Schwere Kämpfe in Donezk Ukraine und Russland streiten um Friedensvorschläge

In der Ostukraine toben die schwersten Kämpfe seit Wochen: Während sich ukrainische Truppen und Separatisten in Donezk beschießen, streiten sich Kiew und Moskau um angeblich ernst gemeinte neue Friedensangebote.

Beschossenes Wohnhaus in Donezk: Schwere Kämpfe in der Ostukraine
AP/dpa

Beschossenes Wohnhaus in Donezk: Schwere Kämpfe in der Ostukraine


Berlin/Donezk - Waffenruhe? Davon kann in Donezk schon lange keine Rede mehr sein, doch inzwischen sind die Kämpfe in der ostukrainischen Stadt so schlimm wie lange nicht mehr: Regierungstruppen und separatistische Milizen beschießen sich in der Auseinandersetzung um den strategisch wichtigen Flughafen mit schweren Waffen, mehrere Stadtteile von Donezk stehen unter Beschuss, allein am Wochenende gab es zahlreiche Tote und Verletzte.

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Mit dem drohenden endgültigen Zusammenbruch der Waffenruhe haben Kiew und Moskau nun eigene diplomatische Anläufe zu einer eventuellen friedlichen Regelung genommen. Russland unterstützt die Separatisten in der Ostukraine. Aber wie ernst gemeint sind die neuerlichen Friedensbemühungen?

Russlands Präsident Wladimir Putin unterbreitete seinem ukrainischen Kollegen Petro Poroschenko einen Friedensvorschlag, der jedoch nach russischen Angaben vom Sonntagabend umgehend abgelehnt wurde. Am späten Sonntagabend wiederum schlug das ukrainische Außenministerium der russischen Führung vor, das seit September geltende sogenannte Minsker Abkommen zur Beilegung des Konflikts zu unterzeichnen - dann könnten schon am Montag die Waffen schweigen. Zuvor hatte Kiews Außenminister Pawlo Klimkin "echte Perspektiven" für eventuelle Friedensgespräche gefordert.

Poroschenko: "Geben keinen Fußbreit ukrainischen Bodens her"

Am Rande einer Trauerzeremonie in Kiew mit Tausenden Menschen lobte Präsident Poroschenko den Mut der Soldaten beim Kampf um den Flughafen in Donezk. "Wir geben keinen Fußbreit vom ukrainischen Boden her", sagte der Staatschef.

In einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" forderte Poroschenko mehr Unterstützung des Westens für die Ukraine. Er rief Russland dazu auf, das Waffenstillstandsabkommen von Minsk zu unterschreiben - sonst drohe weiteres Blutvergießen.

Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich besorgt über die Eskalation der Gewalt in der Ostukraine und forderte ein Ende der Kämpfe. Zugleich bot Ban die Dienste der Uno "bei Bemühungen um eine Deeskalation und die Wiederaufnahme eines ernsthaften Friedensprozesses" an.

In Brüssel kommen am Montag die Außenminister der 28 EU-Staaten zu Beratungen zusammen, unter anderem über den Ukraine-Konflikt und in diesem Zusammenhang vor allem den Umgang mit der Politik Moskaus. In den kommenden Monaten laufen zeitlich befristete EU-Sanktionen gegen Russland ab.

Der Chef des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, Elmar Brok (CDU), warnte davor, Russland zu früh entgegenzukommen. "Wir dürfen jetzt nicht einseitig zu business as usual zurückkehren", sagte er der "Welt". Moskau müsse erst die Vereinbarungen aus dem Minsker Abkommen erfüllen und die Verletzung des Völkerrechts rückgängig machen. "Russland muss die Voraussetzungen für solche Gespräche durch eine Verhaltensänderung schaffen."

flo/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 166 Beiträge
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Seite 1
antiru 19.01.2015
1. Frieden mit Russland?
Das ist so wie Feuer und Wasser. Die Russen wollen ihre gestörten Interessen durch setzen und werden niemals ernsthaft Verhandeln. Was machen diese Aggressoren eigentlich im UN-Sicherheitsrat?
Bernhard.R 19.01.2015
2. Die Welt verändert sich
Staaten zerfallen, Staaten entstehen. Die Politiker müssen zum Recht zurückkehren. Wenn politische Entwicklungen mit militärischer Gewalt aufgehalten werden sollen, droht eine Zerstörung dessen, was doch eigentlich geschützt werden soll.
sir wilfried 19.01.2015
3. Poroschenko hofft auf die NATO,
und solange wird er weiter Wohnhäuser in Trümmer legen lassen, Waffen statt Lebensmittel kaufen und seinen Volkssturm rekrutieren. Eine friedliche Lösung strebt er ganz sicher nicht an.
Herr Jedermann 19.01.2015
4.
Die ostukrainische Bevölkerung will nicht unter das Kiewer Joch zurückkehren. Ich denke die Kiewer Machthaber sind vom Westen darin bestärkt worden (auch mit den 500Mill€), eine militärische Lösung zu suchen. Russland wird nicht zulassen, dass die russische Ostukraine in Kiewer Hände fallen wird.
Ossifriese 19.01.2015
5. Verhandlungen
Zitat von antiruDas ist so wie Feuer und Wasser. Die Russen wollen ihre gestörten Interessen durch setzen und werden niemals ernsthaft Verhandeln. Was machen diese Aggressoren eigentlich im UN-Sicherheitsrat?
Das kann man auch anders sehen. Russland will sich möglichst nicht weiter in diesen innerukrainischen Konflikt hineinziehen lassen. Gesetzt, die Russen träten als Vertragspartner der Kiewer im Rahmen eines Friedensabkommens auf - wie sollten dann die Vorgaben in der Ostukraine umgesetzt werden, wenn sich die "Separatisten" einer Einigung verweigern, weil ihnen bestimmte Bedingungen nicht weit genug gehen? Notgedrungen müssten dann wirklich (!) russische Truppen über die Grenze, um die "Separatisten" zur Räson zu bringen. Von da bis zu einer direkten Auseinandersetzung mit den Kiewer radikalen Bataillonen ist es nur noch ein Schritt. Und wenn man die große Erwartung Jazenjuks zum Eingreifen der Nato kennt, sollte man auch wissen, warum die Russen sich darauf berufen, dass Kiew mit den "Separatisten" zu verhandeln hat. Denn nur mit denen kann es zu einer Einigung kommen. Nur - genau das wollen die Kiewer nicht.
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