US-Präsident am Telefon "Niemand hat je bessere Arbeit geleistet als ich"

Ein neues Buch des US-Reporters Bob Woodward sorgt für Aufruhr: Er porträtiert Donald Trump als Egomanen, der von seinen Beratern hintergangen wird. Ein Telefonat beider Männer offenbart, dass das stimmen könnte.

Trump im Oval Office (Archivbild)
REUTERS

Trump im Oval Office (Archivbild)

Von , New York


Der Reporter Bob Woodward, der einst den Watergate-Skandal mit enthüllte, ist bekannt dafür, akribisch zu recherchieren. Für sein neues Buch "Fear" ("Furcht") über US-Präsident Donald Trump befragte er zahllose Berater und zeichnete Hunderte Stunden Interviews auf. Nur Trump selbst war nicht zu sprechen. Erst als Woodward das Buch fertiggestellt hatte und es zu spät war, kam es zum Gespräch. Die "Washington Post" - für die Woodward schreibt - veröffentlichte eine Abschrift des Telefonats sowie eine Audio-Datei. Hier eine gekürzte und kommentierte Übersetzung.

Donald Trump: Hallo Bob.

Bob Woodward: Präsident Trump, wie geht es Ihnen?

Trump: Wie geht es Ihnen? Wie geht's Ihnen? Okay?

Woodward: Wirklich gut. Mit Ihrer Erlaubnis schalte ich mein Aufnahmegerät ein.

Trump: Oh, das ist okay. Das ist okay. Das stört mich gar nicht.

Woodward: Es tut mir leid, dass wir die Gelegenheit verpasst haben, für das Buch miteinander zu reden.

Trump: Es ist wirklich schade, denn niemand hat mir davon erzählt, und ich hätte liebend gern mit Ihnen gesprochen. Sie wissen, dass ich Ihnen gegenüber sehr offen eingestellt bin. Ich hielt Sie immer für fair. Mal sehen, was passiert.

Kurz nach Veröffentlichung der ersten Buchauszüge schimpfte Trump über Woodward. Der konservativen Website "Daily Caller" sagte Trump: "Es ist einfach nur noch so ein schlechtes Buch. Er (Woodward) hat eine Menge Glaubwürdigkeitsprobleme gehabt. Ich hätte vielleicht mit ihm sprechen wollen, aber vielleicht nicht."

Aber ich kann nur sagen, dass es dem Land sehr gut geht. Wirtschaftlich geht es uns gerade so gut wie nie zuvor. Mit der Arbeitslosigkeit geht es uns besser, wahrscheinlich besser als je zuvor. Wissen Sie, ich glaube, wenn Sie sich die Arbeitslosenzahlen anschauen, Sie haben gehört, dass ich das gesagt habe.

Trump prahlt ungefragt mit seinen mutmaßlichen Errungenschaften, obwohl Woodwards Manuskript längst fertiggestellt ist.

Wir haben viel - viele Unternehmen kommen zurück in unser Land, was vor zwei Jahren nie passiert wäre. Wenn die andere Regierung (unter seinem Vorgänger Barack Obama - Anm. d. Red.) oder ihre Vertreter so weitergemacht hätten, hätte sie - wissen Sie, wenn die andere Gruppe gewonnen hätte, das sage ich Ihnen, hätten wir, glaube ich, wir hätten ein BIP (Bruttoinlandsprodukt - Anm. d. Red.) von unter null.

Trump meint offenbar ein Schrumpfen des Bruttoinlandsprodukts und damit eine Rezession. Stattdessen hat Barack Obama die USA aus der Rezession zurück Richtung Aufschwung geführt, was Trump nun zugutekommt.

Woodward: Ich habe Bücher über acht Präsidenten geschrieben, von Nixon bis Obama. Und ich habe dabei etwas über den Journalismus erfahren, Mr President. Ich muss mit Leuten reden, und ich habe viel Einblick und Dokumentation bekommen. Und es ist - Sie wissen, es ist ein strenger Blick auf die Welt und Ihre Regierung und Sie.

Trump: Richtig. Nun, ich nehme an, das heißt, dass es ein negatives Buch wird. Aber wissen Sie, ich bin ein bisschen - ich bin das zu 50 Prozent gewöhnt. (lacht) Das ist in Ordnung. Manche sind gut, und manche sind schlecht. Klingt so, als wäre das ein schlechtes.

Für Trump ist Journalismus "gut", wenn der Journalist ihn lobt, und "schlecht", wenn er ihn kritisiert oder infrage stellt.

Woodward: Nun, Mr President, wie kann es denn sein, dass ich die ganze Zeit mit Leuten rede und - Leuten wie Kellyanne und Raj und republikanischen Senatoren?

Gemeint sind Trumps Beraterin Kellyanne Conway und sein Pressesprecher Raj Shah.

Trump: Wer waren denn die Senatoren? Nein, die haben mir nie was gesagt.

Woodward: Senator (Lindsey) Graham sagte, er habe Ihnen gesagt, dass ich mit Ihnen reden wollte. Stimmt das jetzt nicht?

Trump: Senator Graham hat es bei einem Treffen tatsächlich kurz erwähnt.

Innerhalb von zwei Sätzen widerspricht sich Trump: Niemand habe ihn informiert - aber Senator Graham habe es erwähnt.

Woodward: Ja. Also, da sehen Sie. Und dann passierte nichts.

Trump: Das ist wahr. Das ist wahr. Nun, das - nein, aber das ist wahr. Also erscheint ein weiteres schlechtes Buch über mich. Na und?

Woodward: Sie können davon ausgehen, dass ich sehr vorsichtig war. In diesem Buch steht nichts, was nicht aus erster Hand stammt.

Trump: Aber nennen Sie Namen? Oder nennen Sie nur Quellen?

Trump kritisiert anonyme Quellen in den Medien gern. Dabei ist er selbst einer der emsigsten anonymen Informanten und ruft Journalisten dazu bis heute oft persönlich an. Als Immobilienmagnat gab er sich am Telefon sogar mal als sein eigener (fiktiver) Pressesprecher aus, um mit seinem Erfolg bei Frauen zu prahlen.

Woodward: Ja, nun, es handelt von tatsächlichen Ereignissen, also...

Trump: Ich meine, Sie wissen, dass ich großartige Arbeit für das Land leiste. Sie wissen, dass die Nato jetzt zum Beispiel viele Milliarden Dollar mehr zahlen wird, als das jemand für möglich gehalten hätte, dass andere Präsidenten das nie geschafft haben? Und es ging nach unten. Wissen Sie, was ich alles geleistet habe und was ich leiste? Ich bin dabei, einige der großartigsten Handelsabkommen aller Zeiten zu schließen. Verstehen Sie das Zeug? Ich meine, ich hoffe es.

Die Nato zahlt niemanden Geld, und nichts "ging nach unten". Die neuen Handelsabkommen, auf die Trump anspielt, sind nach Ansicht vieler Experten alles andere als großartig.

Woodward: Sicher, ich verstehe, und ich hätte gern mit Ihnen über die Nato diskutiert.

Woodward und Trump
AFP

Woodward und Trump

Trump: Nun, Sie wissen, vergangenes Jahr, wenn Sie sich den Sekretär anschauen, (Jens) Stoltenberg, der sagte, glaube ich, nur 44 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr, und das war vom Treffen im vergangenen Jahr. Und in diesem Jahr haben sie vereinbart, viel mehr Geld bereitzustellen. Es ist also eine enorme Menge Geld. Kein anderer Präsident hat das geschafft. Es ging ja in die entgegengesetzte Richtung.

Trump versteht offenbar nicht, wie sich die Nato finanziert und dass die Mitgliedstaaten keine höheren Beiträge vereinbart haben, sondern eine prozentuale Erhöhung ihrer Rüstungsetats, gemessen am Bruttoinlandsprodukt.

Also ich weiß nicht, ob Sie das so schreiben werden; wahrscheinlich nicht. Aber das ist schade, aber das ist in Ordnung, aber Sie wissen, es ist so eine Sache.

Woodward: Alles wird faktisch sein.

Es folgt ein langes Hin und Her, warum Trump Woodward kein Interview gegeben hat. Trump behauptet erneut, er habe nichts von Woodwards Anfragen gewusst. Beraterin Conway schaltet sich ein: Die Anfragen seien "abgelehnt" worden.

Trump: Aber Sie haben mich nie angerufen. Ich meine, ich habe eine Sekretärin. Ich habe zwei, drei Sekretärinnen. Und wissen Sie was? Das ist okay. Jetzt werde ich eben nur ein weiteres schlechtes Buch bekommen. Was kann ich sagen?

Woodward: Es überrascht mich, dass diese Leute - hat Raj Zugang zu Ihnen?

Trump: Nicht wirklich, aber er hätte es schaffen können. Aber ich habe ein Büro. Sie haben die Büronummer. Ich habe ein Büro, das direkt an meinem Büro ist. Egal. Lassen Sie mich Ihnen sagen, worauf es ankommt: Die Wirtschaft ist die beste seit vielen, vielen Jahrzehnten. Und sie wird noch viel besser werden. Und dem Land geht es sehr gut. Das ist wichtig.

Woodward: Ja, Sir. Ich dachte, ich würde...

Trump: Wir leisten gute Arbeit. Wir werden also ein sehr unrichtiges Buch bekommen, und das ist schade. Aber ich mache Sie nicht allein dafür verantwortlich.

Woodward: Nein, es ist - es wird richtig sein, das verspreche ich.

Trump: Ja, okay. Nun, richtig ist, dass niemand je bessere Arbeit als Präsident geleistet hat als ich. So viel kann ich Ihnen sagen. Also das ist... Und das finden viele Leute, die wissen, was los ist, und das werden Sie im Laufe der Jahre sehen. Aber viele Leute finden das, Bob.

Woodward: Ich glaube an unser Land, und weil Sie unser Präsident sind, wünsche ich Ihnen viel Glück.

Trump: Okay. Vielen Dank, Bob. Ich weiß es zu schätzen. Bye.

insgesamt 201 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
werlesenkann 05.09.2018
1. Das ganze Interview kann man...
...hier nachhören: https://www.washingtonpost.com/politics/white-house-strikes-back-at-bob-woodward-over-new-book/2018/09/04/a9f9bcf8-b075-11e8-aed9-001309990777_story.html?utm_term=.cca45e1a0940. Ich hoffe doch sehr, das Trump keine zweite Amtszeit bekommt in der mit dem A.... umreißen kann, was andere geschaffen haben. Falls doch wird ihm hoffentlich mal jemand die grundlegenden Dinge über Politik und die Zusammenhänge zwischen Institutionen und Regierungen erklären.
kwapress 05.09.2018
2. Direkt vom Pathologen?
Kommt diese Mitschrift direkt aus dem Giftschrank der Pathologie? Krankhaft ist allemal, was dieser POTUS so absondert. Partiell verwirrt, über weite Strecken dem Gespräch nicht folgen könnend mit Spitzen der hemmungslosen Selbstüberschätzung und eines wirklich nur noch als pathologisch zu bezeichnenden Größenwahns: Und der hat die Macht über die Koffer mit den Atombombencodes! Da bleibt nur noch ein " Gott schütze uns und den Planeten".
vetris_molaud 05.09.2018
3.
Trump kann es nicht lassen. In den letzten Monaten hat er gelernt, dass die Medien schlechtes über ihn berichten, ihn nicht mögen und ablehnen. Ein logisch denkender Mensch würde einen erfahrenen Pressesprecher einsetzen und den Kontakt mit den Medien auf ein Minimum reduzieren. Doch Trumps narzisstischer Zwang, von den Medien gelobpreist und bewundert zu werden, lässt es ihn immer wieder versuchen, jedesmal mit dem gleichen Ergebnis.
Meckerameise 05.09.2018
4.
Es wird von Tag zu Tag unverständlicher, wie so ein Karottenkloß der Präsident der USA sein kann. Ich lese mir auch das Transkript auf englisch durch und es liest sich noch katastrophaler. Anfangs, als würde ein Kindergartenkind seinem Vater zeigen wollen, was es alles könne. Und er macht wirklich keinen Hehl daraus, dass er zwar sage, dass er ihn (Woodward) zunächst ganz toll fände, aber den Ausgang abwartet, ob das auch so bleibt ( I think you’ve always been fair. We’ll see what happens.). Im Grunde geht das restliche Telefonat nur darum, dass die beiden zuvor nie direkt telefoniert haben und wer mit wem sprach und etwas nicht weitergegeben haben soll oder es irgendwo "abgelehnt" wurde. Kommt davon, wenn Trumps Gefolge größte Mühe hat, ihn aus der Schusslinie zu halten, weil er nutzloses Zeug brabbelt. Die anderen erzählen, wie chaotisch es da tatsächlich zugeht und Trump wird seine nächste Heultriade zum Besten geben, weil er nicht zu Protokoll geben durfte, was für ein toller Hecht er wäre. Trump ist jämmerlich und peinlich.
kpkuenkele 05.09.2018
5. Kommentarspur hätte es nicht gebraucht
Das Buch wird schon kritisch sein, da hätte es die Kommentarspur von SPON nicht gebraucht. Insbesondere einem Quereinsteiger in die Politik vorzuwerfen, dass er nicht überall die richtige Terminologie verwendet, ist unlauter. Man hätte im Kommentar ja auch erläutern können: „Es geht hier nicht um die Beiträge zum NATO Haushalt, sondern um die von Trump geforderte und von den Mitgliedsstaaten beim NATO Gipfel zugesagte Umsetzung der vereinbarten Erhöhung der Rüstungsetat auf 2% des BIPs“. Dann weiß jeder, worum es ging und kann einschätzen, wieso er es als Erfolg zählt. Holprige Übersetzungen und abwertende Kommentare machen diesen Beitrag nicht eben zu einem Leuchtturm des Journalismus.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.