Trump nach Giftgasangriff "Meine Einstellung zu Syrien und Assad hat sich sehr verändert"

US-Präsident Trump hat den mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien scharf verurteilt. Für ihn seien "damit eine ganze Reihe von Linien überschritten worden". Ob er Konsequenzen ziehen will, ließ er allerdings offen.


Für US-Präsident Donald Trump ist eindeutig, wer für den mutmaßlichen Giftgasangriff mit mehr als 70 Toten in der syrischen Provinz Idlib verantwortlich ist: Syriens Machthaber Baschar al-Assad. Das machte Trump bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem jordanischen König Abdullah II. in Washington noch einmal deutlich. Es sei eine furchtbare Tat gegen unschuldige Menschen, die nicht toleriert werden könne.

Trump warf der syrischen Regierung vor, mit dem Angriff eine Grenze überschritten zu haben. "Für mich sind damit eine ganze Reihe von Linien überschritten worden", sagte der US-Präsident. Seine Einstellung zu Assad habe sich verändert. Der Giftgasangriff habe ihn stark beeinflusst, sagte Trump.

Ob und welche Konsequenzen er nun ziehen werde, ließ der US-Präsident jedoch offen. Er sagte lediglich, es sei Teil seiner Politik, militärische Schritte im Vorfeld nicht zu verraten.

US-Außenminister Rex Tillerson sagte, es sei an der Zeit, dass Russland seine Unterstützung für Assad gründlich überdenke. Vizepräsident Mike Pence sagte, "alle Optionen liegen auf dem Tisch."

Uno-Botschafterin droht mit Alleingang der USA

Zuvor hatte bereits die US-Botschafterin bei der Uno, Nikki Haley, einen möglichen Alleingang der USA als Reaktion auf den mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien angedeutet. "Wenn die Vereinten Nationen durchgehend bei ihrer Aufgabe scheitern, gemeinsam zu handeln, gibt es Zeiten im Bestehen von Staaten, bei denen wir zu eigenen Maßnahmen gezwungen sind", sagte sie bei einer Dringlichkeitssitzung des Uno-Sicherheitsrats.

Konkreter wurde Haley nicht. Es blieb deshalb unklar, ob sie ein militärisches Eingreifen in Syrien, etwa gegen Präsident Baschar al-Assad, eigene Sanktionen oder andere Maßnahmen meinte. Das Treffen des Uno-Sicherheitsrats war ohne Ergebnis beendet worden.

Bei dem mutmaßlichen Angriff mit Giftgas in der Stadt Chan Schaichun in der Provinz Idlib waren am Dienstag mindestens 72 Menschen getötet worden, darunter 20 Kinder. Bei seiner Pressekonferenz kündigte Trump auch eine vollständige Zerschlagung der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) an. "Wir werden den IS zerstören und wir werden die Zivilisation beschützen. Wir haben keine Wahl", sagte er.

brk/dpa

Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 61 Beiträge
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5michael5 05.04.2017
1. Was nun?
Obamas Konsequenzen bei Asads überschreiten der proklamierten roten Linie kennen wir. Nun wurden laut dem neuen Präsidenten, der den alten genau deswegen kritisierte, gleich mehrere rote Linien überschritten. Folgen nun wieder solche Konsequenzen?
rosie4711 05.04.2017
2. Truppen in Syrien
Die US Regierung transferiert Kampftruppen nach Syrien, ohne die Öffentlichkeit oder das Haus der Representanten zu informieren. Die Aussage, "wir halten uns da raus" ist Makulatur.
M.Krink 05.04.2017
3. ...
Ich würde es sehr menschlich ,im guten Sinne, von Donald Trump halten dort jetzt militärisch einzugreifen, und ich würde es sehr unmenschlich halten wenn er es nicht macht, wäre schön gewesen wenn Barack Obama militärisch eingegriffen hätte in Syrien(und evt. auch im Irak wo ja auch die demokratische Widerstandsbewegung massiv verhindert worden ist ), damit wäre viel schlimmes Leid verhindert worden. Für mehr Frieden in dieser Region wäre es auch gut wenn die Kurden ein eigenes Land bekommen würden. Das einzige Problem dass man vielleicht sehen könnte nachdem der Krieg gewonnen ist dass ich auch wirklich die demokratischen Kräfte wieder finden und dann in einen neuen Staat aufbauen, nicht dass die guten Leute jetzt alle in Ausland sind und die schlechten geblieben.
polyeder 05.04.2017
4. Altes Muster
Steht der Präsident nicht gut da, schickt er die Truppen los und die Zustimmung im Volke geht nach oben. Hat ja bei früheren Präsidenten auch schon funktioniert.
hansgustor 05.04.2017
5. Abwarten
Erstmal abwarten. Beim ersten Mal haben sie auch alles mögliche gedroht. Dann hat das CIA selbst die Beweise geliefert, dass nicht Assad dahintersteckte sondern ein General sich verselbstständigt und unbefugt gehandelt hatte. Also erstmal schauen was wirklich passiert ist.
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