kassen sind schon fast leer. Wenn man bedenkt, Trump wollte seine Staaten wie eine Firma führen und dann noch an seine kaputtgewirtschafteten Firmen denkt....
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.