Geplantes Treffen zwischen Kim und Trump Der Jubel weicht der Skepsis

Kommt es tatsächlich zu einem Treffen des nordkoreanischen Diktators Kim mit US-Präsident Trump? Die Falken im Beraterteam des Amerikaners könnten noch die Oberhand gewinnen, heißt es in einem Bericht der "New York Times".

Donald Trump
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Donald Trump


US-Präsident Donald Trump könnte gelingen, woran seine Vorgänger gescheitert sind - ein neues Nuklearabkommen mit Nordkoreas Diktatur. "Ort und Zeit müssen noch festgelegt werden", hatte der Amerikaner bezüglich des geplanten Treffens mit Machthaber Kim Jong Un gewittert. Doch inzwischen mehren sich Zweifel, ob es tatsächlich dazu kommt

Allein einen passenden Ort zu finden ist verzwickt. Ein US-Diplomat hält laut "New York Times" das sogenannte Friedenshaus in der demilitarisierten Zone zwischen Nord- und Südkorea denkbar. Aber es gibt auch ganz grundsätzliche Bedenken.

Nach dem Gesprächsangebot, das den USA durch südkoreanische Boten überbracht worden sei, besteht dem Bericht zufolge noch immer kein direkter Kontakt nach Nordkorea - dafür herrsche Angst, dass Kim seine Meinung ändern oder während der Gespräche Atomtests durchführen lassen könnte, heißt es unter Berufung auf Regierungskreise. Angesichts aller Unsicherheiten bezifferten dem Blatt zufolge nicht näher genannte US-Regierungsbeamte die Chancen auf ein Treffen nur noch auf 50 Prozent.

Trumps Sprecherin Sarah Sanders hatte bereits zuvor darauf verwiesen, man müsse abwarten, ob die Zusagen Nordkoreas zur Denuklearisierung des Landes eingehalten würden. "Lassen Sie mich hier ganz klar sein: Die USA haben keinerlei Zugeständnisse gemacht, aber Nordkorea hat einiges versprochen."

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte Trump in einer Botschaft zu einem gemeinsamen Treffen eingeladen. Die Nachricht überbrachte Südkoreas nationaler Sicherheitsberater Chung Eui Yong. Trump kündigte zunächst über Twitter an, dass das Treffen zustande kommen würde, die Sanktionen gegen Nordkorea aber weiter bestehen blieben.

Selbst Vertraute wie Außenminister Rex Tillerson seien von Trumps Zusage überrascht gewesen, schreibt die "New York Times". Die Falken im Weißen Haus könnten daher nun daran arbeiten, weitere Hürden für das Treffen aufzubauen, hieß es. Womöglich fühlen sich die Hardliner auch an das aus US-Sicht unvorteilhafte Treffen der damaligen US-Außenministerin Madeleine Albright 1994 erinnert, das die Kim-Familie für Propaganda ausschlachtete.

Die Bereitwilligkeit des nordkoreanischen Staatschefs zu direkten Verhandlungen war zuvor auf breite Zustimmung gestoßen. Der südkoreanische Präsident Moon Jae In sprach von einem "historischen Meilenstein", der die Denuklearisierung auf der koreanischen Halbinsel voranbringen werde. Japans Premierminister Shinzo Abe begrüßte die Einladung - sie zeige, dass der internationale Druck wirke. Der frühere Asienberater Barack Obamas, Daniel R. Russel, mahnte angesichts dessen laut "New York Times" nun: "Wir sollten nicht frühzeitig jubeln."

Im Video: Was Trump und Kim verbindet

REUTERS

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willibaldus 10.03.2018
1.
Ob es da Befürchtungen gibt, der Kim könnte den "senilen Greis" vorführen? Dann wäre der Kim zu Hause der Held, der dem Erzfeind gezeigt hat, wo der Hammer hängt und Trump wäre ernsthaft beschädigt. Oder der Kim macht auf vollständig korrektes Protokoll und macht ansonsten die Gummiwand. Mit so einem Treffen kann der Kim nicht verlieren und der Trump geht ein grosses Risiko ein.
sven2016 10.03.2018
2.
Bisher haben Vereinbarungen und Treffen zwischen Nordkorea und der amerikanischen Regierung nicht funktioniert, auch bei Obama nicht. Die negative Attitude aus dem Weißen Haus ("höchstens 50 %") und die Erfahrung, dass Trump persönliches Risiko hasst und immer "gewinnen" muss, sprechen nicht für einen neuen Anlauf. Wie hieß es im US-TV: "Treffen des Irren mit Atomwaffen, einem verdächtigen Familienclan und komischer Frisur mit Präsident Kim".
joG 10.03.2018
3. Es ist eine ganz prima Sache...
...wenn "es" geschieht. Nur sehen wir einen Fall von lautem Gebrabbel bevor man die Details kennt. Es ist nicht die Gefahr hier, dass die "Falken" die Oberhand bekommen. Au contraire. Die gefahr ist, dass träumende Irrealisten sich durchsetzen, wie sie es bei dem gräßlichen Vertrag mit Iran haben. Dort ist das mittelfristige Risiko eines Atomkriegs dadurch erheblich gestiegen. Ähnlich hier. Wenn bspw Kim während des Treffens mit Trump eine Interkontinentalrakete ider Atomwaffe testet, müssten die Amerikaner das koreanische Problem des Nordens sofort militärisch lösen ohne wietere Diskussion. Ohne dem verlören sie ihre Glaubwürdigkeit als verläßlichen Alliierten in Asien.
Mister Stone 10.03.2018
4. Kalter Kafee
Das ist doch kalter Kaffee. Erst Scheinfriedensbemühungen anbieten und dann unrealisierbare Forderungen aufstellen. Selbst wenn Kim wider Erwarten all seine Atomwaffen vernichten würde, und das ganze überprüfen lassen würde, kämen die US-Kontrolleure zu dem Ergebnis, dass "wohl doch nicht alle" vernichtet worden wären. Mit Russland läuft es doch genau so. Da tönt ein Gabriel oder ein sonstiger außenpolitsicher Experte mit scheinheiliger Stirnfalte, man wolle die Sanktionen abbauen. Und tags darauf "...aber nur, wenn Putin sich komplett aus der Ukraine zurückzieht". Warum nicht gleich noch fordern, dass er die Schwarzmeerflotte aufgibt und mit runtergezogener Hose auf dem Roten Platz die US-Hymne singt?. Zuckerbrot und Peitsche eben. Es geht dem Westen (USA und die von ihnen befehligten Nato-Staaten) rein um Machtdemonstration, um Demütigung und Erniedrigung des politischen Feindes. Diese Methode gehört zu primären westlichen Werten.
angst+money 10.03.2018
5.
In manchen Fällen können Gockel mehr Schaden anrichten als Falken.
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