Trumps Pressekonferenz im Wortlaut Die Verharmlosung des Hasses

Es war ein haarsträubender Auftritt Donald Trumps - mal wieder: 23 Minuten lang verteidigte er die rechtsextreme Horde von Charlottesville. SPIEGEL ONLINE analysiert die Pressekonferenz des US-Präsidenten Satz für Satz.

Von , New York


Donald Trump: "Hallo zusammen. Toll, wieder in New York zu sein mit all unseren Freunden und ein paar tollen Freunden draußen vor der Tür, das muss ich sagen."

Draußen vor der Tür des Trump Towers demonstrierten gerade Tausende New Yorker gegen Trump und seine Relativierung rechtsextremer Gewalt.

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Reporter: "Warum treten die Vorstandschefs aus Ihrem Wirtschaftsrat aus?"

Aus Protest gegen Trumps Äußerungen nach Charlottesville haben mindestens sieben Konzern- und Verbandschefs - darunter Brian Krzanich (Intel) und Ken Frazier (Merck) - seinen informellen Wirtschaftsrat verlassen.

Trump: "Weil sie ihre Arbeit nicht ernst nehmen, was dieses Land angeht. Wir wollen Jobs, Produktion in diesem Land. … Ich muss Ihnen sagen, einige der Kerle, die austreten werden, sie treten aus Scham aus, weil sie ihre Produkte draußen machten, und ich habe sie zurechtgewiesen."

Mit Outsourcing haben die Rücktritte nichts zu tun: Intel kündigte erst im Februar den Bau einer Sieben-Milliarden-Dollar-Fabrik in Arizona an. Nach der Pressekonferenz erklärte auch Richard Trumka, der Präsident des größten US-Gewerkschaftsverbands: "Ich kann nicht länger für einen Präsidenten in einem Rat sitzen, der Fanatismus und heimischen Terrorismus toleriert."

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Reporter: "Warum haben Sie so lange gewartet, um Neonazis zu verurteilen?"

Trumps erstes Twitter-Statement zu Charlottesville kam am Samstagmittag, Stunden nach den ersten Ausschreitungen, gefolgt von einem kurzen TV-Auftritt, bei dem er die "Gewalt auf vielen Seiten" verurteilte. Erst am Montag folgten etwas deutlichere, vom Teleprompter abgelesene Worte, die er nun aber wiederum vollends annullierte.

Trump: "Ich habe nicht lange gewartet. Ich habe nicht lange gewartet. Ich wollte sichergehen, anders als die meisten Politiker, dass das, was ich sagte, korrekt war, kein schnelles Statement machen. Das Statement, das ich am Samstag machte, war ein feines Statement.… Das Statement war exzellent."

Die Einzigen, die die Äußerungen am Samstag lobten, waren Rechtsextreme. Die Behauptung Trumps, er habe erst Fakten sammeln wollen, ist lächerlich. Die Lage war glasklar: Bewaffnete rechtsextreme Horden marschierten mit Neonazi- und Hakenkreuz-Flaggen durch Charlottesville und stießen auf Gegendemonstranten.

Trump: "Die junge Frau, von der ich höre, dass sie eine fantastische junge Frau war, und es lief auf NBC, ihre Mutter schrieb mir und sagte die schönsten Sachen, ich glaube über Twitter, die sozialen Medien, und ich weiß das sehr zu schätzen. Ich höre, sie war eine schöne, eine unglaubliche junge Frau, aber ihre Mutter dankte mir auf Twitter für das, was ich gesagt habe. Also wirklich, wenn die Presse nicht fake wäre und ehrlich wäre, die Presse hätte gesagt, dass das, was ich gesagt habe, sehr nett war."

Heather Heyer wurde bei den Ausschreitungen in Charlottesville von einem mutmaßlichen rechtsextremen Attentäter überfahren und getötet. Ihre Mutter Susan Bro dankte Trump in der Tat - allerdings erst nach seiner inzwischen überholten Klarstellung vom Montag.

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Reporter: "Senator McCain hat gesagt, dass die 'Alt Right'-Bewegung hinter diesen Attacken steckt, und er hat dieselbe Gruppe mit denen verbunden, die hinter der Attacke in Charlottesville steckten."

Trump: "Okay, was ist mit der 'Alt Left', die angriff - Moment mal! - was ist mit der 'Alt Left', die die 'Alt Right', wie Sie sie nennen, angriff? Zeigen die so was wie Schuldgefühle? Lassen Sie mich Sie das fragen: Was ist mit der Tatsache, dass sie mit Schlagstöcken in der Hand angriffen, dass sie Schlagstöcken schwangen? Haben die ein Problem? Ich finde, das haben sie."

Die "Alt Left" gibt es nicht. Es ist ein Kunstwort, das Trump hier nutzt. Und: Die Personen mit den Schlagstöcken waren in erster Linie die Rechtsextremen, die damit zum Teil absichtlich auf die Gegendemonstranten losgingen.

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Reporter: "Sir, Sie stellen diese Gegendemonstranten doch nicht etwa auf die gleiche Ebene wie Neonazis? Ist die 'Alt Left' so schlimm wie die Rassisten?"

Erfolg für Trump: Die Reporter greifen den Kunstbegriff "Alt Left" prompt auf, als sei der gängig.

Trump: "Ich will Ihnen mal was sagen. Ich habe mir die sehr genau angeguckt - viel besser, als ihr Leute die angeguckt habt. Und es gab - es gab eine Gruppe auf der einen Seite, die schlecht war, und es gab eine Gruppe auf der anderen Seite, die auch sehr gewalttätig war. Und das will keiner sagen, aber ich sage es jetzt. Es gab eine Gruppe - es gab eine Gruppe auf der anderen Seite, die angegriffen hat, ohne eine Genehmigung, und die waren sehr, sehr gewalttätig."

Das ist eine Lüge, verbreitet von rechtsextremen Gruppen und nunmehr von Trump legitimiert. Die Gewalt ging fast ausschließlich von den Rechten aus. Auch der mutmaßliche Auto-Attentäter war ein Neonazi. Ein Schwarzer wurde in einer Tiefgarage von einer rechten Horde fast totgeschlagen.

Reporter: "Glauben Sie, dass das, was Sie 'Alt Left' nennen, dasselbe ist wie Neonazis?"

Trump: "Nicht alle diese Leute waren Neonazis, glauben Sie mir. Nicht alle diese Leute waren Rassisten, auf keinen Fall. Diese Leute waren auch da, weil sie dagegen protestieren wollten, dass eine Statue von Robert E. Lee entfernt wurde. [...] Das wüssten Sie, wenn Sie ehrliche Reporter wären, was Sie in vielen Fällen nicht sind. [...] Also diese Woche ist es Robert E. Lee. [...] Ich frage mich, ist es nächste Woche George Washington? Und ist es in der Woche danach Thomas Jefferson? Wissen Sie, man muss sich wirklich fragen, wo hört das auf?"

Landesweit wächst in den USA eine Bewegung, konföderierte Monumente als Symbole des Rassismus zu entfernen. Dazu gehört auch eine Statue des Südstaatengenerals Lee, die Charlottesville verkauft hat. Der rechtsextreme Aufmarsch begann als Protest dagegen. Die US-Gründerväter George Washington und Thomas Jefferson damit gleichzustellen, ist Quatsch. Washington, der erste US-Präsident, und Jefferson, der Hauptautor der Unabhängigkeitserklärung, waren lange tot, als der Bürgerkrieg begann, in dem Lee als Chef der Südstaatentruppen mit um den Fortbestand der Sklaverei kämpfte. Mit einer solchen Geschichtsverzerrung macht sich Trump auch hier die verquere Argumentation der Rechtsextremen zu eigen.

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Reporter: "Die Neonazis haben das angefangen. Sie kamen nach Charlottesville, um zu protestieren …"

Immer stärker versuchen die Reporter zu diesem Zeitpunkt entsetzt, die horrenden Relativierungen Trumps abzufedern und zu hinterfragen.

Trump: "Moment mal, Moment mal. Die haben sich nicht selbst - und es gab ein paar sehr schlechte Leute in dieser Gruppe, aber es gab auch Leute, die waren sehr anständige Leute, auf beiden Seiten."

Mit anderen Worten: Unter den Rechtsextremen, Neonazis und Rassisten, die mit Fackeln und "Heil Trump"-Sprechchören durch Charlottesville marschierten und Schwarze, Latinos, Juden und Schwule beschimpften, waren auch "sehr anständige Leute".

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Reporter: "Werden Sie nach Charlottesville reisen? Werden Sie sich ansehen, was passiert ist?"

Trump: "Ich besitze ein Haus in Charlottesville. Weiß das jemand, dass ich ein Haus in Charlottesville besitze?"

Trumps Vorgänger Barack Obama reiste oft an die Orte von Massakern und rassistischen Anschlägen, um die Menschen dort - und die Nation - mit versöhnenden Worten anzusprechen.

Reporter: "Wo ist es?"

Trump: "Es ist das Weingut. Ich meine, ich weiß viel über Charlottesville. Charlottesville ist ein toller Ort, der in den letzten paar Tagen schlimm verletzt wurde. Tatsächlich besitze ich eines der größten Weingüter in den Vereinigten Staaten. Es ist in Charlottesville."

Die Trump Winery in Charlottesville gehört weder Donald Trump noch seiner Trump Organization, sondern seinem Sohn Eric. Auf seiner Website stellt das Weingut ausdrücklich klar, dass es "nicht im Besitz, unter Management oder in irgendeiner Beziehung zu Donald Trump" steht.

Video: Die Pressekonferenz im Original und in voller Länge (23 Min.)

WhiteHouse.Gov

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels wurde erklärt, dass Donald Trump den Begriff "Alt Left" selbst geprägt hat. Tatsächlich kursiert der Begriff schon länger, Trump hat ihn nun lediglich äußerst prominent benutzt. Der Begriff wird in einem Wikipedia-Forum öffentlich diskutiert, einen entsprechenden Eintrag gibt es aber derzeit nicht.

insgesamt 708 Beiträge
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Jarek M 16.08.2017
1. Macht der selektiven Bilder...
"Verharmlosen der rechten Gewalt"? Alle, die das Video von dem rechten Auto-Killer gesehen haben, haben auch die "Demonstranten" des linken Spektrums gesehen - behelmetet und mit Baseballschlägern. Die rechte Demo, wie abscheulich die auch nicht sein mag, war genehmigt und die Antifa hat nur auf sie gewartet. Was Gewalt betrifft, hat Trump 100% recht. Dass man mit selektiv ausgesuchten Bildern bestimmte Thesen zu untermauern versucht, kennt man schon von früher. So sieht man also nur grimmige Rechte und "zivile" Gegendemonstranten.
fx33 16.08.2017
2. Jetzt ist es quasi amtlich
Der Typ ist geisteskrank. Um Himmels Willen, ein Geisteskranker am Atomdrücker!
ahartmann 16.08.2017
3.
Das deutsche M3dien Gewalt die von Linksextremen und so genannten "Antifas" ausgeht negieren bzw sich sogar erdreisten diese Attacken als Selbstverteidigung zu deklarieren ist mittlerweile bekannt! Dieser Artikel bietet daher keinerlei neue Informationen außer den Beweis des Status quo!
geboren1969 16.08.2017
4. Trump hat echt Ambitionen
den Titel "Grösster Lügner des 21. Jahrhunderts" zu bekommen. Dabei ist das 21. Jahrhundert noch gar nicht so alt. Dieser sog. Präsident ist eine Schande für sein Land.
hollaonboard 16.08.2017
5. Deutsche Fakepresse, einseitig gegen Trump
Er hat genau die Wahrheit gesagt. Beide Gruppen sind schuld und nicht jeder der gegen etwas protestiert ist ein Nazi. In der NY Times ist das Video ganz gut zusammengeschnitten mit den Kernaussagen. Hier musste sich der Spiegel schon sehr viel Mühe geben das schlecht aussehen zu lassen.
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