Konter aus Teheran Iran will keine US-Bürger mehr ins Land lassen

Die iranische Regierung zieht nach: Als Reaktion auf Donald Trumps Dekret will Teheran US-Bürgern bis auf Weiteres die Einreise verwehren. Auch die Türkei kritisiert den US-Präsidenten.

Antiamerikanische Propaganda in Teheran
DPA

Antiamerikanische Propaganda in Teheran


Iran will vorerst keine US-Bürger mehr ins Land lassen. Teheran werde als Reaktion auf die "beleidigende Entscheidung der USA" das Prinzip der Gegenseitigkeit walten lassen, bis die Maßnahme wieder aufgehoben werde, teilte das iranische Außenministerium mit. Donald Trumps Erlass verstoße gegen internationales Recht.

Der US-Präsident hatte am Freitag verfügt, dass die Visa-Vergabe an Bürger aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern für 90 Tage ausgesetzt wird. Unter diesen Ländern sind neben Iran auch der Irak, Syrien, der Jemen, Libyen, Somalia und der Sudan. Das bisherige US-Flüchtlingsprogramm wird zudem für 120 Tage ausgesetzt.

Das iranische Außenministerium wies nun seine Botschaften und Konsulate in der Welt an, iranische Bürger zu unterstützen, die Probleme bei der Einreise in die USA hätten. Medienberichten zufolge wurde bereits mehreren Iranern der Flug verwehrt, die in die USA reisen oder nach einem Auslandsaufenthalt dorthin zurückkehren wollten.

Auch die Türkei kritisierte die Anordnung des neuen US-Präsidenten. "Wir können das Flüchtlingsproblem nicht lösen, indem wir Mauern errichten", sagte der türkische Regierungschef Binali Yildirim in Ankara auf die Frage, was er von dem von Trump verfügten Einreisestopp halte. Die Türkei ist nicht unter den betroffenen Ländern.

Trump telefoniert mit Merkel und Putin

Der US-Präsident telefonierte am Samstag erstmals seit seinem Amtsantritt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Über den Inhalt des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt.

Donald Trump
REUTERS

Donald Trump

Zuvor hatte Trump mit dem japanischen Regierungschef Shinzo Abe und dem russischen Staatschef Wladimir Putin telefoniert.

Merkel hatte mit Trump bereits kurz nach seinem Wahlsieg im November gesprochen. Der Republikaner hatte die Kanzlerin wegen ihrer Flüchtlingspolitik wiederholt hart kritisiert. Ob und wie Merkel sich nun zu Trumps Einreisestopp äußerte, ist bislang unklar.

In seiner ersten Rundfunkansprache als Präsident lobte Trump sich selbst: "Unsere Regierung ist mit voller Fahrt, einer Rekordgeschwindigkeit, eingestiegen, alle sprechen darüber."

Seine Regierung werde "niemals aufhören, für das amerikanische Volk zu kämpfen", so Trump. Noch am Samstag will er weitere Dekrete unterzeichnen.

cte/AFP

insgesamt 67 Beiträge
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Das Pferd 28.01.2017
1.
auch nicht schlau, so eine 1:1 Reaktion. Und das sehr schnell, offenbar wird Iran von ebenfalls sehr dünnhäutigen Menschen geführt. Und genau so keine Aussage zu Menschen mit doppelter Staatsbürgerschaft usw. Genauso handwerklich schlecht. So was macht man nach 14 Tagen, mit Diskussion und ordentlichem Parlamentsbeschluß, wenn überhaupt. Aber eben auch Staaten wie Iran stehen natürlich unter dem innenpolitischen Druck der öffentlichen Meinung. Und der will markige Gesten, wie Trumps Basis auch.
klyton68 28.01.2017
2. Natürliche Reaktion
Die ganz Reichen aus den betroffenen Ländern dürften aber wohl Sondervisa bekommen.
jerusalem 28.01.2017
3. sehr sehr schlau
ja wirklich, eine sehr schlaue Taktik, es sich gleich mit dem mächtigsten Mann der Welt zu verscherzen! Weiter so, dann ist der Atom Deal auch bald weg und Israel kann wieder aufatmen! Und die europäischen Firmen können ihre Milliardenumsätze abschreiben ....
Klarstellung 28.01.2017
4. Armes Amerika
Immerhin hält Herr Trump zu großen Teilen sein Wahlversprechen, auch wenn diese zum Teil abscheulich sind. Neben dem Befürworten der Folter, stemmt er sich gegen eine Religion und entzürnt heute noch liberale Moslems. Wenn er jetzt noch die Botschaft von TEL Aviv nach Jerrusslem verlegt, explodiert der Nähe Osten. Man muss sich nur vorstellen was passiert wenn er der Meinung ist, einen Staat vaporisieren zu müssen und das kann er aufgrund seiner Befehlsgewalt und das Militär hat die technischen Mittel den Genozid durchzuführen. Wünsche allen einen ruhige, geruhsame Nacht.
hugahuga 28.01.2017
5.
Ob der Geschäftsmnn Trump wohl daran gedacht hat, dass er damit dem US amerikanischen Flugzeughersteller Boeing einen Bärendienst erweist. Die französische Firma Renault hat im vergangenen ordentlich Gewinn geemacht - besonders auch wegen der hohen Verkaufszahlen in Iran. Vielleicht wird sich der Geschäftsmann Trump doch noch gegen den Präsidenten Trump durchsetzen. Allerdings sollte er dann nicht auf seinen Schwiegersohn und AIPAC hören.
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