Paul Manafort Jury spricht Trumps Ex-Wahlkampfmanager in acht Anklagepunkten schuldig

Im Prozess gegen Donald Trumps ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort hat die Jury den Angeklagten in acht Punkten schuldig gesprochen - unter anderem wegen Steuerhinterziehung. Ihm droht eine hohe Gefängnisstrafe.

Paul Manafort
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Paul Manafort


Der frühere Wahlkampfmanager von US-Präsident Donald Trump, Paul Manafort, ist in einem Prozess wegen Steuerhinterziehung und Bankbetrugs in acht der 18 Anklagepunkte schuldig gesprochen worden.

Die zwölfköpfige Jury habe ihre Entscheidung am Dienstag dem Gericht in Alexandria mitgeteilt, berichteten mehrere US-Medien übereinstimmend. Der 69-Jährige hatte auf nicht schuldig plädiert. In zehn Anklagepunkten konnten sich die Geschworenen in fast viertägigen Beratungen auf kein Urteil verständigen.

Manafort droht damit eine lange Haftstrafe, sie liegt bei maximal 80 Jahren. Sein Anwalt Kevin Downing sagte, sein Mandant sei enttäuscht von dem Schuldspruch und prüfe alle seine Möglichkeiten.

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Der demokratische Senator Mark Warner warnte Präsident Trump vor einer möglichen Begnadigung seines ehemaligen Wahlkampfchefs: "Jeder Versuch des Präsidenten, Herrn Manafort zu begnadigen oder sich in die Untersuchung seiner Kampagne einzumischen, wäre ein grober Machtmissbrauch und würde sofortige Handlungen des Kongresses erfordern", hieß es in einem Statement.

Auch Trump reagierte auf den Teil-Schuldspruch. Manafort sei ein "guter Mann", sagte er vor Journalisten in West Virginia. Der Präsident betonte aber, dass der Fall nichts mit ihm oder möglichen geheimen Absprachen mit Russland zu tun habe. Es sei "sehr traurig", was Manafort nun widerfahre. Er tue ihm leid.

Video zur Russlandermittlung: Trump scheut Aussage unter Eid

Xinhua/DPA

Manafort wurde unter anderem vorgeworfen, den Finanzbehörden Einkünfte in Millionenhöhe verschwiegen zu haben, die er als politischer Berater in der Ukraine machte. Außerdem ging es darum, dass er Banken belogen haben soll, um Kredite in Höhe von 20 Millionen US-Dollar zu bekommen.

Erfolg für Robert Mueller

Manafort versteckte der Staatsanwaltschaft zufolge mehrere Millionen Dollar auf 31 ausländischen Konten, insbesondere in Zypern, um den US-Steuerbehörden zu entgehen. Die Anklage stützte sich in ihren Ausführungen auch auf die Aussagen ihres wichtigsten Zeugen, Manaforts langjährigem Geschäftspartner Rick Gates. Dieser hatte unter anderem erklärt, er habe Manafort dabei geholfen, falsche Steuererklärungen einzureichen und die Existenz ausländischer Bankkonten geheim zu halten.

Das Verfahren gegen Manafort war das Erste, das sich im Zuge der Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller ergeben hat. Allerdings haben die Vorwürfe nicht mit dem Kern von dessen Ermittlungen zu tun - dort geht es um die Frage, ob es im US-Wahlkampf 2016 Absprachen des Trump-Lagers mit Russland gab. Das Urteil gegen Manafort ist dennoch ein klarer Erfolg für Mueller und sein Team - belegt es doch, dass ihre Arbeit, anders als von Trump behauptet, keine imaginäre "Hexenjagd" oder "Verschwörung" ist, sondern zu sehr realen Verurteilungen führen kann.

Manafort leitete von Juni bis August 2016 Trumps Wahlkampf. Der Lobbyist und Politikberater war dabei unter anderem für den wichtigen Parteitag zuständig, bei dem sich Trump die Nominierung seiner Partei sicherte. Manafort ist ein langjähriger Berater der konservativen US-Republikaner. Er hat bereits für andere Präsidenten gearbeitet, darunter Ronald Reagan und George Bush.

Der 69-Jährige muss sich ab September in einem weiteren Prozess verantworten. In dem Verfahren in der Bundeshauptstadt Washington werden ihm unter anderem Geldwäsche, Falschaussage und kriminelle Verschwörung vorgeworfen. Auch in diesem Fall hat Manafort auf nicht schuldig plädiert.

Ebenfalls am Dienstag erschien Trumps ehemaliger Anwalt Michael Cohen vor einem Gericht: Er bekannte sich in New York schuldig, unter anderem gegen Gesetze zur Wahlkampffinanzierung verstoßen zu haben. Cohen belastete dabei Trump, ohne ihn direkt beim Namen zu nennen (mehr dazu erfahren Sie hier).

bbr/aar/euters/dpa

insgesamt 26 Beiträge
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nesmo 21.08.2018
1. Begnadigung
und schon ist das Problem erledigt. Trump kann es und muss es tun, weil Manafort sonst auspackt, was er über Trump weiß. Ein irres System, wenn der Präsident sich und alle Buddies begnadigen kann.
deppjones 21.08.2018
2. Lieber SPON
Lieber SPON, könntet ihr bitte die 18 Punkte auflisten und auch in welchen Paul Manafort schuldig gesprochen wurde. Die Leser hier können sowieso nichts ändern aber interessant wäre es allemal.
willibaldus 21.08.2018
3.
WEnn ich hinzunehme, dass sich Trumps Anwalt Cohen schuldig bekannt hat und eventuell ins Gefängnis muss, dann fällt schon auf, welche kriminelle Energie in Trumps Umfeld zu beobachten ist. Ist aber erstmal nur im Rahmen von Müllers Ermittlungen aufgefallen und hat mit den Vorwürfen gegen Trump und sein Wahlkampfteam nichts zu tun.
kuac 21.08.2018
4.
So viele von Trumps Freunden bekennen sich schuldig. Trump soll alleine unschuldig sein und von all dem nichts gewusst hat? Das kann man nicht glauben.
w.diverso 21.08.2018
5. Die amerikanische Justiz
tanz scheinbar doch nicht nach Trump's Pfeife. Jetzt kann Manafort nurmehr auf eine Begnadigung durch Trump hoffen. Ob der ihn aber nicht kaltlächelnd fallen lässt, bleibt abzuwarten. Oder aber, auch Manafort geht einen Deal mit der Justiz ein und plaudert ein bisschen aus dem Nähkästchen, was Trump aber gar nicht freuen würde. Langsam werden die um Trump nach "alternativen Fakten" und "Wahrheit ist nicht Wahrheit" noch einiges erfinden müssen, sonst wird es für Trump wirklich knapp.
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