Wegen dubioser Geschäftsbeziehungen Trumps Anwalt Cohen soll vor Gericht aussagen

Das FBI hat bereits sein Büro durchsucht, nun will eine Richterin Trumps Anwalt Michael Cohen persönlich befragen. Bei dem Termin am Montag wird auch Pornostar Stormy Daniels erwartet.

Michael Cohen
AFP

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Gegen Michael Cohen, den Anwalt und Vertrauten von US-Präsident Donald Trump, laufen offenbar seit Monaten Ermittlungen, unter anderem wegen Bankbetrugs. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor. Was genau Cohen vorgeworfen wird, ist unklar, es soll jedoch um seine "persönlichen Geschäftsbeziehungen" gehen und nicht primär um seine Arbeit als Anwalt. Außerdem wird ihm vorgeworfen, er habe gegen Bestimmungen der Wahlkampffinanzierung verstoßen.

Eine Richterin ordnete an, dass Cohen am Montag vor Gericht erscheinen soll, um Fragen zu seiner Geschäftspraxis zu beantworten. Laut den Ermittlern arbeitete er kaum als Jurist - die meisten der Anfang der Woche bei einer Hausdurchsuchung bei Cohenbeschlagnahmten Dokumente fielen deshalb auch nicht unter den Schutz des Anwaltsgeheimnisses.

Kurz vor der Präsidentschaftswahl im Jahr 2016 hatte Cohen aus eigener Tasche 130.000 US-Dollar an die Pornodarstellerin Stephanie Clifford ("Stormy Daniels") gezahlt, wie er selbst sagt, um sie von Äußerungen über eine behauptete Affäre mit Donald Trump abzubringen. Cliffords Anwalt kündigte nun an, es sei "sehr wahrscheinlich", dass seine Klientin am Montag bei dem Gerichtstermin mit Cohen dabei sei. "Wir haben allen Grund zu vermuten, dass die beschlagnahmten Dokumente etwas mit meiner Mandantin zu tun haben", sagte er.

Keine E-Mails an oder von Trump gefunden

Durchsucht wurden unter anderem das Büro, ein Hotelzimmer und die Privatwohnung von Cohen, außerdem mehrere Tresore, zwei Handys und mehrere E-Mail-Konten, die von ihm verwaltet werden. Laut den Ermittlern sind keine E-Mails von oder an Donald Trump dabei. Sie wiesen außerdem Gerüchte zurück, nach denen die Ermittlungen gegen Cohen auf Hinweise von Sonderermittler Robert Mueller zurückgehen sollen.

Mueller untersucht eine Einflussnahme Russlands auf die Präsidentschaftswahl und mögliche Absprachen mit dem Trump-Team. Er hat seine Ermittlungen immer mehr ausgeweitet. Die US-Behörden gaben nun bekannt, es habe zwar Hinweise von Mueller gegeben, die Hausdurchsuchungen bei Cohen seien jedoch unabhängig davon verlaufen.

Trump hatte die Durchsuchungen bei seinem Anwalt scharf kritisiert. Er sprach von einer "erbärmlichen Aktion, einer totalen Hexenjagd". Die Durchsuchung sei eine Schande, "eine Attacke auf unser Land in gewisser Weise". Damit sei ein "ganz neues Niveau der Unfairness" erreicht.

Cohen hatte zuvor beantragt, dass die beschlagnahmten Unterlagen als geheim eingestuft werden, weil sie auf seine Arbeit als Anwalt zurückgehen. Konversationen zwischen Rechtsvertretern und ihren Klienten sind nach US-Recht besonders geschützt. Cohens Anwälte betonten, wie brisant die beschlagnahmten Unterlagen seien. Wie viel Einfluss Cohen hat, lesen Sie hier.

Cohen vermittelte auch einen Deal über 1,6 Millionen US-Dollar zwischen dem republikanischen Großspender Elliott Broidy und einem schwangeren Model des Magazins "Playboy". Am Freitag zog Broidy sich als Vize-Finanzchef aus dem RNC zurück, einer Art Parteivorstand der Republikaner.

koe/Reuters/AP/dpa

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