Junior und die Russland-Connection Trumps Schmutztruppe

Die Russland-Affäre hat Donald Trumps innersten Zirkel erreicht: Sein Sohn und seine Berater finden nichts dabei, sich bei Russen nach "Schmutz" über Hillary Clinton zu erkundigen. Nun windet sich das Weiße Haus.

Trump junior, Vater Donald Trump während Wahlkampf 2016
AFP

Trump junior, Vater Donald Trump während Wahlkampf 2016

Von , New York


Russland-Affäre? Abgehakt! Das jedenfalls hoffte US-Präsident Donald Trump nach seinem Treffen mit Wladimir Putin beim G20-Gipfel vorige Woche: "Jetzt ist es Zeit, vorwärts zu gehen", twitterte er. Sprich: Schluss damit.

Von wegen. Schon auf dem Heimflug nach Washington brachen neue Enthüllungen über ihn herein, und seither platzten täglich neue "bombshell"-Meldungen. Jetzt gab sein ältester Sohn Donald Trump junior unter Druck zu, sich im Wahlkampf 2016 mit einer russischen Emissärin getroffen zu haben, von der er sich kompromittierende Informationen über Hillary Clinton versprach - ein Widerspruch zu allen früheren Dementis des Trump-Lagers.

Die Affäre hat Trumps Familie und innersten Zirkel erreicht: An dem ethisch suspekten, wenn nicht gar illegalen Meeting nahmen auch sein Schwiegersohn Jared Kushner - jetzt Chefberater im West Wing - sowie sein damaliger Wahlkampfchef Paul Manafort teil, zwei Schlüsselfiguren des Skandals.

Seinen bisher dramatischsten Höhepunkt fand dieser Skandal am Dienstag in der Veröffentlichung brisanter E-Mails zwischen Trump junior und einem dubiosen Mittelsmann, der das Treffen einfädelte.

Der Trump-Sohn postete sie auf Twitter, um einem Bericht der "New York Times" zuvorzukommen. Doch statt sich selbst damit zu entlasten, warf er nur weitere Fragen auf.Von Reue keine Spur: Auf Fox News sagte er am Dienstagabend, im Nachhinein hätte er es vielleicht anders gemacht. Aber das Treffen sei für ihn ohne Bedeutung gewesen. Ohne die aktuellen Vorwürfe hätte er sich womöglich gar nicht daran erinnert, sagte Trump junior. "Es waren im wahrsten Sinne des Wortes vergeudete 20 Minuten, die eine Schande waren."

Bestätigt hat er mit seiner Verteidigungslinie allerdings, dass er an belastendem Material über die politische Gegnerin interessiert war. Und deshalb werden die Trumps die Affäre so schnell nicht los. Die wichtigsten Fakten im Überblick:


Was ist der Hintergrund der Affäre?
Nach Geheimdiensterkenntnissen hat Russland mit Cyber-Angriffen und Fake-News-Propaganda in die US-Präsidentschaftswahlen eingegriffen, um Trump zu helfen. Sonderermittler Robert Mueller untersucht, ob es Absprachen mit Trumps Team gab. Mehrere Berater des Präsidenten verschwiegen Kontakte zu Russen zunächst und gaben sie erst zu, als sie durch die US-Medien bekannt wurden - darunter Kushner, Manafort, Justizminister Jeff Sessions, Ex-Sicherheitsberater Michael Flynn und jetzt eben auch Trump junior. Trump selbst spielte die Affäre bisher herunter. Als FBI-Chef James Comey sich weigerte, die Ermittlungen gegen Flynn einzustellen, feuerte er ihn. Seither ermittelt Mueller auch wegen Justizbehinderung gegen Trump.

Was besagen die neuen Enthüllungen?
Das bisher unbekannte Treffen von Trump junior und einer russischen Anwältin namens Natalija Wesselnizkaja am 9. Juni 2016 im Trump Tower eröffnet eine fundamental neue Dimension des Skandals. Vermittelt wurde es vom Publizisten Rob Goldstone: Wesselnizkaja besitze negative Informationen über Clinton, die "für deinen Vater sehr nützlich wären", hatte er sechs Tage zuvor an den Trump-Sohn gemailt. Er stellte Wesselnizkaja als "russische Regierungsanwältin" vor; ihre Informationen, schrieb er, stammten aus dem Büro des russischen Generalstaatsanwalts Juri Tschaika, eines Putin-Vertrauten und Bekannten Wesselnizkajas, und seien als "Teil der Unterstützung Russlands und seiner Regierung für Mr Trump" zu verstehen.

Statt diesen mutmaßlichen Vorstoß einer feindlichen Staatsmacht dem FBI zu melden, antwortete Trump enthusiatisch: "Wenn's so ist, wie du sagst, liebe ich es. "Was dann aber letztlich besprochen wurde, bleibt unklar. Trump und Goldstone sagen, es sei nur "Schwachsinn" dabei herausgekommen - die Frage ist, weshalb sie es dann erst verheimlichten.

Wer sind diese neuen, obskuren Akteure?

Natalija Wesselnizkaja ist eine prominente Moskauer Anwältin. Im Gegensatz zu den Angaben Goldstones wurden ihr bisher aber keine direkten Verbindungen zum Kreml nachgewiesen. Sie vertrat unter anderem einen dubiosen russischen Geschäftsmann, der in den USA bis vor Kurzem unter Geldwäscheanklage stand. Im Frühjahr stellte die US-Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen eine Zahlung von sechs Millionen Dollar ein - neun Monate nach dem Treffen im Trump Tower und zwei Monate, nachdem der neue Präsident den zuständigen US-Staatsanwalt Preet Bharara gefeuert hatte.

Rob Goldstone ist ein britischer Musikpublizist, der seit Jahren mit den Trumps bekannt ist. Er ist ein Trump-Fan, wie seine skurrilen Facebook- und Instagram-Posts zeigen. Dort checkte er offen für das Treffen am 9. Juni 2016 ein. Drei Wochen später postete er ein Foto vom Trump Tower: "Zeigte meinem Patensohn das Hauptquartier unseres künftigen Führers."

Einer der Klienten Goldstones ist Emin Agalarow, Russlands bekanntester Popstar und ein langjähriger Freund der Trumps. Es war Agalarow, der laut Goldstone das Treffen mit Veselnitskaja anregte. Agalarow lernte die Trumps über den Miss-Universe-Schönheitswettbewerb kennen, den Trump senior 2013 in Moskau veranstaltete. Als örtlicher Ausrichter agierte Agalarows Vater, der Immobilienmagnat Aras Agalarow ("Russlands Donald Trump"), der sich enger Beziehungen zu Putin rühmt. Der Sohn sang bei dem Event und drehte später ein Musikvideo, in dem Trump auftrat. Der Vater wollte einen Moskauer Trump Tower bauen, doch das Projekt ruht bisher.

Warum ist das alles so wichtig?

Die Details und Umstände des Juni-Treffens konkretisieren erstmals den Verdacht einer geheime Zusammenarbeit des Trump-Teams mit russischen Kreisen. Zumindest stellt sich die Frage, weshalb alle den Termin erst leugneten - und welche Treffen es noch gab. Die Glaubwürdigkeit des Weißen Hauses ist nun zerstört. Kushner hatte seine Teilnahme in einem Dokument, das alle Regierungsmitglieder ausfüllen müssen, ebenfalls "vergessen" und erst neulich "nachgetragen".

Offen bleiben die Motive. War Veselnitskaja ein Köder, um Trump erpressen zu können? Akzeptierte Trump junior das Angebot aus Naivität, Dummheit - oder krimineller Absicht? Erfüllt allein die Einwilligung in ein solches Treffen den Strafbestand der "Kollusion" mit einer feindlichen Staatsmacht? Verstößt es gegen Wahlkampfgesetze? Sonderermittler Mueller hat nun endloses neues Belastungsmaterial.

Was wusste Trump senior?
Das zentrale Rätsel bleibt: Was wusste der Präsident? Nichts - behauptet das Weiße Haus bisher. Doch vier Stunden, nachdem Trump junior damals für das Veselnitskaja-Treffen zugesagt hatte, kündigte Kandidat Trump auf einer Wahlveranstaltung eine Pressekonferenz mit neuen Infos gegen Clinton an - Zufall? Seit seiner Rückkehr aus Hamburg hat sich Trump nicht öffentlich gezeigt und hat auch keine öffentlichen Termine mehr, bevor er an diesem Abend zu einem Kurzbesuch nach Paris fliegt.

In einer Erklärung, verlesen von einer Sprecherin, distanzierte er sich mit seltsamer Wortwahl: "Mein Sohn ist eine hochklassige Person, und ich begrüße seine Offenheit." Später twitterte er: "Er ist eine tolle Person, die unser Land liebt!" Alle weiteren Fragen verwies die Sprecherin an die Anwälte der beiden Trumps.

Wie geht es nun weiter?
Aus juristischer Sicht hat Sonderermittler Mueller das letzte Wort. Sprich: Das kann noch dauern - und Trump könnte ihn bis dahin sowieso feuern. Aber selbst wenn Mueller Gesetzesverstöße konstatiert, dürfte es schwierig sein, einen Präsidenten vor Gericht anzuklagen. Das wäre vielmehr ein politischer Schritt, durchführbar vom Kongress. Dazu wiederum bedarf es einer Mehrheit der Republikaner, und die stützen Trump noch den Rücken.

Trotzdem sind die Entwicklungen schwer vorhersehbar. Hinzu kommt, dass die Enthüllungen allesamt auf anonyme Quellen in der Regierung und im Weißen Haus zurückgehen. Die E-Mails wurden der "New York Times" von einer Person mit direktem Zugang gesteckt. Weshalb eine der spannendsten Fragen unbeantwortet bleibt: Wer in Trumps Dunstkreis will ihn absägen - und welche Nachricht kommt als nächstes?

Mitarbeit: Benjamin Bidder

insgesamt 253 Beiträge
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Seite 1
Max Super-Powers 12.07.2017
1.
Ich will ja nicht den Advokaten des Gehörnten spielen... aber während des Wahlkampfes waren von demokratischer Seite aus ebenso ALLE Mittel recht, um Dreck aus Trumps Vergangenheit aufzuwühlen. Dass jetzt so ein Gewese gemacht wird, weil auch Trump ähnliche Mittel anwendet, finde ich ehrlich gesagt lächerlich. Der US-Wahlkampf war von beiden Seiten aus ekelhaft schmutzig. Bloß hätte Hillary gewonnen, würde heute kein Hahn mehr nach den "Dirty Tricks" krähen, die auch dazu beitrugen.
sting111 12.07.2017
2. Double Standards
"A secretive Washington firm that commissioned the dubious intelligence dossier on Donald Trump is stonewalling congressional investigators trying to learn more about its connections to the Democratic Party." "The Senate Judiciary Committee is also investigating whether the FBI has wrongly relied on the anti-Trump dossier and its author, Christopher Steele." http://nypost.com/2017/06/24/inside-the-shadowy-intelligence-firm-behind-the-trump-dossier/ Wer sich noch erinnern mag. Dieses Dossier wusste sogar ueber "urinierende Prostituierte" zu berichten.
ade 12.07.2017
3. Solche
Familiären Verstrickungen in der Politik kennt man normal nur von Diktaturen
olli08 12.07.2017
4. Entlarvend !
Einem Interview mit dieser russischen Anwältin zufolge (gestern im heute-Journal) wollte sie mit Trump Jr. über die Adoption von russischen Waisenkindern in die USA sprechen. Trump Jr. war aber nicht an Gesprächen über Kindeswohl, sondern nur an "Schmutz" über H.Clinton interessiert. Ich denke, mehr muss man über diesen Mann nicht wissen ...
zynik 12.07.2017
5.
Zitat von olli08Einem Interview mit dieser russischen Anwältin zufolge (gestern im heute-Journal) wollte sie mit Trump Jr. über die Adoption von russischen Waisenkindern in die USA sprechen. Trump Jr. war aber nicht an Gesprächen über Kindeswohl, sondern nur an "Schmutz" über H.Clinton interessiert. Ich denke, mehr muss man über diesen Mann nicht wissen ...
Kann man mal wieder sehn, für wie blöd der Trump-Clan & Konsorten die eigenen Wähler hält. Aber sie scheinen ja bisher gut damit zu fahren.
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