Weißes Haus Zwei Kugeln Eis für Trump - nur eine für Gäste

Donald Trump hat drei Reporter des "Time"-Magazins im Weißen Haus empfangen. Die Journalisten beschreiben, wie der Präsident denkt - und allerhand Details aus seinem Alltag.

Donald Trump
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"Sie werden etwas Fantastisches sehen. Es ist gerade passiert", sagt Donald Trump. "Kommen Sie mit, ich zeig's Ihnen." Und dann steht der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika auf und geht rüber ins Esszimmer, um drei Journalisten seine neueste Errungenschaft zu zeigen: einen Fernseher. Aber nicht irgendeine alte Röhre. Mehr als 60 Zoll Bildschirmdiagonale. Flachbildschirm. Inklusive Aufnahmefunktion. "Das ist eine der größten Erfindungen aller Zeiten: TiVo", sagt Trump und meint den Festplattenrekorder für TV-Programme, der in den USA weit verbreitet ist.

Der Präsident hat den Reportern des US-Magazins "Time" am vergangenen Montag eine Führung durch das Weiße Haus gegeben, sein Weißes Haus - inklusive Vier-Gänge-Menü im "Blue Room". Im Schlepptau: Vizepräsident Mike Pence, Pressesprecher Sean Spicer und der nationale Sicherheitsberater Herbert McMaster. Es ist ein exklusiver Blick hinter die Fassade: hinter die des privaten Teils des Weißen Hauses, aber auch hinter die Fassade von Donald Trump.

"Sie würgen wie Hunde"

Die Journalisten beschreiben den mächtigsten Mann der Welt als jemanden, der fast alles entscheiden kann - nur nicht, wie über ihn berichtet wird. Und das frustriert Trump gewaltig. Er habe nach der Wahl auf bessere Berichterstattung gehofft. "Es wurde schlimmer", sagt Trump stattdessen. "Das ist eine der Sachen, die mich überraschen." Er hat deshalb seinen Umgang mit den Medien verändert, er guckt und liest bestimmte Fernsehsender und Zeitungen einfach nicht mehr. "Ich habe es geschafft, Dinge nicht zu lesen und nicht zu gucken, die nicht erfreulich sind", sagt Trump. Er habe selbst nicht gedacht, dass er das hinkriegen würde.

Trump beschreibt seine Präsidentschaft als Abfolge großer Erfolge, zählt nacheinander alle Deals auf, die er gemacht haben will. Dieser Teil des Jobs mache ihm am meisten Spaß, schreibt "Time", Geschäftsmann für das amerikanische Volk zu spielen. Der Präsident prahle mit den engen Beziehungen, die er zu anderen Politikern aufgebaut haben will. Explizit nennt er Kanzlerin Angela Merkel und lobt, dass Merkel seine Tochter Ivanka nach Deutschland eingeladen habe.

Goldene Vorhänge und Kristallleuchter

Es ist die trumpsche Sicht auf die Politik. Als zwei seiner Kritiker, Ex-Geheimdienstkoordinator James Clapper und die von Trump gefeuerte Justizministerin Sally Yates, bei einer Anhörung im Senat aussagen, kommentiert der Präsident laut den Reportern sichtlich fasziniert: "Sie würgen wie Hunde, schauen Sie sich das an. Sie ringen verzweifelt um Luft." Kurze Zeit später beschwert sich derselbe Trump darüber, dass es in der Politik so gemein zugehe. Das überrasche ihn, sagt er.

Aber nicht nur Trumps Politikstil unterscheidet sich radikal von dem seines Vorgängers Barack Obama. Auch sein Einrichtungsstil ist komplett anders. Die weinroten Vorhänge Obamas hat er durch goldene ersetzt. Ebenso die moderne Kunst seines Vorgängers durch Ölgemälde, vorzugsweise ehemaliger Präsidenten. Im Esszimmer hat er einen schweren Kristallleuchter aufgehängt.

1900 Quadratmeter - nur für ihn

Das Oval Office hat Trump zu seiner großen Bühne gemacht. Während Obama kaum Leute in sein Büro ließ, stehen Trumps Türen häufig offen. "Ich nutze den Raum, ich nutze ihn viel", sagt Trump. "Ich hatte die wichtigsten Leute des Landes hier."

Im privaten Teil des Weißen Hauses - rund 1900 Quadratmeter groß - lebt Trump bisher alleine. Während die Obamas sich hier zurückzogen, lädt Trump regelmäßig Freunde und Besucher ein. Gerne führt er sie persönlich durch die Räume. Beim Abendessen gibt es demnach eine klare Trennung zwischen dem Präsidenten und seinen Gästen:

  • Cola Light für Trump, Wasser für die Journalisten
  • Zum Salat Thousand-Island-Dressing für Trump, Vinaigrette für die Gäste
  • Zum Hähnchen bekommt nur der Präsident eine Extraportion Soße.
  • Zum Nachtisch gibt es für Trump zwei Kugeln Eis mit Schokokuchen; der Rest am Tisch muss sich mit einer Kugel begnügen.

Am Ende des Essens schlägt der Präsident vergleichsweise versöhnliche Töne an. "Es hat für mich nie Sinn ergeben, dieses Niveau an Feindschaft", sagt Trump. "Alles, was du willst, ist doch: Lasst uns ein großartiges Militär haben. Lasst uns niedrige Steuern haben. Lasst uns eine gute Krankenversicherung haben. Lasst uns gute Bildung haben."

Am nächsten Tag feuert Donald Trump FBI-Chef James Comey.

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