Kämpfe in der Ostukraine Schweizer Rot-Kreuz-Mitarbeiter in Donezk getötet

Das Zentrum der Separatistenhochburg Donezk ist wieder unter starkes Artilleriefeuer geraten. Auch das Büro des Internationalen Roten Kreuzes wurde beschossen.

Kämpfe in Donezk: "Tragischer Zwischenfall"
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Kämpfe in Donezk: "Tragischer Zwischenfall"


Donezk - Die Kämpfe in Donezk weiten sich aus. Bereits am Vormittag stand der Flughafen der Stadt in der Ostukraine unter Beschuss, am Abend wurde das Zentrum bombardiert. Den Aufständischen zufolge traf ein Geschoss das Büro des Internationalen Roten Kreuzes und tötete einen Schweizer Mitarbeiter der Hilfsorganisation.

Das Rote Kreuz bestätigte den Tod des Mannes. Der 38-Jährige sei ums Leben gekommen, als eine Granate neben dem Büro der Organisation in der Stadt niedergegangen sei, teilte das ICRC am späten Donnerstagabend mit.

Getroffen wurde nach Angaben der prorussischen Verwaltung der Großstadt zudem ein Einkaufszentrum. Eine weitere Granate sei in ein Busdepot eingeschlagen, aber nicht explodiert.

Bei den Auseinandersetzungen am Montag waren in der Separatistenhochburg mindestens elf Zivilisten getötet worden. Armee und Separatisten gaben sich gegenseitig die Schuld an den Gefechten.

Am Mittwoch waren in Donezk bei Granateneinschlägen auf einem Schulhof und einer nahe gelegenen Straße mindestens zehn Menschen getötet worden. In der Nacht auf Donnerstag hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel den russischen Präsidenten Wladimir Putin in einem Telefonat aufgefordert, mäßigend auf die Separatisten in der Ukraine einzuwirken.

Die ukrainische Regierung und die prorussischen Separatisten hatten am 5. September in der weißrussischen Hauptstadt Minsk einen Waffenstillstand vereinbart, um die monatelangen Kampfhandlungen zu beenden.

kha/Reuters/AFP/dpa

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insgesamt 60 Beiträge
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Seite 1
peterpanofsky 02.10.2014
1.
Nach Aussagen eines ukrainischen Oberst, der für die Verhandlungen zum Gefangenenaustausch zuständig ist, gibt es in diesem Konflikt eine nicht identifizierte dritte Partei, welche in der Ostukraine beide Seiten zu beschießen scheint.
colonium 02.10.2014
2. Falscher Adressat
Die Reste der ukrainischen Armee und die "Nationalgarde" schießen seit Monaten vom Flughafen in die Stadt Donetzk. Heute haben die ukrainischen "Truppen" sogar einen Schweizer Rotkreuz Mitarbeiter getötet und Merkel telefoniert mit Putin???? Es wäre an der Zeit mit Poroschenko zu telefonieren und ihn aufzufordern nicht in die Stadt Donezk ungezielt reinzuschießen. Aber das tut Merkel nicht. Wahrscheinlich wird nun eine weitere Sanktionsstufe gegen Russland ausgerufen, weil die westukrainische Armee Zivilisten beschießt...Putin ist offenbar auch Oberbefehlshaber der westukrainischen Truppen...
lab61 02.10.2014
3.
Schon vom ersten Moment an haben die Separatisten in Donezk den Waffenstillstand missachtet, und aus den Wohngebieten heraus den Flughafen mit Grad-Systemen beschossen. Wie uns Familienmitglieder telefonisch berichteten, stellen die Separatisten ihre Artillerie dabei gezielt zwischen Wohnblöcken und in unmittelbarer Nähe einer Schule auf.. der Schule auch, in die meine Frau als Kind ging und meine Schwiegermutter lange Jahre als Lehrerin arbeitete. Man will die ukrainische Armee gezielt provozieren, in die Stadt, und in die Wohngebiete hinein zurück zu schießen. Das Schießen der Separatisten folgt dabei oftmals regelrechten Zeitplänen, die die Nachbarn bereits auswendig kennen. Und stets sind dann auch gleich Teams russischer Fernsehsender in der Nähe, um etwaige Einschläge von ukrainischer Seite abgefeuerter Geschosse medienwirksam verarbeiten zu können. Mit an vorderster Propagandafront dabei stets der Sender der von Moskau geschaffenen Separatistenrepublik Abchasien; Anna TV.
matrjoschka 02.10.2014
4. Die
... Soldateska hat die Waffenruhe zwecks Einnahme des Donezker Flughafens gebrochen. Anzunehmen ist, dass ihre Angriffe auch aus zivilen Gebäuden heraus erfolgen, damit die ukrainische Armee zu Gegenreaktionen provoziert wird. Der Argumentation Putins zufolge trägt Schuld an den Folgen wer Krieg führt. Im vorliegendem Fall herrschte Waffenruhe, bevor sich die Freischärler zur Eroberung de Flughafens Donezk aufmachten. Nachdem sie folglich durch Kriegshandlungen den Waffenstillstand brachen, tragen sie auch die alleinige Schuld an dem getöteten Rot-Kreuz-Mitarbeiter.
bloub 02.10.2014
5.
Zitat von peterpanofskyNach Aussagen eines ukrainischen Oberst, der für die Verhandlungen zum Gefangenenaustausch zuständig ist, gibt es in diesem Konflikt eine nicht identifizierte dritte Partei, welche in der Ostukraine beide Seiten zu beschießen scheint.
dahinter könnten die privatarmeen diverser oligarchen wie kolomoisky, timoschenko etc. dahinterstecken. wer weiss schon, was die für ziele verfolgen. die kiewer regierung ist dazu noch so dumm, sich auf die zu verlassen.
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